Haaretz Sports
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Tirat Carmel FC zerlegt Rehovot Reds - 5:0 und kein bisschen gnädig

Ein kühler Aprilabend in Tirat Carmel, Flutlichtglanz über 35.526 erwartungsfrohen Gesichtern - und eine Heimmannschaft, die offenbar beschlossen hatte, das Torverhältnis an diesem 6. Spieltag der 1. Liga Israel gründlich aufzupolieren. Am Ende hieß es 5:0 für Tirat Carmel FC gegen die Rehovot Reds - und das war, wenn man ehrlich ist, noch schmeichelhaft für die Gäste.

Schon nach fünf Minuten brachte Isidoro Oliveira die Gastgeber in Führung. Nach einem sauberen Pass von Ethan Marley nahm der Mittelstürmer Maß, schob den Ball zwischen Torwart und Innenpfosten - und hob dann beide Arme, als wolle er sagen: "Na, so schwer war das doch nicht." Trainerin Babsi Klemm grinste an der Seitenlinie: "Ich hab ihm vor dem Spiel gesagt, dass er heute mal treffen darf. Er nimmt mich offenbar wörtlich."

Die Reds versuchten, sich zu schütteln, aber ehe sie wieder aufrecht standen, klingelte es erneut. In der 11. Minute war es Rasmus Clausen, der nach einem präzisen Zuspiel von Linksverteidiger Kacper Wojciechowski das 2:0 markierte. Rehovots Hintermannschaft wirkte dabei so orientierungslos, als hätte man ihnen das Navi im Strafraum abgeschaltet. Clausen erklärte später mit einem Augenzwinkern: "Ich hatte so viel Platz, ich hätte fast noch einen Kaffee getrunken."

Und weil aller guten Dinge bekanntlich drei sind, legte Joel Cantwell in der 30. Minute das 3:0 nach - wieder nach Vorlage von Oliveira, der an diesem Abend ohnehin überall zu sein schien. Nach dieser ersten halben Stunde hatten die Reds zwar mehr Ballbesitz (über 51 Prozent), aber Tirat Carmel hatte schon da das Spiel in der Hand - und vor allem im Fuß.

In der Pause, so berichtete ein Stadionmikro mit, soll Oliveira zu seinem Mitspieler Frans Dahl gesagt haben: "Wenn wir’s jetzt noch spannend machen, glaubt uns keiner, dass das echt war." Dahl grinste nur, und die zweite Hälfte zeigte, dass sie keine Lust auf Spannung hatten.

Kaum war wieder angepfiffen, erhöhte Ethan Marley in der 49. Minute auf 4:0. Wieder war Wojciechowski beteiligt - offenbar der heimliche Architekt dieses Abends. Marley kommentierte später trocken: "Ich wollte einfach mal sehen, wie sich Jubeln anfühlt. War ganz nett."

Die Reds, die weiterhin auf "balanced" gestellt waren - auf dem Papier wie in der Taktik - wirkten zunehmend ratlos. Ihr Trainerteam schien zu hoffen, dass sich das Spieltempo einfach von selbst beruhigen würde. Stattdessen kam in der 75. Minute der endgültige Knockout: Oliveira traf erneut, diesmal nach Vorlage von Espen Brinkerhoff. 5:0. Die Fans tobten, die Ersatzbank hüpfte, und Babsi Klemm lächelte wie jemand, der gerade in einem Quiz alle Antworten gewusst hat.

"Ich bin stolz, aber ehrlich gesagt auch erleichtert", sagte sie nach dem Schlusspfiff. "Nach der letzten Trainingseinheit mit 23 Torschüssen und null Treffern war ich mir nicht sicher, ob das Tor heute noch steht."

Die Rehovot Reds hingegen suchten nach Erklärungen. Jonas Speeck, der immerhin drei der sieben Torschüsse seines Teams abgab, meinte: "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber wahrscheinlich auch mehr Mitleid mit dem Gegner." Sein Torhüter Manuel Izquierdo, der an diesem Abend so oft in die Knie ging, dass man ihm Yoga als Zusatztraining empfehlen könnte, murmelte nur: "Manchmal ist ein 5:0 ehrlicher als ein 1:0."

Zwei Gelbe Karten - Nevio Beto (74.) und der junge Roberto Carlos (90.) - waren die einzigen sichtbaren Spuren von Frust. Ansonsten blieb es fair, vielleicht zu fair. Wer 0:5 verliert, hätte ruhig mal grätschen dürfen.

Statistisch gesehen war das Spiel ein Kuriosum: 23 Torschüsse für Tirat Carmel, nur 48,8 Prozent Ballbesitz - aber gnadenlos effizient. Rehovot hatte mehr vom Ball, aber weniger vom Spiel. Das Tackling-Verhältnis (56 zu 44 Prozent zugunsten der Gastgeber) passte perfekt ins Bild: mehr Wille, mehr Wucht, mehr Witz.

Als der Schiedsrichter schließlich abpfiff, legte sich ein zufriedenes Raunen über das Stadion. Ein kleiner Junge im Publikum fragte seinen Vater: "Papa, verlieren die Reds immer so?" - "Nein", antwortete der, "manchmal schaffen sie’s auch ohne Gegentor. Aber selten."

Tirat Carmel FC verlässt also diesen Spieltag mit breiter Brust, sauberem Trikot und fünffacher Freude. Die Fans sangen noch lange nach dem Abpfiff, und Oliveira, der Mann des Abends, winkte verschmitzt in die Kurve. "Ich wollte nur zeigen, dass wir Tore schießen können", sagte er lachend. "Jetzt müssen wir nur noch lernen, aufzuhören."

Und so endete ein Abend, der für die Heimfans ein Fest war - und für die Reds eine Lehrstunde in Sachen Demut. Oder, wie Babsi Klemm es zusammenfasste: "Manchmal ist Fußball einfach gerecht. Heute zum Beispiel."

19.05.643997 10:05
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