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Trondheim, 9. Juni 2026 - Ein Sommerabend in Norwegen, 20.823 Zuschauer, ein Flutlicht, das alles ein wenig schöner erscheinen ließ - jedenfalls, wenn man Trondheim BK heißt. Die Gastgeber schickten Viking FK mit einem klaren 3:0 nach Hause und bewiesen, dass Offensivgeist und Spielfreude noch immer die besten Zutaten für einen gelungenen Fußballabend sind. Schon nach wenigen Minuten war klar, wer hier Chef im Haus ist. Trondheim spielte von Beginn an offensiv, technisch sauber, mit der Selbstverständlichkeit einer Mannschaft, die genau weiß, was sie tut. Viking dagegen wirkte wie auf einem Betriebsausflug zum Polarkreis - bemüht, höflich, aber irgendwie nicht ganz bei der Sache. In der 13. Minute durften die Heimfans zum ersten Mal jubeln: Gabriel Callahan, der flinke Linksaußen, drosch den Ball nach feinem Zuspiel von Ewan Rose in die Maschen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Callahan später. "Ewan meinte noch, ich solle flanken, aber ich hab ihn gar nicht gehört." Trainer Uwe Kämmerer kommentierte trocken: "Gut, dass er nicht hört, was ich von draußen reinrufe - sonst hätten wir wohl nur 1:0 gewonnen." Viking reagierte kaum. Zwei kümmerliche Torschüsse im gesamten Spiel zeigen, dass Torhüter Jay Neil bei Trondheim wohl einen relativ entspannten Abend verbrachte - Gerüchten zufolge soll er in der 70. Minute kurz überlegt haben, ob er sich einen Kaffee bringen lässt. Noch vor der Pause fiel das 2:0: Shimon Naot, der bullige Mittelstürmer mit der Eleganz eines Eisbären auf Glatteis, traf in der 27. Minute nach einer butterweichen Flanke von Urban Bengtsson. Naot hob die Arme, grinste in Richtung Gästeblock und meinte später: "Ich wollte eigentlich köpfen, aber der Ball war so schön, da musste ich einfach mit dem Fuß ran." Während Viking-Trainer Markus Frey an der Seitenlinie wild gestikulierte und gleich drei Spieler zur Halbzeit wechselte, blieb Kämmerer stoisch. "Wir haben das Spiel im Griff, warum sollte ich was ändern?", sagte er nach dem Abpfiff. Die zweite Hälfte begann, wie die erste geendet hatte: Trondheim kontrollierte Ball und Gegner. Das 3:0 in der 59. Minute war dann endgültig der Deckel auf der Dose: Der 23-jährige Joan Granero traf nach Vorarbeit von Rechtsaußen Adam Bosworth und feierte mit einem beherzten Sprung in die Arme seiner Mitspieler. "Ich wollte zeigen, dass ich auch Tore kann und nicht nur laufen", lachte Granero. Viking versuchte es derweil mit Kurzpassspiel durch die Mitte - laut Statistik immerhin 45,8 Prozent Ballbesitz -, doch in Wahrheit sah es eher nach einem verzweifelten Versuch aus, den Ball so lange wie möglich vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Ihre gefährlichsten Szenen kamen von Rechtsverteidiger Christophe Will, der in der 56. und 63. Minute immerhin zwei Schüsse auf das Tor brachte - beide so harmlos, dass der Ball wahrscheinlich nicht mal eine Katze erschreckt hätte. Trondheim dagegen feuerte aus allen Lagen: 19 Torschüsse, dazu sehenswerte Kombinationen und ein Mittelfeld, das beinahe tänzerisch wirkte. Nur einmal wurde es brenzlig, als Owen Davonport in der 84. Minute Gelb sah und sich anschließend mit einem Grinsen beim Schiedsrichter bedankte - "damit ich in der Statistik auch vorkomme", witzelte er später. Am Ende war es ein hochverdienter Sieg, der das Ergebnis einer konsequenten Spielanlage war. 54 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die deutlich zeigen, wer Herr im eigenen Haus war. Kämmerer fasste es treffend zusammen: "Wir wollten Fußball spielen, nicht rechnen. Und das ist uns, glaube ich, ganz gut gelungen." Viking-Trainer Frey wirkte da schon etwas ratloser: "Wir hatten einen Plan, aber der blieb wohl im Bus liegen." Eine ehrliche Analyse, die von der Tribüne mit anerkennendem Lachen quittiert wurde. Als die Fans nach Abpfiff "Trondheim, Trondheim" sangen, stand die Sonne längst tief über dem Fjord. Die Spieler winkten, lachten, und Gabriel Callahan verteilte Autogramme, als wäre er der König des Nordens. Vielleicht war er das an diesem Abend auch. Und irgendwo in der Kabine soll Torhüter Jay Neil leise gesagt haben: "Ich glaub, ich hab heute keinen Grashalm berührt." Man kann’s ihm kaum verdenken. Ein 3:0, das so souverän war, dass selbst der Gegner applaudierte. Trondheim BK hat wieder einmal gezeigt: Wenn sie wollen, dann können sie - und wie. 05.03.644003 15:55 |
Sprücheklopfer
Wenn wir ein Quiz machen würden unter den Trainern in Deutschland, wer am meisten Ahnung hat von Trainingslehre, Psychologie, und der Trainer mit den besten Ergebnissen kriegt den besten Klub - dann wäre ich bald bei Real Madrid.
Peter Neururer