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Tirat Carmel FC dreht das Spiel - späte Freude gegen Herzliya Yellows

Ein lauer Maiabend im Tirat Carmel-Stadion, 52.370 Fans, ein Spiel, das erst zäh begann und dann mit einem Knall endete: Tirat Carmel FC besiegte die Herzliya Yellows mit 2:1 (0:1) - und das nach einem Rückstand, der die Heimfans schon fast zur Halbzeitpause in die Imbissstände getrieben hatte.

Dabei begann alles nach dem Drehbuch der Gäste. Der 18-jährige Tyler Sutherland, der aussieht, als würde er gerade aus der Jugendakademie kommen (was er tatsächlich tut), traf in der 37. Minute nach feinem Zuspiel von Matan Ohayon. "Ich hab einfach geschossen, ohne groß zu denken", grinste Sutherland später. "Trainer Shaker sagt immer: weniger denken, mehr treffen." Mission erfüllt.

Bis dahin kontrollierten die Yellows das Geschehen - 13 Torschüsse insgesamt sprechen eine klare Sprache. Ihr Pressing? Zunächst kaum vorhanden, aber ihre Aggressivität deutlich spürbar. Zwei Gelbe Karten, eine für den 17-jährigen Tal Sapir (31.) und später eine für den eingewechselten Andres Henriquez (68.), erzählten ihre eigene Geschichte: Jugendlicher Übermut trifft auf gestandene Routine.

Tirat Carmel hingegen wirkte lange wie ein Motor, der nicht zünden wollte. Zwar hatten sie mit 53 Prozent etwas mehr Ballbesitz, aber die klaren Chancen blieben Mangelware. Trainerin Babsi Klemm stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, rief "Schneller, Männer, schneller!", und bekam von Mittelfeldmann Bram Sleeper - Gelb in der 7. Minute - nur ein gequältes Nicken zurück.

Doch was auch immer Klemm in der Kabine gesagt hat - es wirkte. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, stand es 1:1. Isidoro Oliveira, der bullige Mittelstürmer mit dem Temperament eines Espresso, nutzte in der 46. Minute die erste echte Unachtsamkeit der Herzliya-Abwehr. Keeper Cristian Barbu war noch auf dem Weg in die richtige Ecke, als der Ball schon hinter ihm einschlug. "Ich hab einfach gespürt, dass der Moment da war", sagte Oliveira später, "und ehrlich gesagt - ich hatte Hunger. Auf Tore und auf Pizza."

Die Yellows reagierten, wechselten doppelt: Der junge Sapir musste runter, Andres Henriquez kam (und holte sich später prompt Gelb), vorne ersetzte George Ross den Torschützen Sutherland. Trainer Kula Shaker - stets mit Sonnenbrille, auch bei Nacht - erklärte nach dem Spiel: "Wir wollten Stabilität bringen. Bekommen haben wir Nervosität."

Denn Tirat Carmel drehte weiter auf. Rahim Erkin prüfte Barbu in der 60. Minute per Flachschuss, Ethan Marley zirkelte in der 81. den Ball nur knapp am Winkel vorbei. Es lag etwas in der Luft - und es roch nach späten Helden.

Dann, in der 84. Minute, passierte es: Joel Cantwell, der bis dahin kaum aufgefallen war, nutzte einen butterweichen Pass von Bram Sleeper, um das Stadion zum Beben zu bringen. 2:1. Cantwell rannte Richtung Eckfahne, rutschte auf den Knien und brüllte: "Das ist für dich, Babsi!" - die Trainerin lächelte nur und sagte später trocken: "Ich weiß gar nicht, was ich damit soll, aber ich nehme es."

Die letzten Minuten? Herzliya warf alles nach vorn, inklusive der Ersatzspielerblicke. Ein Doppelschuss in der Nachspielzeit - zuerst von Elias Keller, dann von Mario Berjon - brachte Torhüter Georg Danielsen ins Schwitzen, aber nicht ins Wanken. Er hielt, was zu halten war, und rettete den Sieg.

Am Ende wirkten die Yellows wie ein Team, das mehr gegeben hatte, als die Anzeigetafel zeigte. 46 Prozent Ballbesitz, mehr Torschüsse, aber kein Glück. "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, nur leider gegen ein Team, das im richtigen Moment Feuer gefangen hat", sagte Shaker, während er sich die Sonnenbrille wieder aufsetzte.

Babsi Klemm hingegen gönnte sich nach dem Abpfiff ein kurzes Tänzchen mit der Ersatzbank. "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn wir das drehen, lade ich auf Falafel ein. Jetzt muss ich wohl zahlen."

So endete ein Abend, der alles bot, was Fußball so herrlich unberechenbar macht: ein Teenager-Tor, eine Trainerin mit Humor, und ein Publikum, das am Ende im Chor die Namen seiner Helden sang.

Und wer weiß - vielleicht war dieser 2:1-Sieg mehr als nur drei Punkte. Vielleicht war er der Moment, in dem Tirat Carmel FC verstand, dass Spiele nicht immer schön, aber manchmal einfach wunderbar schmutzig gewonnen werden müssen.

11.05.644000 05:42
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