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Tirat Carmel FC zerlegt Kiryat Shmona mit 5:2 - Offensivfeuerwerk am Mittelmeer

Wenn 48.737 Zuschauer an einem Freitagabend in Tirat Carmel ins Stadion pilgern, dann ahnt man schon: Heute wird’s heiß. Und tatsächlich - das Flutlichtspiel gegen Kiryat Shmona FC wurde ein kleines Offensivfest, das die Heimmannschaft mit einem 5:2-Sieg krönte. Trainerin Babsi Klemm hätte sich den Abend wohl kaum schöner malen können. Ihr Gegenüber, Ivan Murganovic, dagegen dürfte sich spätestens nach der 60. Minute innerlich in den Mannschaftsbus gesetzt haben.

Schon in der fünften Minute zappelte der Ball im Netz. Claude Gaudin, jener bullige Mittelstürmer, der aussieht, als würde er Tormöglichkeiten förmlich riechen können, traf nach einem schnellen Doppelpass und sorgte früh für Begeisterung. "Ich wollte einfach die Latte küssen - aber der Ball hatte andere Pläne", grinste Gaudin nach dem Spiel. Ein klassischer Gaudin: bescheiden wie ein Rockstar nach einem Nummer-1-Hit.

Kiryat Shmona brauchte eine Weile, um sich zu sortieren, aber in der 27. Minute sorgte der 19-jährige Jorge Quaresma für den Ausgleich - ein Schuss aus der zweiten Reihe, wunderbar vorbereitet von Pascal Bernard. Für einen Moment schien Murganovics Plan, über schnelle Konter Nadelstiche zu setzen, aufzugehen. Doch die Freude währte kurz.

Denn Tirat Carmels rechte Seite, angeführt von Sigurd Carlsen, war an diesem Abend ein einziger Wirbelsturm. In der 35. Minute kombinierte er sich mit Frans Dahl durch die Abwehr und netzte zum 2:1 ein. "Wir hatten einfach Spaß da draußen", meinte Dahl später, während Carlsen lachend anfügte: "Spaß ist gut - aber fünf Tore sind besser."

Nach der Pause wurde aus Spaß Ernst, zumindest für Kiryat Shmona. Babsi Klemm ließ ihre Jungs noch offensiver anlaufen, schaltete das Pressing hoch - und es dauerte nicht lange, bis das ganze Stadion tobte. In der 53. Minute war es Frans Dahl selbst, der nach Vorlage von Jovanovic zum 3:1 erhöhte. Vier Minuten später legte Carlsen nach, wieder auf Zuspiel des überragenden Jovanovic. Und kaum hatten die Gäste den Ball wieder angestoßen, schnappte sich Gaudin das Leder und machte mit seinem zweiten Treffer das 5:1 perfekt. Drei Tore in fünf Minuten - das war kein Fußballspiel mehr, das war ein Feuerwerk.

"Da habe ich kurz überlegt, ob ich die Uhr anhalte", witzelte Klemm auf der Pressekonferenz. "Aber die Jungs waren im Flow. Da mischt man sich als Trainerin lieber nicht ein."

Kiryat Shmona zeigte immerhin Moral. In der 66. Minute traf David Albanese nach feinem Pass von Bernard zum 5:2. Doch mehr als Ergebniskosmetik war es nicht. Die Gäste, die ohnehin eher defensiv ausgerichtet waren, fanden kein Mittel gegen das druckvolle Spiel der Hausherren. Murganovic brachte noch den jungen Levi Dajan und den 17-jährigen Jacob Clancy, aber das änderte wenig. "Wir sind jung, wir lernen. Heute haben wir gelernt, dass man gegen Tirat Carmel besser nicht zu tief steht", seufzte der Coach.

Statistisch gesehen war’s ein kleiner Widerspruch: Mehr Ballbesitz für Kiryat Shmona (51 Prozent), aber 20 Torschüsse für Tirat Carmel - ein klares Indiz, dass Ballbesitz allein noch keine Tore macht. Oder, wie Klemm süffisant sagte: "Wir hatten weniger Ball, aber mehr Spaß damit."

Die Gelben Karten für Humberto Nani (56.) und Andreas Riis (60.) passten zum zunehmend frustrierten Bild der Gäste. Der Torwartwechsel zur Halbzeit - Marcel Janas kam für Cameron Greenwald - sollte eigentlich Stabilität bringen, wurde aber eher zur Anekdote des Abends: Janas’ erster Ballkontakt war ein Gegentor.

Am Ende feierte Tirat Carmel FC nicht nur einen Sieg, sondern ein Statement. Carlsen und Gaudin teilten sich je zwei Treffer und jede Menge Applaus, während Dahl als Schöpfer des dritten Tores zum Publikumsliebling avancierte.

"Das war Fußball, wie wir ihn lieben - mutig, schnell, mit ein bisschen Wahnsinn", fasste Klemm zusammen, bevor sie den Journalisten augenzwinkernd zurief: "Und schreiben Sie bitte, dass mein Team auf Diät ist - fünf Tore sind zu viel für die Statistik."

Kiryat Shmona dagegen trat die Heimreise an, mit zwei Toren, zwei Gelben Karten und der Gewissheit, dass man gegen ein entfesseltes Tirat Carmel kaum eine Chance hat.

Und während die Fans noch über die Kombination Gaudin-Carlsen-Dahl schwärmten, verabschiedete sich das Stadion in die Nacht. Fünf Tore, ein Abend voller Lächeln - und der leise Verdacht, dass Tirat Carmel in dieser Form selbst gegen den Tabellenführer gefährlich werden könnte.

Ein Spiel, das man mit einem Satz zusammenfassen kann: Wer zu spät kommt, den bestraft Carlsen.

23.01.643997 09:08
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Toni Polster
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