Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Tirat Carmel schießt sich warm - 2:0 gegen die Yellows von Jerusalem

Es war ein Abend, an dem in Tirat Carmel keine Heizstrahler nötig waren - die Offensive des heimischen FC sorgte selbst für genügend Feuer. Vor 42.546 Zuschauern im prall gefüllten Stadion ließ die Mannschaft von Trainerin Babsi Klemm den Jerusalem Yellows kaum Luft zum Atmen und siegte am 14. Spieltag der 1. Liga Israel mit 2:0 (1:0).

Schon nach vier Minuten war klar, wohin die Reise geht. Isidoro Oliveira, der bullige Mittelstürmer mit dem feinen Fuß, nahm einen Pass von Ethan Marley direkt, als wolle er allen zeigen, dass Warmspielen überbewertet wird. Der Ball zischte ins linke Eck, Keeper Marcio Tonel hechtete immerhin fotogen - aber zwecklos. "Ich dachte, wir machen’s heute kurz und schmerzlos", grinste Oliveira nach dem Spiel, "aber dann haben wir wohl zu viel Spaß am Ball gehabt."

Spaß hatten tatsächlich vor allem die Gastgeber. 22 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz, und eine Zweikampfquote, die mit 56 Prozent ebenso stabil war wie der Betonblock in der Innenverteidigung - Conte und Catalano ließen dort nichts anbrennen. Jerusalem dagegen kam auf magere vier Schüsse aufs Tor. Das reichte, um Torhüter Georg Danielsen vor Langeweile zu bewahren, aber nicht, um Gefahr zu erzeugen.

Die Yellows wirkten, als hätten sie noch die Autobahnfahrt in den Beinen. Trainer Arnon Ben-Nun (der an diesem Abend sichtlich gealtert wirkte) stand mit verschränkten Armen in der Coaching-Zone, während seine Mannschaft auf dem Platz "BALANCED" spielte - so stand es jedenfalls auf dem Statistikbogen. Tatsächlich erinnerte das eher an "BALANCED low battery".

Nach der frühen Führung spielten sich die Carmeliten in einen Rausch aus Passstafetten. Rasmus Clausen, der rechte Mittelfeldmotor, verteilte Zuckerbälle, während Rahim Erkin auf der linken Seite seine eigene Flügelshow eröffnete. In der 39. Minute gab’s die erste Verwarnung für die Gastgeber - Innenverteidiger Eugenio Conte hielt einen gegnerischen Konter nur noch mit einem Trikotzupfer auf. "Ich wollte nur sehen, ob der Stoff reißt", witzelte er später.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Tirat Carmel drückte, Jerusalem verteidigte im Stoßgebet-Modus. Joel Cantwell, der Wirbelwind auf rechts, hatte gefühlt doppelt so viele Chancen wie das Gästeteam zusammen. In der 56. Minute holte er sich für übermotiviertes Einsteigen Gelb ab, aber er ließ sich davon nicht bremsen.

In der 82. Minute kam dann die Entscheidung - und sie war so schön, dass selbst der Linienrichter kurz lächelte. Clausen setzte sich auf der rechten Seite durch, flankte butterweich, Cantwell nahm den Ball volley und versenkte ihn zum 2:0. Stadion, Trainerin, Ersatzbank - alles ein einziger Jubelchor. "Ich hab’ einfach draufgehalten", sagte Cantwell nach dem Spiel und grinste, "und diesmal war’s nicht der Zaun hinterm Tor."

Damit war die Partie endgültig gelaufen. Die Yellows versuchten zwar, noch einmal in die Offensive zu gehen, aber ihre Bemühungen wirkten, als hätten sie die Gebrauchsanweisung für Angriffsspiel zu Hause vergessen. Ricardo Maniche prüfte in der 90. Minute immerhin noch einmal Danielsen, der sich mit einer eleganten Parade aus der Lethargie löste.

Nach dem Schlusspfiff zeigte sich Trainerin Babsi Klemm zufrieden, aber nicht überschwänglich. "Wir haben vieles richtig gemacht, aber auch einiges liegen lassen. 22 Torschüsse sind schön - 5 Tore wären schöner", sagte sie mit einem Augenzwinkern.

Auf der anderen Seite rang Ben-Nun nach Worten. "Wir waren da, mehr kann ich im Moment nicht sagen", murmelte er und verschwand Richtung Kabine.

Die Fans von Tirat Carmel feierten ihre Helden trotzdem, als hätte es eine Meisterschaft gegeben. "Das war Fußball, wie er sein soll - mit Herz, Witz und Druck nach vorn", sagte ein älterer Herr auf der Tribüne, während er sich ein weiteres Bier gönnte.

Und so bleibt am Ende ein Spiel, das alles bot, was eine gute Sportgeschichte braucht: frühe Dramatik, dominante Gastgeber, ein bisschen Gelb fürs Protokoll - und zwei Tore, die das Ergebnis so klar machten, wie es das Spiel ohnehin war. Tirat Carmel FC bleibt damit auf Kurs Richtung obere Tabellenhälfte. Die Yellows müssen derweil zusehen, dass sie bald wieder Farbe ins Spiel bringen - Gelb allein reicht nicht.

Oder, wie Reporterlegende Shalom Ben-Uri nach dem Abpfiff meinte: "Jerusalem betete, Carmel spielte." Und das fasst es wohl perfekt zusammen.

20.04.643994 07:26
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Bei manchen Spielern fehlt etwas, deshalb spielen sie auch bei mir und nicht in Barcelona.
Aleksandar Ristic
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