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Es war ein lauer Frühlingsabend in Jerusalem, 31. Spieltag der 1. Liga Israel, und 36.000 Zuschauer hatten sich im Stadion eingefunden, um die "Yellows" gegen den Tirat Carmel FC zu sehen. Wer allerdings auf eine beschauliche Partie hoffte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Nach 90 intensiven Minuten stand ein 2:3 auf der Anzeigetafel - ein Ergebnis, das ebenso turbulent war wie verdient. Die Gäste aus Tirat Carmel, gecoacht von Babsi Klemm, legten los, als hätten sie den Bus mit laufendem Motor vor der Arena geparkt. Bereits nach 22 Minuten verwandelte Espen Brinkerhoff, jener norwegische Linksaußen mit der Präzision eines Uhrwerks, eine Vorlage von Rasmus Clausen zum 0:1. Nur drei Minuten später - kaum hatte das Stadionpublikum die erste Enttäuschung verdaut - traf derselbe Brinkerhoff erneut. "Ich dachte, ich träume", gab er nach dem Spiel grinsend zu, "aber dann sah ich die Gesichter der Yellows-Fans und wusste: Das war echt." Die Hausherren wirkten geschockt, fingen sich jedoch langsam wieder. In der 35. Minute brachte Haim Burg nach kluger Vorarbeit von Ricardo Maniche die Hoffnung zurück. Ein satter Linksschuss aus 18 Metern, unhaltbar. "Wir mussten reagieren, sonst wären wir überrollt worden", erklärte Burg später, während er sich mit einem Handtuch den Schweiß von der Stirn wischte. Doch so richtig kamen die Yellows nie in den Rhythmus. Zwar hatten sie mit 52,6 Prozent mehr Ballbesitz und gaben insgesamt 12 Torschüsse ab, aber Tirat Carmel zeigte, was Effizienz bedeutet. Die Gäste konterten flink, mutig, manchmal frech. "Unsere Philosophie ist einfach", sagte Trainerin Klemm mit einem Augenzwinkern: "Wenn du den Ball hast, kannst du ihn verlieren. Also lieber schnell wieder schießen." Nach der Pause entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Jerusalem drängte, die Fans sangen, und in der 61. Minute wurden sie belohnt: Die erst 20-jährige Shulamit Beilin brachte den Ball über rechts nach vorne, suchte den Doppelpass mit Ricardo Maniche - und versenkte eiskalt zum 2:2. Die Südtribüne bebte. Sogar der Stadionsprecher verhaspelte sich vor Euphorie beim Durchsagen des Torschützen. Aber das Glück währte kurz. In der 72. Minute stellte Tirat Carmel den alten Abstand wieder her: Sigurd Carlsen, sonst eher stiller Arbeiter im Angriff, schlich sich auf rechts in Position und verwertete die Hereingabe von Frans Dahl zum 2:3. "Ich hatte eigentlich gar nicht vor, zu schießen", sagte Carlsen lachend, "aber der Ball kam so schön - da wollte ich Babsi nicht enttäuschen." Von da an wurde es hitzig. Drei Gelbe Karten hatten sich die Yellows bis zur 66. Minute bereits abgeholt, und als in der 77. Minute Israel Pizanti Gelb-Rot sah, war der Widerstand endgültig gebrochen. Sein zweites Foul, ein taktisches Ziehen am Trikot, ließ Schiedsrichter Ben-Ami keine Wahl. "Er hat mich gar nicht richtig festgehalten", beschwerte sich der junge Verteidiger später, "nur symbolisch." Doch Symbolik reicht in solchen Momenten eben auch für den Platzverweis. Tirat Carmel verwaltete die Führung clever. Torhüter Georg Danielsen wurde kurz vor Schluss ausgewechselt - eine seltene Kuriosität. "Er hatte Krämpfe in beiden Waden", erklärte Klemm pragmatisch. Ersatzkeeper Edward Whitman durfte noch acht Minuten lang den Sieg festhalten - und tat das mit einer Flugeinlage, die das Publikum respektvoll applaudieren ließ. Jerusalems Coach - der Name blieb an diesem Abend fast so verborgen wie die Ideen seiner Abwehrreihe - stand nach Abpfiff ratlos am Spielfeldrand. "Wir waren näher dran, als das Ergebnis vermuten lässt", murmelte er in die Mikrofone, während im Hintergrund noch Fans "Yellows! Yellows!" skandierten. Unterm Strich: ein intensives Spiel, in dem die Statistik den Gastgebern schmeichelt, das Ergebnis aber die Wahrheit erzählt. 12:10 Torschüsse, mehr Ballbesitz, mehr Einsatz - und trotzdem keine Punkte. Tirat Carmel dagegen spielte schnörkellos, zielstrebig, nordisch kühl. Vielleicht war es diese Mischung aus Effizienz und Leichtigkeit, die Jerusalem das Genick brach. Oder einfach ein Mann namens Espen Brinkerhoff, der zeigte, dass man auch mit 31 noch zweimal in 180 Sekunden Geschichte schreiben kann. Und als sich die Lichter im Teddy-Stadion langsam dimmten, hörte man einen älteren Fan murmeln: "Früher hatten wir Stürmer, die Tore schossen. Heute haben wir Statistiken." Ein Satz, den wohl auch Babsi Klemm gern eingerahmt in ihrem Büro hängen würde. 11.01.643997 20:00 |
Sprücheklopfer
Der ist noch nicht hier. Der Flug nach Kapstadt war ein Nichtraucherflug. Da konnte er nicht.
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