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Torfestival am Rhein: Bonner SC verliert 3:4 gegen Eschborn

Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die selbst Drehbuchautoren zu wild wären. Vor 45.146 Zuschauern im ausverkauften Sportpark Nord lieferten sich der Bonner SC und der 1. FC Eschborn am Freitagabend ein Spiel, das man wohl noch lange in den Vereinsheimen beider Städte diskutieren wird - vorzugsweise mit einem kühlen Getränk in der Hand. Am Ende siegten die Gäste aus Hessen mit 4:3, doch das nackte Ergebnis erzählt nur die halbe Wahrheit.

Von Beginn an war klar: Beide Teams hatten keine Lust auf taktisches Geplänkel. Eschborn startete im Vollgasmodus - "offensive Ausrichtung" nennt das der Statistikbogen, "All-In" nannten es die Bonner Fans auf der Tribüne. Schon in den ersten Minuten prüften Barre, Bednar und Buchholz den Bonner Keeper Henry Staunton, der mit Glanzparaden Schlimmeres verhinderte. Doch in der 35. Minute war es dann soweit: Nach Vorlage von Bernt Geier drückte Jacob Holz den Ball über die Linie - 0:1.

"Ich dachte, er stolpert den Ball rein, aber der war eiskalt", schnaubte Bonns Trainer Harry Kane (nicht *der* Harry Kane, aber fast) später mit einem gequälten Lächeln. Sein Team fand erst nach der Pause in die Spur. Kaum war der Pausentee verdaut, da zirkelte Fabio Valdes von rechts einen butterweichen Ball auf Freddie Hiliard, der per Kopf einnickte (52.). Das Stadion bebte, die Bonner witterten Morgenluft.

Doch wer glaubte, jetzt käme die große Bonner Wende, wurde jäh auf den Boden der Tatsachen geholt. Nur sieben Minuten später schlug Eschborns Mittelfeldregisseur Emil Musiala zu - nicht zu verwechseln mit seinem prominenten Namensvetter. Nach einem Eckball von Bednar nahm er Maß und traf trocken ins rechte Eck. 1:2.

Und als Bonn gerade wieder sortierte, kam der nächste Nackenschlag: In der 68. Minute setzte sich erneut Jacob Holz über rechts durch. Bednar leitete den Angriff ein, Holz traf - wieder eiskalt. 1:3. Der Gästeblock tobte, Trainer Yas Sin ballte die Faust. "Wir haben heute Fußball gearbeitet", sagte der Eschborner Coach hinterher, "nicht schön, aber ehrlich."

Doch Bonn gab sich nicht geschlagen. Innerhalb von fünf Minuten wurde der Sportpark wieder zur Partyzone: Erst traf Claude Amyot nach einem feinen Pass von Esteban Makukula (73.), dann legte derselbe Amyot nach Vorlage von Savo Nad nach (78.). 3:3! Die Fans sangen, Kane tanzte, und Eschborn wirkte kurz so geschockt, dass selbst die Ersatzbank auf den Ball starrte, als wäre er ein UFO.

Doch kaum hatte sich der Jubel gelegt, folgte die kalte Dusche. Eine Minute nach dem Ausgleich schlenzte Bernt Geier den Ball nach Zuspiel von Tomasz Buchholz ins Netz - 3:4. Der Bonner Torwart Staunton war noch am Abheben, als die Kugel schon hinter ihm einschlug. "Ich hab den Wind falsch eingeschätzt", murmelte er später mit einem bitteren Grinsen.

Die Schlussphase wurde dann ein wilder Mix aus Verzweiflung, Adrenalin und jugendlichem Überschwang. Der 17-jährige Alejandro de Almeida, erst kurz zuvor eingewechselt, wollte offenbar zeigen, dass er kein Kind von Traurigkeit ist - und sah in der 92. Minute glatt Rot. Sein Trainer kommentierte das trocken: "Er ist jung, er wollte Leidenschaft zeigen. Leider in Gesichtshöhe."

Eschborn rettete den Sieg über die Zeit, während Bonn trotz 18 Torschüssen (gegen 11 der Gäste) und leicht geringerem Ballbesitz (48,1 Prozent) mit leeren Händen dastand. "Wenn Statistiken Punkte gäben, hätten wir heute gewonnen", knurrte Kane. Sein Gegenüber Yas Sin konterte mit einem Lächeln: "Aber sie tun’s eben nicht."

Und so blieb nach 94 turbulenten Minuten das Gefühl, Zeuge eines Spiels gewesen zu sein, das keine Sieger und keine Verlierer verdient hatte - außer, man schaut auf die Tabelle. Dort steht nun: Eschborn mit drei Punkten mehr, Bonn mit einer Menge Gesprächsstoff.

Vielleicht war es kein Lehrbuchfußball. Aber es war ehrlich, wild und wunderbar unvernünftig - also genau das, was man sich von einem Freitagabendspiel im Juni nur wünschen kann.

07.03.644003 05:25
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