Dagbladet
+++ Sportzeitung für Norwegen +++

Torregen über Lillestrøm - 3:3-Spektakel zwischen Lillestrom IL und Mørkeblå Stavanger

Es gibt Spiele, die man vergisst, sobald der Schlusspfiff ertönt. Und dann gibt es diese wilden 90 Minuten, die sich ins Gedächtnis brennen wie ein schlecht gezapftes Bier - prickelnd, unberechenbar, aber irgendwie köstlich. Lillestrom IL und Mørkeblå Stavanger lieferten am 9. Spieltag der 1. Liga Norwegen genau so ein Exemplar: ein 3:3, das alles hatte außer Langeweile.

Schon nach fünf Minuten hatte das Publikum den ersten Grund zum Jubeln. Brede Bergmann, der rechte Flügelflitzer der Gastgeber, zog nach feinem Zuspiel von Nelio de Vivar ab - flach, präzise, unhaltbar. 1:0, und im Åråsen-Stadion knisterte die Luft. "Ich dachte, der Keeper würde noch die Hand drankriegen", grinste Bergmann nach dem Spiel. "Aber dann war der Ball einfach weg - wie mein Diätplan nach Weihnachten."

Doch Stavanger ließ sich nicht lange bitten. In der 17. Minute kombinierte sich der Gast aus dem Westen cool durch die Lillestrøm-Abwehr. Martin Giske legte quer, Georges Becker drückte ein. Routine trifft Instinkt - 1:1. "Das war so ein Moment, in dem man einfach den Fuß hinhält und hofft, dass Physik funktioniert", lachte Becker später.

Noch vor der Pause drehte Mørkeblå die Partie. Der 34-jährige Agemar Eusebio, ein Spieler mit der Eleganz eines Jazzmusikers und der Kondition eines Marathonläufers, schlenzte in der 43. Minute nach Vorlage von Hassan Arst zum 1:2 ein. Heimkeeper Erik Andersen streckte sich, vergeblich. "Das war ein alter Trick aus meiner Jugendzeit in Porto Alegre", meinte Eusebio verschmitzt.

Die 12.500 Zuschauer im Stadion rieben sich die Augen. Lillestrøm hatte bis dahin mehr Ballbesitz (fast 49 Prozent - also praktisch Gleichstand) und elf Torschüsse, aber zur Pause stand die Anzeigetafel gegen sie. Trainer Johannsen (der übrigens nach eigenen Worten "gar nicht so defensiv aufgestellt hatte, wie’s aussah") verschwand mit finsterer Miene in der Kabine.

Was auch immer er dort sagte - es wirkte. Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff war das Spiel wieder offen. Martin Braaten, der bullige Linksaußen, verwertete eine butterweiche Flanke von Kai Andersen zum 2:2. "Ich hab nur gehofft, dass Kai den Ball nicht wieder auf den Parkplatz schießt", witzelte Braaten, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte.

Dann kam die 57. Minute - und die Gastgeber schienen das Spiel endgültig zu kippen. Nelio de Vivar, der schon beim ersten Tor den Assist geliefert hatte, traf diesmal selbst. Nach schöner Vorarbeit von Tryggve Bergmann drosch er den Ball humorlos unter die Latte. 3:2, und die Tribüne bebte. Drei Tore, drei verschiedene Schützen - Lillestrøm war plötzlich die Mannschaft der Stunde.

Doch Stavanger wäre nicht Stavanger, wenn sie sich damit abgefunden hätten. In der 75. Minute kam erneut Georges Becker ins Rampenlicht. Eine flache Hereingabe von Henning Bjornebye, ein kurzer Blick, ein trockener Abschluss - 3:3. Becker, der an diesem Abend so gefährlich war wie eine offene Steckdose, schnürte damit seinen Doppelpack.

Die letzten 15 Minuten waren nichts für schwache Nerven. Gelbe Karte für Lillestrøms Bailey MacRae (72.), wütende Rufe von den Rängen, ein paar halbherzige Chancen auf beiden Seiten. Beide Teams pressten kaum noch - der Puls war hoch, die Beine schwer, die Ordnung dahin.

Die Statistik erzählte am Ende eine Geschichte von Gleichgewicht: 12 Torschüsse für Stavanger, 11 für Lillestrøm, Ballbesitz fast pari, Zweikampfquote haarscharf verteilt. Nur die Emotionen ließen sich nicht in Prozent fassen.

"So ein Spiel kann dich alt machen", murmelte Lillestrøms Keeper Andersen in der Mixed Zone. "Aber wenigstens war’s nicht langweilig." Und Mørkeblå-Coach Haldorsen grinste dazu: "Ich hab irgendwann aufgehört, taktische Anweisungen zu geben. Das war wie Schach mit acht Königen."

Als das Flutlicht erlosch und die Fans in die Sommernacht strömten, blieb der Eindruck eines Spiels, das an Dramatik kaum zu überbieten war. Kein Sieger, keine Verlierer - nur 22 erschöpfte Männer, die sich auf den Rasen fallen ließen und wussten: Fußball kann manchmal einfach schön verrückt sein.

Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Fan, während er sein Hotdog-Papier zusammenknüllte: "Wenn jedes Unentschieden so aussieht, darf’s nächste Woche gern wieder 3:3 stehen."

Einverstanden.

19.01.644003 23:53
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Die Vögel haben noch nicht gezwitschert, als ich gegangen bin.
Mario Basler nach einer Geburtstagfeier von Didi Hamann, die er erst um 3.00 Uhr früh verließ
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager