Haaretz Sports
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Tirat Carmel fliegt ins Halbfinale - Demons ohne zündende Idee

Es war ein lauer Aprilabend in Tel Aviv, aber die Stimmung im Stadion glich einem brodelnden Hexenkessel - jedenfalls in den ersten Minuten. 27.000 Zuschauer wollten sehen, wie ihre Tel Aviv Demons im Pokal-Viertelfinale den Außenseiter Tirat Carmel FC aus dem Wettbewerb kegeln würden. Am Ende blieb die Hölle jedoch kalt: 0:2 hieß es nach 90 Minuten, und die Gäste aus Carmel tanzten auf den Trümmern der Dämonen.

Von Beginn an presste Tirat Carmel mutig nach vorn, als hätten sie das Stadion gemietet und wollten die Kaution wiederhaben. Schon in der fünften Minute prüfte Espen Brinkerhoff den Demon-Keeper Miguel Tiago mit einem satten Linksschuss. "Ich dachte, der Ball würde durch die Netzmaschen fliegen", grinste Brinkerhoff später. Tat er nicht, aber das war nur eine Frage der Zeit.

Die Demons wirkten zwar optisch überlegen - 51 Prozent Ballbesitz klingen ja auch gut auf Papier -, doch in Wahrheit war es sterile Dominanz: viele Pässe, wenig Biss. Arik Tzwi, der emsige Mittelfeldmotor, versuchte es gleich dreimal aus der Distanz (11., 15., 34. Minute), aber Tirat-Keeper Edward Whitman ließ sich davon nicht beeindrucken. "Ich hatte heute mehr Angst vor einer flatternden Werbebande als vor Ariks Schüssen", witzelte der Torhüter nach dem Spiel.

Kurz vor der Pause kam dann der Moment, der das Spiel kippen ließ. Nach einer Ecke von Ansgar Henriksson stieg Innenverteidiger Leandro Djalo am höchsten und wuchtete den Ball per Kopf ins Netz - 0:1 in der 44. Minute. Ein Abwehrspieler als Torschütze, das passte zur Demons-Verfassung: hinten offen, vorne harmlos.

In der Kabine muss Trainer Babsi Klemm ihren Carmelern einen Espresso intravenös verabreicht haben, denn nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel noch druckvoller. Die Gäste feuerten aus allen Lagen - 16 Torschüsse insgesamt, dreimal so viele wie die Demons. Zwar blieb es lange beim 0:1, doch es lag in der Luft, dass Tirat Carmel noch einmal zuschlagen würde.

Zwischendurch gab es eine Schrecksekunde, als Sigurd Carlsen in der 63. Minute verletzt vom Platz musste. "Ich habe nur kurz gedacht, das war’s mit dem Halbfinale", erzählte Carlsen später mit bandagiertem Knöchel. Ersatzmann Isidoro Oliveira kam - und brachte frischen Wind.

Die Demons hingegen wirkten, als hätten sie sich mit Lavendeltee statt Energydrinks gestärkt. Trainer der Demons, der nach dem Spiel lieber anonym bleiben wollte ("Ich bin heute einfach nur ein enttäuschter Mensch"), schrie sich an der Seitenlinie heiser, doch seine Spieler blieben brav und ungefährlich.

Dann kam die 83. Minute: Adriano Figo, eigentlich Linksverteidiger, marschierte ungestört bis zur Grundlinie, flankte butterweich - und Frans Dahl, frisch eingewechselt, köpfte eiskalt ein. 0:2. Der Rest war nur noch Schaulaufen.

Tirat Carmel spielte die letzten Minuten mit einer Mischung aus Leichtigkeit und Selbstironie. Jelle Brill, ihr rechter Verteidiger, wagte in der 86. Minute sogar einen Fernschuss aus 30 Metern. "Warum nicht?", erklärte er später lachend. "Wenn selbst unser Innenverteidiger trifft, will ich auch mal probieren."

Die Fans der Demons verabschiedeten ihr Team mit höflichem Applaus - eine Geste, die irgendwo zwischen Mitleid und Hoffnung pendelte. Das Halbfinale findet ohne sie statt, und ehrlich gesagt: Nach dieser Vorstellung wäre das Weiterkommen auch ein Skandal gewesen.

"Wir haben heute Fußball gearbeitet, nicht zelebriert", bilanzierte Babsi Klemm nüchtern, während sie lächelnd die Stadiontreppen hinaufstieg. "Aber im Pokal zählt das Ergebnis - und das ist wunderschön."

Tel Aviv Demons dagegen müssen sich fragen, wie man mit über 50 Prozent Ballbesitz nur fünf Torschüsse zustande bringt. Vielleicht war der Ball zu oft in der falschen Hälfte, vielleicht fehlte einfach der Glaube. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Dämonen ohne Feuer sind nur Statisten."

Und Tirat Carmel? Die schreiben ihre eigene kleine Pokalgeschichte weiter. Zwei Tore, kein Gegentor, ein verletzter Stürmer - klingt nach einem klassischen Arbeitssieg. Aber wer weiß, vielleicht steckt in diesem Team mehr als nur Fleiß. Vielleicht sogar ein bisschen Magie.

Denn wenn selbst ein Innenverteidiger wie Leandro Djalo trifft, dann darf man ruhig träumen - vom Pokalfinale, von Ruhm, und von einer großen Party in Carmel, bei der Babsi Klemm bestimmt den Takt vorgibt.

03.11.643996 03:57
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