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Es gibt Spiele, die schreien nach Toren - und dann gibt es Spiele wie dieses: BKS Gdansk gegen FC Lubin, 28. Spieltag der 1. Liga Polen, vor stolzen 35.909 Zuschauern, die sich fragten, ob sie versehentlich bei einer Torwart-Convention gelandet waren. 0:0 stand es am Ende, aber wer nur das Ergebnis liest, verpasst ein Spektakel der verpassten Chancen, der fliegenden Keeper und der verbalen Spitzen an der Seitenlinie. Schon in den ersten Minuten zeigte sich, dass Gdansk an diesem Abend mit offenem Visier antrat. Trainer Mike Matt hatte sein Team offensiv eingestellt - und das merkte man. Marcel Bak prüfte den gegnerischen Keeper schon in der 5. Minute, Sebastian Mencel gleich danach. Die Gastgeber feuerten aus allen Lagen, als ginge es darum, den Ball zu verschleißen. 17 Schüsse aufs Tor, aber kein einziger wollte über die Linie. "Ich schwöre, der Ball hat was gegen mich", knurrte Mencel nach Abpfiff, während er den Torpfosten tätschelte, als wolle er sich verabschieden. Lubin hingegen kam mit einer Taktik, die man höflich als "ausgewogen" bezeichnen könnte - oder weniger höflich als "hoffentlich hält der Torwart alles". Und das tat er: Burak Ogaza, der Keeper der Gäste, wuchs zum Mann des Abends heran. Mal flog er wie ein junger Panther, mal hechtete er wie ein erfahrener Schwimmer, und immer war er da, wenn Gdansk glaubte, endlich getroffen zu haben. "Ich hatte heute das Gefühl, der Ball hat Magneten in meinen Handschuhen", grinste Ogaza später, sichtlich zufrieden mit seiner Leistung. Die Statistik sprach Bände: 50,7 Prozent Ballbesitz für Gdansk, 17 Torschüsse gegenüber mageren drei von Lubin. Und doch schien das Tor für die Gastgeber wie vernagelt. In der 19. Minute Mencel frei durch - drüber. In der 41. Minute Dennis Nawalka mit einem satten Linksschuss - gehalten. In der 94. Minute noch einmal Mencel - und wieder Ogaza. Der Torhüter nickte nur und klopfte dem Ball zum Dank auf den Boden. Ein Hauch Dramatik kam in der 40. Minute auf, als Henri Cloutier sich eine Gelbe Karte abholte, nachdem er etwas zu beherzt in einen Zweikampf gegangen war. "Ich wollte nur den Ball streicheln", verteidigte er sich später mit einem Grinsen. In Minute 83 sah dann auch Gdansks Mencel Gelb - vermutlich aus Frust, dass selbst seine Schienbeinschoner keine Tore erzielten. Trainer Mike Matt wirkte nach dem Spiel erstaunlich gelassen. "Wenn man so viele Chancen hat, muss man irgendwas richtig gemacht haben. Nur das Treffen üben wir dann nächste Woche. Vielleicht mit einem größeren Tor", sagte er augenzwinkernd. Sein Gegenüber, Lubins Coach, der lieber anonym bleiben wollte ("Sonst denken die Fans, ich hätte das so geplant"), lobte seine Mannschaft: "Wir waren kompakt, diszipliniert und hatten das Glück der Fleißigen - und eines überragenden Torwarts." Zwischendurch gab’s auch kleine Szenen für die Galerie. In der 58. Minute, als Daniel Jelen einen Freistoß aufs obere Eck zirkelte, rief ein Fan von der Tribüne: "Noch zehn so Schüsse, und der Ball hat ein Loch!" - der Rest des Publikums lachte, auch Jelen selbst. Die Zuschauer erlebten ein torloses, aber keineswegs langweiliges Spiel. Gdansk rannte, kämpfte, biss - und scheiterte. Lubin verteidigte, schwitzte, betete - und überlebte. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein älterer Herr gesagt haben: "Das war das schönste 0:0 meines Lebens - aber bitte nur einmal im Jahr." Am Ende blieb die Erkenntnis: Fußball ist manchmal ein grausames Spiel. Wer 17 Mal aufs Tor schießt und trotzdem mit leeren Händen dasteht, hat entweder Pech, einen überragenden Gegner oder beides. BKS Gdansk hatte an diesem Abend zweifellos beides. Und so stand es nach 94 Minuten: 0:0 - ein Ergebnis, das auf dem Papier langweilig klingt, aber auf dem Platz eine ganze Geschichte erzählte. "Vielleicht gewinnen wir das Rückspiel 5:0. Rein statistisch wäre das nur fair", meinte Mencel beim Rausgehen und grinste schief. Trainer Matt nickte: "Oder wir schießen einfach nächstes Mal das Tor, bevor der Ball wieder beleidigt abprallt." Und so verließen 35.909 Zuschauer das Stadion - manche kopfschüttelnd, manche lachend, alle mit dem Gefühl, Zeugen eines torlosen, aber herzhaften Fußballabends gewesen zu sein. Ein Spiel, das keine Tore, aber viele Geschichten bot. Und manchmal ist das ja fast noch schöner. 22.05.644000 17:15 |
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