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36.000 Fans hatten sich an diesem lauen Aprilabend im Stadion von Kiryat Shmona eingefunden, um zu sehen, ob ihre "Reds" beim 19. Spieltag der 1. Liga Israel den Aufwärtstrend fortsetzen könnten. Nach 90 intensiven Minuten stand fest: konnten sie nicht. Tirat Carmel FC gewann verdient mit 3:1 (2:1) und zeigte dabei eine Mischung aus Flügelwirbel, nordischer Präzision und einer Prise Chuzpe. Dabei hatte es für die Hausherren zunächst nach einem Traumstart ausgesehen. In der 18. Minute sprintete Callum Lujan, der flinke rechte Flügelstürmer, in eine Lücke, die nur Patrick Beaumanoir sehen konnte. Der Franzose legte quer, Lujan zog ab - und das Stadion explodierte. 1:0! Die Roten lagen vorn, und Coach Babsi Klemm auf der Gästebank biss kurz auf die Lippen. "Da hab ich mir gedacht: Na prima, das fängt ja gut an", gab sie später mit einem ironischen Lächeln zu Protokoll. Doch Tirat Carmel nahm den Rückstand als Einladung. Espen Brinkerhoff, 31 Jahre jung und mit der Erfahrung eines halben Fußballlebens, bekam nach seiner frühen Gelben Karte (20.) so etwas wie die Lizenz zum Zaubern. In der 37. Minute flankte er butterweich von links in den Strafraum, und Frans Dahl machte, was ein Stürmer machen muss: Kopf runter, Nacken fest, Ball ins Netz. 1:1, und das Publikum wurde merklich stiller. Kaum fünf Minuten später legte Tirat Carmel nach. Wieder Brinkerhoff, diesmal mit einem kurzen Pass auf den rechten Flügel, wo Ivica Jovanovic den Ball trocken in den Winkel drosch - 1:2 (42.). Der Jubel der mitgereisten Fans hallte wie eine Möwenkolonie durchs Stadion. "Wir wussten, dass wir über die Flügel kommen müssen", erklärte Jovanovic nach dem Spiel, "die haben uns da einfach zu viel Platz gelassen." Zur Pause herrschte betretenes Schweigen bei den Heimfans - und hektisches Gestikulieren bei Coach Babsi Klemm. Sie brachte zur zweiten Halbzeit Bram Sleeper und Adriano Figo, zwei frische Beine für die linke Seite. Eine Entscheidung, die sich lohnen sollte. Kiryat Shmona versuchte zwar, das Spiel zu kontrollieren (am Ende 53 Prozent Ballbesitz), doch Tirat Carmel hatte den Plan: laufen lassen, kontern, treffen. In der 61. Minute war es wieder so weit. Ethan Marley, der unermüdliche Mittelfeldmotor, zog aus der Distanz ab. Der Ball flatterte leicht, Torhüter Noach Barculo streckte sich vergeblich - 1:3. Vorlage? Natürlich Bram Sleeper, frisch eingewechselt und sofort im Spiel. "Ich glaub, der Ball hatte Rückenwind", grinste Marley nach dem Schlusspfiff. Danach spielte Tirat Carmel die Partie mit erstaunlicher Coolness zu Ende. Die Gastgeber kamen zwar noch zu einigen Abschlüssen - Beaumanoir (77.) und Lujan (78.) versuchten es vergeblich - doch Gästekeeper Georg Danielsen blieb Herr der Lage. 17 Torschüsse zählte man für Tirat Carmel, nur acht für die Reds - eine Statistik, die das Spiel treffend zusammenfasst. Selbst als Trainerin Klemm in der 74. Minute Stürmer Isidoro Oliveira gegen Claude Gaudin tauschte, blieb der Offensivgeist ungebrochen. "Wir wollten nicht mauern, sondern Spaß haben", sagte sie hinterher. "Und wenn man Spaß hat, fallen die Tore von allein." Auf der anderen Seite rang Kiryat Shmonas Coach - dessen Name in den Unterlagen seltsam fehlte, aber sein Gesicht sprach Bände - nach Worten. "Wir waren nicht schlechter, nur weniger effizient", meinte er schließlich und stapfte Richtung Kabine. Vielleicht tröstet ihn der Gedanke, dass sein Team immerhin in Führung gegangen war - wenn auch nur für 19 Minuten. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit höflichem Applaus und einem resignierten "Nächstes Mal!". Tirat Carmel hingegen feierte ausgelassen. Espen Brinkerhoff, der Mann mit der Gelben Karte und zwei Assists, wurde zum inoffiziellen Spieler des Abends gewählt. So endete dieser 19. Spieltag mit einer Lehrstunde in Effizienz. Kiryat Shmona hatte mehr Ballbesitz, aber Tirat Carmel hatte mehr Ideen, mehr Mut - und schlicht mehr Tore. Oder, wie es Frans Dahl beim Rausgehen trocken formulierte: "Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Zum Glück." Und irgendwo in der Nacht summte Trainerin Klemm, so munkelt man, ein kleines Lied - wahrscheinlich mit dem Refrain: Drei Punkte, alles gut. 25.08.643996 23:12 |
Sprücheklopfer
Gerade diesen Nike-Spot sehe ich sehr negativ. Es beginnt jetzt die Reisezeit. Stellen Sie sich nur vor, die Kinder beginnen jetzt auf den Flughäfen mit Bällen herumzudribbeln.
Berti Vogts