Gazeta Sportowy
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Torfestival in Warschau: Rush Chorzow stiehlt Lygia den Auftakt

Wer am Samstagabend im Stadion von Lygia Warschau ein ruhiges Saisoneröffnungsspiel der 1. Liga Polen erwartet hatte, bekam stattdessen ein Spektakel, das jeder Achterbahn Konkurrenz gemacht hätte. 40.755 Zuschauer sahen beim 4:5 (1:3) gegen Rush Chorzow neun Tore, unzählige Torschüsse, schweißnasse Trainer und Verteidiger, die vermutlich noch heute Albträume von Leandro Couto und Adrian Dreszer haben.

Es dauerte keine zwei Minuten, bis der Ball zum ersten Mal im Netz zappelte. Chorzows Couto, nach Vorlage des quirlig agierenden Xavi Iniguez, nutzte die erste Unordnung in Lygias Defensive eiskalt. Kaum hatten die Fans den Schock verdaut, rauschte auch schon das zweite Gegentor heran: Dreszer, der Mittelstürmer mit der Aura eines Mannes, der schon beim Aufwärmen an Tore denkt, erhöhte in der siebten Minute. "Wir wollten früh ein Zeichen setzen", grinste Rush-Trainer Herth Ussia nach dem Spiel, "dass es dann gleich zwei waren, nehme ich natürlich mit."

Lygia-Coach Kamil Breer hingegen rang um Fassung. "Wir haben in der Anfangsphase verteidigt wie Touristen auf Stadtbesichtigung", sagte er mit bitterem Lächeln. Seine Mannschaft brauchte gut eine halbe Stunde, um sich zu fangen - dann aber mit Wucht: Ethan Roades traf in der 32. Minute nach feinem Pass von Tiago Peyroteo und brachte die Warschauer zurück ins Spiel. Im Stadion keimte Hoffnung auf, doch nur sieben Minuten später zerstörte Grzegorz Wilczek sie wieder - 1:3 zur Pause, und wieder hatte Xavi Iniguez seine Füße im Spiel.

Die Halbzeitpause brachte bei Lygia gleich zwei Wechsel. Breer brachte Liam Millington und Juan Hernandez, um frischen Schwung in die Offensive zu bringen - und siehe da: Es funktionierte. Millington bedankte sich mit einem sehenswerten Treffer in der 57. Minute, Peyroteo erneut als Vorbereiter. "Kamil hat mir gesagt: ’Geh raus und tu so, als hättest du nie was anderes gemacht als Tore’ - also hab ich’s getan", lachte Millington später.

Und plötzlich war Lygia da. Nicolo Fusco egalisierte in der 68. Minute nach Vorarbeit von Corey Ward, und das Stadion bebte. 3:3, alles offen, und die Gastgeber schienen das Spiel endgültig in den Griff zu bekommen. Doch wer dachte, der Wahnsinn sei damit beendet, irrte sich.

Rush Chorzow antwortete doppelt - und wie! Innerhalb einer Minute stellten Arkadiusz Wojcicki (72.) und erneut Adrian Dreszer (73.) den alten Zwei-Tore-Vorsprung wieder her. "Wir wussten, dass Lygia nach vorn drückt. Da war Platz - und wir lieben Platz", grinste Wojcicki nach Abpfiff, als sei er gerade aus einem Urlaub am Mittelmeer zurückgekehrt.

Lygia warf in der Schlussphase alles nach vorn, und Breer ließ seine Jungs pressen, als ginge es ums Überleben. Der junge Juan Hernandez belohnte die Bemühungen mit dem 4:5 in der 87. Minute nach einem präzisen Zuspiel von Ranko Veskovac. Danach warfen die Hausherren wirklich alles rein - inklusive Torwart William Nolan, der bei einem Eckball in der Nachspielzeit Richtung Strafraum sprintete, allerdings nur die Flutlichtmasten traf, nicht den Ball.

Statistisch hätte Lygia den Sieg fast verdient: 51,8 Prozent Ballbesitz, zehn Torschüsse - gegen 19 der Gäste, die ihre Chancen allerdings deutlich konsequenter nutzten. Rush war in den Zweikämpfen etwas robuster (53 Prozent gewonnen) und hatte vor allem in Adrian Dreszer den Mann des Abends: zwei Tore, ein ständiger Unruheherd, eine Mischung aus Sturmtank und Straßenkünstler.

"Das war kein Fußballspiel, das war ein Abenteuerfilm", sagte ein erschöpfter Zuschauer im Trikot von Lygia beim Hinausgehen. Breer nahm’s sportlich: "Wenn man vier Tore schießt und trotzdem verliert, weiß man immerhin, dass man offensiv funktioniert - jetzt müssen wir nur noch herausfinden, wer hinten eigentlich verteidigen soll."

Auch Ussia, der siegreiche Coach, blieb auf dem Boden: "Fünf Tore auswärts sind schön, aber ich hätte weniger graue Haare lieber. Die Jungs haben mir in 90 Minuten mehr Adrenalin geschenkt als jede Achterbahn."

So endet der erste Spieltag mit einem Ergebnis, das in den Statistikbüchern fett gedruckt bleiben dürfte. Lygia Warschau verliert, aber liefert - und Rush Chorzow entführt drei Punkte in einem Spiel, das jedem neutralen Zuschauer zeigte, warum man Fußball liebt: weil er so herrlich unberechenbar ist.

Und irgendwo in Warschau wird Kamil Breer heute Nacht wohl aufwachen, schweißgebadet, weil er in seinem Traum wieder sieht, wie Leandro Couto in der zweiten Minute jubelnd abdreht.

22.03.643997 06:12
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Ich hatte schon vorher das Gefühl, dass die Mannschaft noch nicht reif für die Bundesliga ist. Aber dass einige Spieler so weich in der Birne sind, hätte ich nicht gedacht.
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