// Startseite
| Sportecho |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war ein Montagabend, wie er im Drehbuch der Fußballgötter steht: Flutlicht, 51.837 Zuschauer im Rundhofer Stadion, und zwei Mannschaften, die unterschiedlicher nicht hätten auftreten können. Der TSV Rundhof, unter Trainer Du Dado, begann wie ein Schnellzug, während der 1. FC Eschborn mit Trainer Yas Sin zunächst die Fahrkarte suchte - und dann erst spät bemerkte, dass der Zug schon längst abgefahren war. Bereits in der dritten Minute bebte das Stadion: Cesc Quaresma, Rundhofs quirliger Linksaußen, ließ Eschborns Abwehr aussehen, als hätten sie noch im Bus gesessen. Nach einem blitzsauberen Zuspiel von Louis Gebhardt drosch er den Ball unhaltbar ins lange Eck - 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten. Und ja, ich wollte das so", grinste Quaresma später mit jenem schelmischen Lächeln, das nur Stürmer nach gelungenen Aktionen hinbekommen. Der TSV hatte sich viel vorgenommen, das war zu spüren. Nur acht Minuten später tauschten die beiden Offensivkünstler die Rollen: Quaresma flankte, Gebhardt nickte - 2:0. Da war noch keine Viertelstunde gespielt, und Eschborns Torhüter Catalin Bükössy wirkte bereits wie ein Mann, der dringend nach dem Pausenpfiff suchte. "Wir wollten offensiv starten", erklärte später Eschborn-Trainer Yas Sin, "aber wir haben vergessen, dass man dafür auch den Ball braucht." Tatsächlich kam sein Team erst nach rund 20 Minuten in die Partie. Spieler wie Jacob Holz und Fernando Antonio begannen, das Rundhofer Mittelfeld unter Druck zu setzen. Die Statistik spricht Bände: 15 Torschüsse der Gäste gegenüber nur vier des TSV - doch am Ende blieb es beim alten Fußballgesetz: Effizienz schlägt Fleiß. Kurz vor der Pause allerdings durften die mitgereisten Eschborner Fans jubeln. In der 44. Minute setzte sich Holz nach feinem Pass von Xavier Ximenis auf der rechten Seite durch und traf aus spitzem Winkel. 2:1 - plötzlich war wieder Leben in der Bude. "Da haben wir gemerkt, dass die keine Maschinen sind", sagte Holz später, "und wir keine Touristen." Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor - das von Rundhof. Eschborn drückte, rannte, schoss, und der TSV verteidigte mit allem, was nicht niet- und nagelfest war. Torwart Pol Ibano wuchs über sich hinaus, parierte Schüsse von Holz (51.), Antonio (78., 86., 90.) und auch den satten Distanzversuch von Buchholz (74.). "Pol hatte heute Spiderman-Hände", kommentierte Trainer Dado augenzwinkernd. "Ich hoffe nur, er klebt sie mir nicht in der Kabine an die Wand." Eschborns Pechsträhne wurde in der 77. Minute noch bitterer, als Linksverteidiger Bram Van Butsel nach einem Zweikampf verletzt raus musste. Der erst 18-jährige Matthias Vetter kam - und machte seine Sache ordentlich, auch wenn er nach dem Spiel zugab: "Ich hab gezittert wie beim ersten Schultag." Während Eschborn in der Schlussphase alles nach vorne warf, blieb Rundhof erstaunlich gelassen. Kein wildes Pressing, kein hektisches Ballwegschlagen - einfach solides Verteidigen mit 58 Prozent Ballbesitz. "Wir haben das Spiel eingefroren", erklärte Kapitän Gebhardt, "wie ein gutes Eis im Sommer - nicht schön für die anderen, aber sehr erfrischend für uns." Als Schiedsrichterin Jana Bork in der 93. Minute abpfiff, brach Jubel los. Der TSV Rundhof feierte den knappen, aber verdienten 2:1-Erfolg - auch wenn die nackten Zahlen etwas anderes suggerieren. 15:4 Torschüsse für Eschborn, dazu eine höhere Zweikampfquote - aber Fußball ist kein Rechenexempel. Trainer Du Dado fasste das Spiel trocken zusammen: "Wir haben früh getroffen und dann überlebt. Das ist manchmal Fußball. Und manchmal Kunst." Sein Gegenüber Yas Sin sah es ähnlich, wenn auch mit anderer Betonung: "Wir haben früh geschlafen und dann alles versucht. Das ist manchmal Fußball. Und manchmal Tragödie." Und so endete ein Spiel, das in den ersten elf Minuten entschieden wurde, aber erst in den letzten Sekunden gezittert hat. Der TSV Rundhof bleibt dank seiner gnadenlosen Effizienz im oberen Tabellendrittel, während Eschborn sich fragen muss, wie man mit so viel Aufwand so wenig Ertrag einfahren kann. Vielleicht hilft ihnen der Rat eines Rundhofer Fans, der beim Hinausgehen laut rief: "Jungs, nächstes Mal einfach in den ersten zehn Minuten aufwachen!" - ein Vorschlag, der zumindest an diesem Abend den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausgemacht hat. 06.04.644000 09:47 |
Sprücheklopfer
Wir haben 20 Mann. Es müssen immer zwei Mann zu Hause bleiben. Wenn er lange ausfällt, dann bleibt in Zukunft nur noch einer zu Hause.
Mario Basler über eine Verletzung von Giovane Elber