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Ein Spiel ohne Tore kann langweilen. Muss es aber nicht. CD Cerrense und Funebreros Buceo bewiesen am 12. Spieltag der 1. Liga Uruguay, dass auch ein 0:0 die Nerven strapazieren kann - sofern man es schafft, 90 Minuten lang den Ball in Tornähe zu bringen, aber nie hinein. Vor 31.570 Zuschauern im Estadio Cerrense lieferten sich beide Teams ein Duell zwischen Verzweiflung und Aluminium - mit klaren Vorteilen im Chancenwucher für die Gastgeber. Von Beginn an zeigten die Cerrense-Kicker, dass sie den Auftrag "Offensiv spielen" ihres Trainers Leahcim Gnipeur sehr wörtlich genommen hatten. Schon in der vierten Minute prüfte Ryan Skene den Torwart der Gäste mit einem satten Linksschuss - Auftakt zu einer ganzen Serie von Versuchen, die allesamt an Torhüter, Latte oder den eigenen Nerven scheiterten. "Ich glaube, der Ball hat heute was gegen mich gehabt", grinste Skene nach dem Abpfiff, "der wollte einfach nicht rein." Buceo, vom ersten Moment an mit einer erstaunlich unbeeindruckten Körpersprache, ließ sich davon nicht beirren. Statt hektisch zu verteidigen, konterten sie mit kühler Präzision. Bruno Mendes, der rechte Flügelstürmer, zwang Cerrenses Keeper Joseba Mendes (Namensvettern unter sich) zweimal zu Glanzparaden - in der 14. und 40. Minute. "Ich hab die Sonne genau im Gesicht gehabt", erklärte Mendes mit einem Schulterzucken, "aber wenigstens hab ich sie diesmal gehalten." Nach einer halben Stunde hatte Cerrense acht Torschüsse, Buceo drei. Das Publikum schnaubte, Trainer Gnipeur gestikulierte, als wollte er den Ball mit bloßer Willenskraft über die Linie drücken. In der 37. Minute dann fast die Erlösung: José Enrique Vázquez kam nach perfektem Zuspiel von Joao Gomes frei zum Abschluss, doch Buceos Keeper Erik Frigard riss die Hand hoch - Reflex des Abends. "Ich hab einfach gehofft, dass er mich trifft", meinte Frigard später und grinste breit. Die Halbzeitpause brachte keine Veränderung. Cerrense blieb offensiv, Buceo blieb stoisch. In der 56. Minute versuchte es Nael Marques gleich doppelt - einmal knapp vorbei, einmal direkt in die Arme des Torwarts. Kurz danach musste Alejandro Nani verletzt raus; Joshua Rose kam - und mit ihm eine Extraportion Wut. Man sah es daran, dass Cerrense plötzlich sogar Pressing spielte, was laut Statistik sonst eher nicht ihr Ding ist. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen jetzt einfach draufgehen", erklärte Gnipeur nach dem Spiel. "Leider hab ich vergessen zu sagen: und auch treffen." Buceo dagegen blieb taktisch auf Linie: offensiv ausgerichtet, aber mit wenig Lust auf Risiko. In der 61. Minute tauchte der junge Adriano Esteve frei vor dem Tor auf, scheiterte aber an Mendes - der mit ausgestrecktem Bein rettete und dabei aussah wie ein Torwart aus den 80ern. Die Gäste jubelten kurz, dann lachten sie selbst über die vergebene Chance. "Ich dachte, das Netz sei weiter vorne", murmelte Esteve verlegen. Je länger das Spiel dauerte, desto mehr wurde es zum Duell zwischen Frigard und den Cerrense-Stürmern. Ryan Skene schoss in den letzten zehn Minuten gleich viermal aufs Tor - jedes Mal knapp daneben oder genau auf den Keeper. Als er in der 89. Minute zum letzten Mal abzog, hielt das Stadion den Atem an - nur um dann kollektiv die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen. Die Statistik ist eindeutig: 21 Torschüsse für Cerrense, 7 für Buceo. Ballbesitz fast ausgeglichen (49 zu 51 Prozent), Zweikampfquote leicht zugunsten der Hausherren. Gelbe Karten gab es zwei - eine frühe Verwarnung für Buceos Gabri Vico, der in der zweiten Minute gleich mal ein Zeichen setzen wollte, und eine für Cerrenses Christian Petrizzi kurz vor der Pause. Beides symptomatisch: viel Einsatz, wenig Ertrag. Nach dem Schlusspfiff war die Stimmung geteilt. Die Fans der Gastgeber applaudierten zögerlich - man hatte ja eigentlich alles richtig gemacht, außer eben das mit den Toren. "Wenn wir das nächste Mal so spielen, fällt einer rein", versprach Gnipeur in der Pressekonferenz. Sein Gegenüber, Buceo-Coach (dessen Name das Protokoll schuldig blieb, aber er trug eine bemerkenswert schrille Krawatte), nickte nur und meinte trocken: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und meiner Torwart kriegt heute ein Steak." Fazit des Abends: Fußball kann grausam ehrlich sein. CD Cerrense rannte, kombinierte, schoß - und blieb doch torlos. Funebreros Buceo verteidigte clever, hatte selbst einige gute Momente, und nimmt einen glücklichen Punkt mit. Ein 0:0 der besseren Sorte, ein Spiel, das man nicht vergisst - vor allem, wenn man Torjäger ist und sich fragt, wie viele Chancen man eigentlich braucht, um Geschichte zu schreiben. Oder wie Ryan Skene es kurz vor Verlassen des Stadions sagte: "Ich geh jetzt trainieren. Vielleicht hat das Tor ja morgen wieder Lust auf mich." 15.10.643999 21:43 |
Sprücheklopfer
Das sind Gefühle, wo man schwer beschreiben kann.
Jürgen Klinsmann