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Ein lauer Maiabend, 45.870 Zuschauer im Stadion, ein Gegner, der eigentlich Favorit war - und am Ende zwei Tore, die Tirat Carmel FC in eine kleine Fußball-Ekstase versetzten. Beim 2:0-Sieg über Maccabi Haifa zeigte die Mannschaft von Trainerin Babsi Klemm, dass Offensivgeist und eiserne Disziplin wunderbar zusammenpassen können. Es war ein Spiel, das in der ersten Halbzeit wie eine Geduldsprobe wirkte - und in der zweiten Halbzeit wie eine Befreiung. Von Beginn an machte Tirat Carmel klar, dass sie sich nicht verstecken würden. Schon in der zweiten Minute prüfte Frans Dahl den Haifa-Keeper mit einem scharfen Linksschuss, der aber noch pariert wurde. Dann reihten sich Schüsse wie Perlen an einer schlecht gefädelten Kette: Oliveira in der 14., Carlsen in der 19., wieder Oliveira in der 21. Minute - alle knapp vorbei oder vom Keeper gehalten. "Wir hätten schon 3:0 führen können, bevor überhaupt jemand sein Popcorn aufgegessen hatte", grinste Klemm später mit einem Anflug von Stolz. Maccabi Haifa hielt zwar den Ball etwas länger in den eigenen Reihen (Ballbesitz 52 %), aber was nützt Schönspielerei, wenn man vorne vergisst, dass Tore zählen? Ganze zwei Schüsse aufs Tor brachte Haifa zustande - viel zu wenig, um Torwart Edward Whitman aus der Ruhe zu bringen. "Ich hatte fast kalte Hände in der ersten Halbzeit", witzelte der Keeper nach dem Spiel. Kurz vor der Pause wurde es dann doch hitzig. Leandro Djalo und Kacper Wojciechowski kassierten Gelb, weil sie meinten, das Wort "robust" in den Zweikampfregeln neu definieren zu dürfen. Auch Maccabi hatte seine Momente der Übermotivation - Özcan und der junge Ghalib Wahbi sahen später ebenfalls Gelb. Es war ein Spiel, bei dem die Schiedsrichterpfeife kaum eine Verschnaufpause bekam. Dann kam die 46. Minute - und mit ihr der Moment, der alles änderte. Frans Dahl, der bis dahin mehr Kilometer abgespult hatte als ein Postbote an Weihnachten, zog über links, legte quer, und Isidoro Oliveira vollendete eiskalt. 1:0! Das Stadion bebte, Trainerin Klemm sprang so hoch, dass selbst der vierte Offizielle kurz die Luft anhielt. "Wir haben die Pause genutzt, um uns kurz zu erinnern, dass Tore erlaubt sind", sagte Oliveira später mit einem Augenzwinkern. Maccabi reagierte - oder versuchte es zumindest. Doch egal, wie oft sie angriffen, Tirat Carmels Defensive blieb konzentriert, bissig, körperlich präsent. In der 63. Minute dann die Entscheidung: Ansgar Henriksson spielte einen wunderbaren Ball in den Lauf von Dahl, der diesmal nicht querlegte, sondern selbst vollstreckte. 2:0 - und der Rest war Jubel, Gesang und das leise Klappern der grünen Hoffnungsträger aus Haifa, die ihre Köpfe hängen ließen. Babsi Klemm hatte da längst ihr Werk vollbracht. Ihre Mannschaft spielte offensiv, aggressiv, mit starkem Einsatz - genau so, wie es die Taktikaufzeichnung verrät. Nach dem 2:0 ließ sie ihre Jungs weiter nach vorne spielen, als ginge es um die Meisterschaft. "Ich kenne keine Rückwärtsgänge", kommentierte sie trocken auf der Pressekonferenz. Die Gäste hingegen wirkten, als hätten sie den Bus schon im Kopf. Trainer David Goldmann stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, während seine Spieler den Ball quer durch die eigene Abwehr schoben. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte er später, "aber anscheinend haben wir die Ruhe zu wörtlich genommen." Als in der 85. Minute Oliveira noch einmal aus der Distanz abzog, brandete ein Schmunzeln durchs Stadion. Die Fans wussten: Heute geht nichts mehr schief. Tirat Carmel beendete die Partie mit 23 Torschüssen - ein Statement, das selbst in der Statistik glänzt. Maccabi Haifa dagegen brachte kaum Gefahr zustande, obwohl die Ballbesitzquote freundlich aussieht. Nach dem Schlusspfiff umarmten sich Dahl und Oliveira, die beiden Torschützen, und verschwanden Schulter an Schulter in den Kabinengang. "Wir haben uns die Tore fair geteilt", lachte Dahl. "Ich gebe ihm eins, er gibt mir eins - Teamwork." Vielleicht war es genau das, was den Unterschied ausmachte: Tirat Carmel spielte als Mannschaft, während Haifa eher wie eine Ansammlung von Einzeltalenten wirkte, die sich erst auf dem Parkplatz kennenlernen. Und so stand am Ende ein hochverdientes 2:0 (0:0), das nicht nur drei Punkte, sondern auch ein deutliches Signal an die Liga war: Wer gegen Tirat Carmel spielt, sollte besser wissen, dass dieser Klub kein kleiner Außenseiter mehr ist, sondern ein Team, das vor Selbstbewusstsein strotzt - und das mit einem Augenzwinkern sagt: "Wir haben’s ja nur offensiv versucht." 26.06.644000 12:50 |
Sprücheklopfer
Ich bin der linke, mittlere, defensive Offensivspieler.
Christian Ziege