Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Tirat Carmel FC tanzt Sakhnin United mit 2:0 vom Platz

Wenn ein Spiel gleich in der vierten Minute sein erstes Tor sieht, dann weiß man: Es wird kein langweiliger Abend. Und tatsächlich verwandelte sich das Stadion von Tirat Carmel am späten Sonntag in ein Tollhaus, als Ivica Jovanovic nach Vorlage von Espen Brinkerhoff den Ball trocken ins rechte Eck schob. 45.220 Zuschauer erhoben sich, als hätte man gerade das Meisterstück gesehen - dabei waren noch 86 Minuten zu spielen.

Was folgte, war ein Fußballspiel mit klaren Fronten: Tirat Carmel FC wollte, Sakhnin United durfte, aber konnte nicht. Trainerin Babsi Klemm hatte ihre Elf mutig und offensiv eingestellt, mit viel Bewegung über die Außen und einem Mittelfeld, das Ansgar Henriksson wie ein Dirigent führte. "Wir haben uns vorgenommen, früh Druck zu machen - und dann fiel das Tor eben gleich beim ersten Versuch. So mag ich das", sagte Klemm nach dem Spiel mit einem schelmischen Grinsen.

Sakhnin-Trainer Dani Schu dagegen sah das anders: "Wir waren eigentlich gut im Spiel, bis wir den Ball verloren haben - und dann war er halt drin." Ein Satz, der sinnbildlich für den Auftritt seines Teams stand. Fünf Torschüsse in 90 Minuten sprechen eine deutliche Sprache, zumal Torwart Quentin Decaluwe sich schon zur Pause über zu wenig Beschäftigung beklagen konnte. "Ich hab mir in der ersten Halbzeit fast einen Sonnenbrand geholt", witzelte der Keeper später, bevor er in der 58. Minute ausgewechselt wurde - ob verletzt oder aus Langeweile, blieb unklar.

Tirat Carmel dagegen hätte schon zur Halbzeit höher führen können. Espen Brinkerhoff prüfte Decaluwe mehrfach aus der Distanz, Claude Gaudin scheiterte knapp mit einem Kopfball, und der quirlige Frans Dahl tanzte sich einmal durch die Abwehr, nur um den Ball dann so weit über das Tor zu schießen, dass man kurz den Eindruck hatte, er wolle den Ballon d’Or treffen. "Ich hab’s zu genau gewollt", sagte Dahl lachend nach dem Spiel - eine Ausrede, die nur Stürmer wirklich ernst meinen.

So blieb es beim 1:0 zur Pause. Der Ballbesitz (56,6 Prozent) war klar auf Seiten der Hausherren, ebenso die Torschussstatistik (17 zu 5). Sakhnin United blieb offensiv bemüht, aber harmlos. Ben Katzaw hatte in der 10. und 14. Minute zwei halbwegs gefährliche Abschlüsse, die Tirats Keeper Edward Whitman jedoch locker parierte.

Nach dem Seitenwechsel zog Tirat Carmel das Tempo noch einmal an. Klemm hatte offenbar in der Kabine die richtigen Worte gefunden. "Ich hab gesagt: Wenn ihr noch ein Tor schießt, geb ich Montag trainingsfrei", verriet sie mit einem Augenzwinkern. Und offenbar wirkte die Aussicht auf Freizeit Wunder. In der 68. Minute setzte Henriksson zu einem kraftvollen Lauf durchs Mittelfeld an, legte rechts raus auf Hjalmar Dalgaard - einen Rechtsverteidiger, wohlgemerkt - und der drosch den Ball humorlos ins Netz. 2:0. Der Rest war Jubel, Gesang und ein bisschen Schaulaufen.

Dalgaard, sonst eher der Typ, der seine Flanken so berechnet wie ein Ingenieur, grinste über beide Ohren: "Ich hab einfach mal draufgehalten. Normalerweise krieg ich dann Ärger, diesmal nicht."

Sakhnin United versuchte es noch mit frischen Kräften: Azmi Tabenkin kam für Schaul Alberman, Maor Liwni ersetzte Decaluwe im Tor. Doch weder die Auswechslungen noch die offensive Grundhaltung (die von Anfang bis Ende "offensiv" blieb, laut Statistik) brachten wirklich Gefahr. Die Gäste wirkten wie ein Auto, das mit Vollgas fährt - aber im Leerlauf.

Tirat Carmel spielte die Partie souverän zu Ende, legte sich den Ball mit sicherem Passspiel zurecht und ließ den Gegner laufen. Das Publikum feierte jeden gelungenen Trick von Jovanovic und jeden abgefangenen Ball von Conte. Als Schiedsrichter Ben-Ami nach 90 Minuten abpfiff, war das Ergebnis so klar wie verdient: 2:0, keine Diskussion.

"Das war erwachsen", meinte Kapitän Henriksson zufrieden. "Wir sind auf dem richtigen Weg - und Hjalmar darf jetzt öfter schießen."

Babsi Klemm grinste nur noch: "Wenn meine Verteidiger treffen, dann weiß ich, dass wir was richtig machen."

Und Sakhnin? Trainer Schu zuckte mit den Schultern: "Wir haben wenigstens nicht 0:3 verloren." Manchmal ist Fußball eben auch eine Frage der Perspektive.

Am Ende bleibt: Tirat Carmel FC spielt sich mit Witz, Tempo und Teamgeist an die Spitze der Formtabelle. Und wer bei 45.000 Zuschauern gleich in der vierten Minute trifft, darf den Rest des Abends ruhig genießen - vielleicht sogar bei einem trainingsfreien Montag.

17.12.643996 13:38
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Der ist noch nicht hier. Der Flug nach Kapstadt war ein Nichtraucherflug. Da konnte er nicht.
Berti Vogts über die verspätete Ankunft von Mario Basler in Südafrika
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager