Sport-Blick
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Torfestival am Rheinknie: Basel und Schötz teilen sich acht Treffer

Es war ein Abend, an dem selbst die Anzeigetafel ins Schwitzen kam: Rot-Blau Basel und der FC Schötz trennten sich am 22. Spieltag der 1. Liga Schweiz mit einem völlig verrückten 4:4-Unentschieden. Wer zu spät kam, verpasste nichts - denn Tore fielen quasi im Zehn-Minuten-Takt, und wer das Spiel verfolgte, wusste spätestens nach einer Stunde: Hier verteidigt heute niemand mehr.

Vor 43.500 bestens unterhaltenen Zuschauern begann die Partie mit einem Paukenschlag. In der 19. Minute zog Schötz-Verteidiger Javier Capone, der offenbar vergessen hatte, dass er eigentlich Rechtsverteidiger ist, einfach mal ab - und traf. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Capone später mit einem Grinsen. "Aber gut, manchmal ist Plan B der bessere."

Basel schüttelte sich kurz, sortierte sich neu und antwortete kurz vor der Pause. In der 41. Minute startete Günter Franke auf links, flankte maßgenau, und Roberto Canepa verwandelte per Direktabnahme - 1:1, der gerechte Pausenstand in einem Spiel, das kaum Zeit zum Durchatmen ließ.

Trainer Kevin Keegan, schon zu aktiven Zeiten ein Freund des Spektakulären, muss in der Kabine die richtigen Worte gefunden haben. Denn kaum lief die zweite Hälfte, stand es 2:1: Simone Rose, Basels Mittelstürmer mit dem Namen eines Operntenors, drückte den Ball nach Vorarbeit von Ingo Oliveira über die Linie (51.). Das Stadion tobte - und hatte kaum aufgehört zu jubeln, da schlug Schötz zurück. Nur zwei Minuten später glich Emilio Deco nach Pass von Christian Arnaud aus.

"Ich hab nur kurz geblinzelt, und es stand schon wieder unentschieden", murmelte ein Fan auf der Haupttribüne. Er sprach wohl für viele.

Doch Schötz war jetzt am Drücker. In der 57. Minute schob der junge Eskil Bruhn, ebenfalls Rechtsverteidiger - offenbar haben die Schötzer Außenverteidiger heute Torprämien - den Ball zum 3:2 für die Gäste ins Netz. Da sah Basels Keeper Olivier Van Hoyweghen nicht gut aus, was er später charmant erklärte: "Ich wollte den Ball eigentlich fangen, aber er wollte nicht."

Basel antwortete mit Wut im Bauch - und wieder hieß der Torschütze Rose. In der 64. Minute traf er nach schönem Doppelpass mit Oliveira zum 3:3. Es war bereits das zweite Zusammenspiel dieser beiden, die sich an diesem Abend blind zu verstehen schienen.

Die Schlussphase war ein wilder Ritt. Schötz ging in der 83. Minute erneut in Führung, wieder durch Deco, diesmal nach einer butterweichen Hereingabe von Daniel Aldridge. Doch kaum hatte der Stadionsprecher den Namen ausgesprochen, da erzielte Rose - wer sonst - nur eine Minute später den Ausgleich. 4:4, und die Basler Arena bebte.

"Ich hab irgendwann aufgehört, mitzuschreiben", gestand Schötz-Trainer Roland Kunz nach dem Spiel mit trockenem Lächeln. "So viele Tore sehe ich sonst in drei Wochen." Sein Gegenüber Kevin Keegan dagegen wirkte zwischen Stolz und Ratlosigkeit: "Vier Tore zu Hause - das ist stark. Vier Gegentore - das ist ein Problem. Aber hey, die Fans hatten Spaß."

Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe: Basel mit 50,6 Prozent Ballbesitz, Schötz mit 49,4 - also praktisch Gleichstand. Die Gäste gaben sogar einen Torschuss mehr ab (13 zu 12), was sich in der Dynamik der Partie widerspiegelte. In der Defensive allerdings präsentierten sich beide Mannschaften offen wie ein Scheunentor im Hochsommer.

Gelbe Karten gab’s trotzdem nur zwei, beide für Schötz (Philippidis und Reich, 76. und 77. Minute) - was immerhin zeigt, dass es trotz aller Offensivfreude fair zuging.

Im Basler Fanblock wurde nach dem Schlusspfiff gesungen, als hätte man gewonnen, während Schötz-Spieler Deco mit einem breiten Grinsen erklärte: "Ich hätte gern den Ball mitgenommen, aber Rose hat ja auch drei gemacht - da teilen wir uns den Ruhm."

Und so endete ein Spiel, das weniger an taktische Disziplin erinnerte als an ein Feuerwerk auf offener Wiese. Ein 4:4, das in keiner Statistik schön aussieht, aber in jedem Fußballherz lange nachklingt.

Oder wie ein älterer Herr beim Verlassen des Stadions sagte: "So was nennt man wohl ein faires Unentschieden - beide Abwehrreihen gleich schlecht, beide Stürmer gleich gut."

Ein Satz, den man sich merken sollte.

29.09.643996 16:46
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Giovanni Trappatoni
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