// Startseite
| De Standaard |
| +++ Sportzeitung für Belgien +++ |
|
|
|
Es gibt Fußballspiele, die man vergisst, sobald der Schlusspfiff ertönt. Und dann gibt es jene, bei denen man sich fragt, ob das Ergebnis ein schlechter Scherz ist. Das 0:0 zwischen Club Lüttich und Excelsior Vorst am 34. Spieltag der 1. Liga Belgien gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. 43.115 Zuschauer sahen ein Spiel, in dem nur eine Mannschaft wirklich Fußball spielte - und die andere erfolgreich dagegen ankämpfte, es zu verhindern. Schon in der vierten Minute begann das Drama: Brecht Lardenoit prüfte Lüttichs jungen Keeper Michael Kilbane mit einem satten Linksschuss. Es war der Auftakt zu einer Ein-Mann-Show der Gäste, die über 90 Minuten lang anrannten, schossen und scheiterten. Ganze 20 Torschüsse standen am Ende auf dem Statistikzettel für Vorst; Lüttich brachte es auf exakt null. Ja, null. Man darf das ruhig wiederholen. "Ich glaube, wir hätten bis Mitternacht spielen können, und der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen", seufzte Excelsior-Trainer Daniel Stapfer nach dem Spiel. Sein Gesicht schwankte zwischen Fassungslosigkeit und Galgenhumor. "Vielleicht stand da eine unsichtbare Wand. Oder Kilbane hatte einfach einen dieser Tage, an denen er den Ball riecht." Kilbane, 19 Jahre jung und offenbar mit Nerven aus Stahl, war tatsächlich der Held des Abends. Immer wieder flog er, hechtete, riss die Arme hoch, als hätte er Spinnenreflexe. Spätestens als Stanislav Borbely in der 46. Minute aus fünf Metern scheiterte, war klar: Dieser Torwart verkauft keine Punkte. Trainer Dan Schmitz von Club Lüttich sah das naturgemäß anders. "Das war kein Glück, das war Disziplin", erklärte er mit ernstem Blick. "Wir haben defensiv perfekt gearbeitet." Auf den Hinweis, dass seine Mannschaft keinen einzigen Torschuss zustande brachte, antwortete er trocken: "Na und? 0:0 ist auch ein Ergebnis." Das Publikum im Stade Maurice Dufrasne sah das mit gemischten Gefühlen. Einige pfiffen, andere applaudierten, viele schauten ratlos in ihr Bier. Ein älterer Herr auf der Tribüne meinte: "Ich bin seit 40 Jahren hier, aber so ein 0:0 habe ich selten gesehen. Es war irgendwie… anstrengend." Anstrengend war es tatsächlich - vor allem für Excelsior Vorst, das trotz 53 Prozent Ballbesitz und einer Tackling-Quote von 61 Prozent einfach nicht belohnt wurde. Brecht Lardenoit, der auffälligste Mann auf dem Platz, kassierte in der 58. Minute Gelb, vermutlich aus Frust. Wenig später kam es noch dicker: Linksverteidiger Julio Nene sah in der 77. Minute glatt Rot nach einem harten Einsteigen. "Ich wollte nur den Ball treffen", stammelte Nene später, "aber der Ball war plötzlich weg." Trotz Unterzahl blieb Vorst am Drücker. Cedric Van Bocxlaer und Lucas Dewaele feuerten weiter aus allen Lagen, doch es blieb beim Ergebnis, das niemanden so richtig glücklich machte. Selbst Lüttichs Verteidiger Alexis Reyns, der zunächst Gelb und in der Nachspielzeit Gelb-Rot sah, konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen: "Ich glaube, wir hätten noch zehn Minuten länger gebraucht, um mal über die Mittellinie zu kommen." Die taktischen Ausrichtungen erzählten die Geschichte in nüchternen Zahlen: Lüttich offiziell "offensiv", aber ohne Pressing und mit "schwachem Einsatz". Vorst dagegen "balanciert", aber mit Standard-Aggressivität - man könnte sagen, bemüht, aber höflich. Nach dem Spiel trafen sich beide Trainer kurz auf dem Rasen. Stapfer klopfte Schmitz auf die Schulter und sagte lachend: "Wenn ich gewusst hätte, dass ihr das Tor zubetoniert habt, hätte ich eine Bohrmaschine mitgebracht." Schmitz grinste und erwiderte: "Hauptsache, sie hätten nicht getroffen." Und so endete ein Abend, an dem ein Team alles versuchte und das andere alles verhinderte. Das Publikum bekam keine Tore, aber immerhin eine Lektion in Sachen Abwehrarbeit, Geduld und Torwartkunst. Im Presseraum fragte ein Journalist, ob man mit null Torschüssen zufrieden sein könne. Schmitz antwortete: "Solange der Gegner null Tore schießt - absolut." Man kann über dieses Spiel vieles sagen, aber eines sicher nicht: dass es langweilig war. Es war absurd, dramatisch, fast schon komisch. Ein 0:0, das man so schnell nicht vergisst - und das in den Archiven vielleicht irgendwann als das "torlose Feuerwerk von Lüttich" weiterlebt. Oder, um es mit Keeper Kilbane zu sagen: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und meine Handschuhe krieg ich nie wieder sauber." 08.07.644000 00:40 |
Sprücheklopfer
Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief's ganz flüssig.
Paul Breitner