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Tirat Carmel trotzt Platzverweis - 2:1-Sieg mit Herz und Chaos

An einem warmen Freitagabend in Tirat Carmel bebte das Stadion: 48.656 Zuschauer sahen einen dieser Abende, an denen Fußball alles ist - Kampf, Glück, Wut und ein bisschen Slapstick. Am Ende jubelte der Gastgeber Tirat Carmel FC über ein 2:1 gegen Nazareth Illit, ein Ergebnis, das härter erkämpft war, als es die Statistik vermuten lässt.

Trainerin Babsi Klemm ließ ihre Elf offensiv anlaufen, und schon früh rollte die rot-weiße Welle. In der 13. Minute legte der flinke Ivica Jovanovic quer auf Espen Brinkerhoff, der den Ball humorlos unter die Latte drosch. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Brinkerhoff später, "Babsi schreit sonst wieder, ich solle nicht so viel nachdenken."

Doch Nazareth Illit, gecoacht vom stets eleganten Heiko Früh, zeigte sich unbeeindruckt. Nur acht Minuten später schlug Linksverteidiger Sergej Nikolischin zurück - und das mit einem Schuss, der wohl in jedem Lehrbuch unter "So trifft man als Verteidiger eigentlich nie" vermerkt würde. Nach Vorarbeit von Karol Penksa landete der Ball unhaltbar im langen Eck. Früh kommentierte trocken: "Wir üben das mit Sergej seit drei Jahren. Schön, dass es jetzt mal passiert ist."

Das Spiel war da keine Viertelstunde alt und schon ein kleiner Thriller. Und weil Dramen in Tirat Carmel selten ohne Nebenrollen auskommen, trat Innenverteidiger Eugenio Conte in der 25. Minute auf den Plan. Nach einer Ecke köpfte er zum 2:1 ein - sein erstes Saisontor, und was für eines. "Ich wollte mich einfach revanchieren", sagte Conte, der bereits in der 7. Minute Gelb gesehen hatte. Dass er später mit Gelb-Rot vom Platz fliegen würde (64.), ahnte da noch keiner.

Bis dahin war es ein intensives Spiel. Nazareth Illit hatte mehr Ballbesitz (knapp 55 Prozent) und kam auf 13 Abschlüsse, während die Gastgeber zehnmal aufs Tor schossen - aber eben zweimal trafen. Tirat Carmel kämpfte, rannte, grätschte, manchmal zu viel: Nach Conte sahen auch Kacper Wojciechowski (45.), Espen Brinkerhoff (65.) und Joker Bram Sleeper (78.) Gelb. Klemm kommentierte süffisant: "Ich sag den Jungs immer: Wenn ihr schon foult, dann wenigstens mit Leidenschaft."

Die zweite Halbzeit begann hektisch. Früh brachte nach einer Verletzungspause in der ersten Hälfte (Jigael Itzik musste in der 34. Minute raus) frische Kräfte, aber der Druck verpuffte. Adam Kendall, Nazareths Mittelstürmer, ballerte in der 74. Minute aus zehn Metern vorbei - und raufte sich die Haare. Vom Spielfeldrand rief Trainer Früh: "Adam, nächstes Mal wenigstens den Ball treffen!" Der Stürmer grinste, als wolle er sagen: "Chef, ich arbeite dran."

Nach Contes Platzverweis mussten die Gastgeber fast eine halbe Stunde zu zehnt überstehen - und taten das mit beeindruckender Willenskraft. Keeper Georg Danielsen wurde zum Helden, als er in der 89. Minute einen strammen Schuss von György Weiskopf aus dem Winkel fischte. "Ich hab kurz die Augen zugemacht", gestand Danielsen später lachend, "und gehofft, dass irgendwas zwischen Ball und Tor steht. Hat geklappt."

Nazareth Illit drückte weiter, aber Tirat Carmel verteidigte mit allem, was Beine hatte - und manchmal auch mit dem Oberarm. Der Schiedsrichter ließ viel laufen, was dem Spiel den Charme eines alten Pokalkrimis verlieh. Als der Abpfiff kam, fiel Trainerin Klemm ihrem Co-Trainer um den Hals. Der Rest war Jubel, Bierdusche und ein Stadion, das noch Minuten später "Tirat! Tirat!" skandierte.

Heiko Früh nahm’s sportlich: "Wir waren besser, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Tirat hatte heute einfach mehr Chaosglück." Klemm konterte: "Chaosglück ist auch eine Taktik. Wir trainieren das jeden Dienstag."

Unterm Strich bleibt: Tirat Carmel FC hat sich auf Tabellenplatz und Gegnerniveau zurückgemeldet - mit einem Sieg, der nach Gras, Schweiß und ein bisschen Wahnsinn roch. Und während Eugenio Conte seine Gelb-Rote noch verdaut, dürfte Babsi Klemm schon die nächste Trainingseinheit planen. Motto: "Elf bleiben länger als zehn."

Ein Abend, der zeigt: Fußball ist kein Rechenspiel, sondern ein Gefühl - und in Tirat Carmel ist dieses Gefühl gerade ziemlich gut.

14.08.643996 09:14
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