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Es war einer dieser Abende in Tucumán, an denen man sich fragt, ob es die Luftfeuchtigkeit oder der frühe Gegentreffer war, der den Heimspieltraum des FC Tucuman so schnell platzen ließ. 45.000 Zuschauer im Estadio Monumental José Fierro hatten sich gerade gemütlich in die Sitze gewuchtet, da zeigte Tove Fischer, dass Estudiantes La Plata keine Zeit für Smalltalk hat. In der zweiten Minute zappelte der Ball bereits im Netz. "Ich habe einfach geschossen, bevor ich selbst wusste, was ich tue", grinste Fischer später, und man glaubte es ihm sofort. Trainer Louis Noel von Tucuman sah da schon nicht mehr ganz so entspannt aus. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", knurrte er. "Aber offenbar hat sich ’kompakt’ bei uns auf die Kabine beschränkt." Tatsächlich wirkte Tucuman in der Anfangsphase wie ein Team, das noch auf den Startpfiff wartete, während Estudiantes längst im Angriffsmodus war - und das im wahrsten Sinne des Wortes: laut Taktikdaten offensiv, aggressiv und mit Schussfreude aus allen Lagen. Tucuman mühte sich, fand aber kaum Lücken. Jorge Martins prüfte in der 24. Minute Estudiantes-Keeper Asbjorn Aas, doch der Norweger mit dem Namen eines Wikingers war hellwach. Kurz darauf versuchte es Juanito Sandoval, verfehlte jedoch das Tor. Die Gäste hingegen blieben gefährlich - Fischer, Gurendez, Trottier: eine Dreifaltigkeit des Drucks. In der Halbzeit wechselte Roman Pilgram, der Trainer der Estudiantes, gleich dreimal. "Ich wollte einfach noch mehr Beine, die rennen, und Köpfe, die denken", erklärte er mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Selbstsicherheit und Übermut lag. Und siehe da: Kaum lief die zweite Hälfte, schlug Fischer erneut zu. In der 48. Minute vollendete er nach einem sehenswerten Zusammenspiel mit Lauritz Brill zum 0:2. Nur drei Minuten später machte er den Hattrick perfekt. Diesmal kam die Vorlage von Jozsef Radoki, der sich durch die Mitte tankte, als würde er einen Möbelwagen schieben. Fischer behielt die Ruhe, schob flach ins Eck - und die Fans der Gäste sangen schon vor Freude, ehe der Ball ganz über die Linie war. "Ich habe ehrlich gesagt gar nicht gemerkt, dass es drei Tore waren", meinte Fischer hinterher mit einem Schulterzucken. "Ich dachte nur: Warum jubeln die schon wieder so laut?" Tucuman aber weigerte sich, komplett unterzugehen. In der 66. Minute gelang Humberto Gama der Ehrentreffer - ein satter Schuss nach feiner Vorarbeit von Jorge Martins, der damit zumindest kurzzeitig einen Hoffnungsschimmer ins Stadion brachte. "Da haben wir kurz geglaubt, es geht noch was", sagte Gama später. "Aber dann fiel mir ein, dass Fischer noch auf dem Platz steht." Die letzten Minuten gerieten zur Nervenprobe. Tucuman versuchte alles, doch Estudiantes blieb überlegen - 12 Torschüsse zu 5 sprechen eine deutliche Sprache. Auch im Ballbesitz (51 zu 49 Prozent) und in den Zweikämpfen (55 zu 45 Prozent) hatten die Gäste die Nase vorn. Einziger Schönheitsfehler für Tucuman: Innenverteidiger Domingo Morte sah erst Gelb (47.) und dann, kurz vor Schluss, Gelb-Rot (93.). "Ich wollte eigentlich nur den Ball treffen", verteidigte er sich, während Trainer Noel die Stirn rieb. "Vielleicht sollte ich ihm das nächste Mal eine andere Farbe zeigen - Rot gleich zu Beginn, dann kann er früher duschen." Estudiantes-Coach Pilgram hingegen war rundum zufrieden. "Das war ein Sieg der Disziplin", sagte er, wobei er das Wort "Disziplin" so betonte, als sei es ein seltenes Gewürz. "Wir haben offensiv gespielt, aber mit Köpfchen. Und Tove… na ja, der war heute einfach Tove." In Tucuman wird man diesen Namen wohl noch eine Weile ungern hören. Drei Tore in einem Auswärtsspiel - Fischer hat sich in die Herzen der Estudiantes-Fans geschossen und in die Albträume der Tucumaner Verteidigung. Zum Schluss blieb den Heimfans nur Galgenhumor. Ein älterer Herr auf der Tribüne sagte beim Abpfiff zu seinem Sitznachbarn: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens gegen jemanden, der so hübsch trifft." Und irgendwo hinter der Ersatzbank sah man Trainer Noel in den Nachthimmel starren. Vielleicht dachte er an das nächste Spiel. Vielleicht aber auch nur: "Bloß kein Fischer mehr." Ein Abend, an dem Estudiantes La Plata bewies, dass Effizienz keine nordische Tugend, sondern eine argentinische Waffe sein kann. 1:3, verdient, deutlich - und wieder einmal ein Beweis dafür, dass Fußball manchmal in zwei Minuten entschieden wird. 22.11.644002 21:57 |
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