Haaretz Sports
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Tirat Carmel fegt Maccabi Haifa vom Platz - späte Treffer, große Wirkung

Das Flutlicht im Stadion von Tirat Carmel glühte noch lange nach, als die 47.590 Zuschauer in der milden Aprilnacht heiser, aber glücklich in die Busse stiegen. Auf der Anzeigetafel stand es schwarz auf grün: 2:0 (0:0) für Tirat Carmel FC gegen Maccabi Haifa - ein Ergebnis, das am Ende so klar wirkte, wie es sich über weite Strecken angekündigt hatte.

Schon in den ersten Minuten machten die Gastgeber deutlich, dass sie keine Lust auf abwartendes Geplänkel hatten. Frans Dahl prüfte Haifas Keeper Haim Amir bereits in der 1. Minute - der 36-Jährige streckte sich so weit, dass man kurz dachte, er wolle den Vollmond fangen. "Ich hatte das Gefühl, wir spielen Handball um den Strafraum herum", grinste Tirat-Trainerin Babsi Klemm später. Ihre Mannschaft schoss insgesamt 25 Mal aufs Tor, während die Gäste gerade einmal zwei Schüsse in Richtung des heimischen Kastens brachten - einer davon so harmlos, dass die Balljungen schon wieder nach vorne sprinteten, ehe der Ball überhaupt in der Nähe des Tornetzes war.

Trotz der drückenden Überlegenheit blieb es bis zur Pause beim 0:0. Isidoro Oliveira, der bullige Mittelstürmer, drosch den Ball mehrfach über die Latte, als wolle er den Flieger nach Tel Aviv treffen. "Ich dachte, die Latte sei heute mein bester Freund", lachte Oliveira nach dem Spiel und klopfte sich auf den Oberschenkel.

Babsi Klemm reagierte zur Halbzeit und brachte frischen Wind über die rechte Seite: Joel Cantwell ersetzte Sigurd Carlsen, und auch in der Innenverteidigung wurde umgestellt. Die taktische Marschrichtung? Noch offensiver, noch mehr über die Flügel, noch mehr Pressing. "Wir wollten sie hinten festnageln", erklärte Klemm trocken.

Und genau das geschah. Maccabi Haifa, von Trainer David Goldmann wie gewohnt auf "kontrolliertes Gleichgewicht" eingestellt, verlor dieses Gleichgewicht zunehmend. Levi Goldmann, kein Verwandter des Trainers, versuchte zwar, mit einem Schuss in der 63. Minute ein Lebenszeichen zu senden, doch Heimtorwart Georg Danielsen fing den Ball, als wäre es ein überreifer Pfirsich.

Dann kam die 68. Minute - und mit ihr der Moment, auf den das Stadion gewartet hatte. Bram Sleeper, der unermüdliche Linke, spielte einen butterweichen Pass in den Lauf von Frans Dahl. Der Däne, bisher glücklos, blieb diesmal eiskalt und schob den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers ins lange Eck. 1:0. Das Stadion explodierte, Bierbecher flogen, und Dahl rannte zur Trainerbank, wo er sich und Klemm ein spontanes High-Five gönnte. "Ich hab’ ihr zugerufen: Jetzt ist der Knoten geplatzt!", erzählte Dahl später mit einem Grinsen, das breiter war als die Seitenlinie.

Haifa wirkte danach wie ein Boxer, der den entscheidenden Haken kassiert hatte. Statt einer Reaktion folgte das große Zittern. Zwei Gelbe Karten - erst für Andre Sahar (79.), dann für den jungen Eyal Wahbi (87.) - waren Ausdruck der zunehmenden Frustration. "Wir waren einfach zu spät dran - in jedem Sinn", seufzte Coach Goldmann und warf einen Blick auf die Statistik, die mit 42 Prozent gewonnener Zweikämpfe nicht gerade Trost spendete.

Tirat Carmel indes roch Blut - und Bram Sleeper wollte nicht nur Vorbereiter bleiben. In der 81. Minute war es dann soweit: Nach einem blitzsauberen Zuspiel von Rechtsverteidiger Jelle Brill zog Sleeper aus 18 Metern ab. Der Ball flog wie an der Schnur gezogen in die rechte Ecke - 2:0. "Ich hab’ gar nicht gesehen, dass er drin war, bis mir jemand auf den Rücken sprang", erzählte Sleeper später, während er sich das Trikot wechselte.

Die letzten Minuten waren Schaulaufen. Selbst ein Torwartwechsel - Edward Whitman kam in der 77. Minute für Danielsen - konnte die Euphorie der Heimfans nicht trüben. Whitman wurde mit Applaus empfangen, als wäre er der Elfmetertöter aus dem Pokalfinale, und durfte sich dann entspannt die letzten zwei Maccabi-Versuche ansehen, die weit über sein Tor segelten.

"Das war ein Statement", resümierte Klemm in der Pressekonferenz mit einem Glas Wasser, das sie wie ein Pokal hielt. "Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur schön, sondern auch effektiv spielen können."

Goldmann hingegen wirkte wie jemand, dem man gerade erklärt hat, dass der Bus schon weg ist. "Wir waren zu brav", meinte er. "Die haben uns über die Flügel zerlegt."

Als die Lichter langsam ausgingen, blieb ein Gefühl in der Luft: Tirat Carmel ist mehr als nur ein unbequemer Gegner - es ist eine Mannschaft, die gerade gelernt hat, wie man große Spiele gewinnt. Und Maccabi Haifa? Die müssen sich fragen, ob "ausgewogen" wirklich noch eine Taktik ist - oder nur ein anderes Wort für "harmlos".

Ein Zuschauer brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "Wenn du 25 Schüsse brauchst, um zwei Tore zu machen, kannst du trotzdem zufrieden sein - Hauptsache, du machst sie." Und genau das tat Tirat Carmel an diesem Abend.

14.11.643996 22:27
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