Fanatik
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Torfestival am Bosporus: Lazika SK gewinnt 5:4 in Zeytinburnu

Ein lauer Juniabend, 24.690 Zuschauer im Stadion von Zeytinburnuspor - und am Ende wusste niemand so recht, ob er gerade ein Fußballspiel oder ein surrealistisches Kunstwerk erlebt hatte. Neun Tore, zwei Hattricks, ein Abwehrspieler als Torschütze und ein kollektiver Nervenzusammenbruch in der Schlussphase: Lazika SK entführte beim 4:5-Spektakel drei Punkte aus Istanbul und ließ die Gastgeber ratlos zurück.

Dabei begann alles ganz harmlos. Schon in der 10. Minute zappelte der Ball erstmals im Netz: Lazikas Mittelstürmer Mick Woltemade traf nach einem butterweichen Zuspiel von Hugo Suarez zum 0:1. "Ich dachte, wir spielen hier Handball, so oft wie der Ball im Strafraum hin und her flog", grinste der Torschütze später. Doch Zeytinburnu antwortete mit Stolz - und mit Hicri Özat.

Der 24-jährige Linksaußen war an diesem Abend in Galaform. In der 36. Minute knallte er den Ball nach Vorarbeit von Max Malfoy humorlos ins Eck, und kurz vor der Pause (44.) legte er nach - diesmal nach feinem Doppelpass mit Kacper Sobolewski. Das Stadion tobte, Trainer Ergül von Lazika SK schüttelte ungläubig den Kopf. "Wir hatten eigentlich alles im Griff - bis wir es nicht mehr hatten", seufzte er.

Doch wer dachte, Zeytinburnuspor würde nun den Deckel draufmachen, wurde eines Besseren belehrt. Direkt nach Wiederanpfiff (46.) erhöhte Hamza Sükür auf 3:1, wieder nach Assist von Van Broeck. "Da dachte ich, das wird ein ruhiger Abend", meinte Heimsänger Malfoy später zynisch. Aber Ruhe war an diesem Abend ein Fremdwort.

Denn Lazika SK drehte plötzlich auf, als hätte jemand den Turbo gezündet. Zunächst verkürzte Innenverteidiger Vahap Özmen (52.) nach einem Standard - ja, richtig gelesen, der Innenverteidiger! - auf 3:2. Danach übernahm das Mittelfeldkommando Munis Ercan, der binnen zehn Minuten drei Torschüsse vorbereitete und seinen Stürmern Flanke um Flanke servierte. In der 65. Minute war es schließlich Birol Albayrak, der nach Vorarbeit Ercans zum 3:3 traf.

Zeytinburnu taumelte, Lazika witterte Blut. In der 72. Minute zirkelte Oliver Greiner aus 20 Metern den Ball ins rechte Kreuzeck - 3:4. Suarez, erneut als Vorbereiter, jubelte wie ein halber Stürmer. Trainer Ergül brüllte von der Seitenlinie: "Jetzt nicht nachlassen, Jungs!" Und sie ließen nicht nach.

In der 81. Minute machte Woltemade seinen Doppelpack perfekt, diesmal nach Flanke des unermüdlichen Jake Longfellow - 3:5. Das Publikum schwieg einen Moment fassungslos. Dann brach ein Pfeifkonzert los, das bis zum Schlusspfiff andauerte.

Zeytinburnu bäumte sich noch einmal auf. Hicri Özat - wer sonst - drückte in der 83. Minute den Ball nach Sobolewski-Vorlage über die Linie, sein drittes Tor des Abends. 4:5, und plötzlich glaubte wieder jeder an das Wunder. Doch Lazikas Keeper Garip Kulaksizoglu, bis dahin eher Arbeitslosigkeitsgefährdeter, parierte in der 88. Minute spektakulär gegen denselben Özat. "Ich hab’ einfach gehofft, dass er diesmal daneben zielt", gab der Torhüter später lachend zu.

Statistisch war das Spiel ein Balanceakt zwischen Genie und Wahnsinn: 50,4 Prozent Ballbesitz für Zeytinburnu, 49,6 für Lazika. Doch die Gäste feuerten 22 Torschüsse ab - fast doppelt so viele wie der Gastgeber (12). "Wir wollten offensiv auftreten", erklärte Trainer Ergül trocken. "Vielleicht ein bisschen zu offensiv, aber immerhin hat’s funktioniert."

Zeytinburnus Trainer, der nach Abpfiff wortlos in der Kabine verschwand, ließ sich später zu einem knappen Kommentar hinreißen: "Wenn du vier Tore schießt und trotzdem verlierst, ist das schon fast poetisch."

Besonders poetisch war auch Andreas Becks gelbe Karte in der 84. Minute - ein verzweifeltes Bein gegen Longfellow, das mehr Frust als Foul war. "Ich hab’ ihn kaum berührt", beteuerte Beck lachend. "Aber der Schiri wollte wohl auch mal in den Mittelpunkt."

Als der Schlusspfiff ertönte, standen 22 erschöpfte Männer auf dem Rasen und rund 25.000 Zuschauer, die sich gegenseitig fragten, ob sie gerade Zeugen eines Klassikers oder eines Fußballkabaretts geworden waren.

Am Ende bleibt ein Spiel, das in die Kategorie "Nicht erklärbar, aber unvergesslich" fällt. Lazika SK nimmt drei Punkte mit - und Zeytinburnu immerhin die Gewissheit, vier Tore geschossen zu haben.

Oder, wie es Matchwinner Woltemade formulierte: "Manchmal musst du einfach mehr Tore machen als der Gegner. Heute war so ein Tag."

23.02.644003 15:44
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