Fanatik
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Türkgücü Karsspor triumphiert nach Verlängerung - Fontàs schreibt Geschichte

Was für ein Pokalfinale! 59.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion von Ankara erlebten am Samstagabend ein Drama, das selbst Drehbuchautoren zu kitschig gewesen wäre. Türkgücü Karsspor und Tokatspor lieferten sich über 120 Minuten ein Duell, das zwischen Genie und Wahnsinn pendelte - mit dem besseren Ende für die Gastgeber. Nael Fontàs, der Mann mit dem unerschütterlichen Mittelfeldmotor, wurde mit seinem Doppelpack zum Helden des Abends. 3:2 nach Verlängerung hieß es am Ende - und das verdient, wenn auch nicht ohne Zittern.

Trainer Akin Nasa hatte seine Karsspor-Truppe offensiv eingestellt, "weil wir nicht für Elfmeterschießen trainieren, sondern fürs Gewinnen", wie er vor dem Spiel süffisant erklärte. Und tatsächlich legten die Gastgeber los wie die Feuerwehr. Schon in der 15. Minute ließ Fontàs die Fans erstmals jubeln: Nach feiner Vorarbeit von Harrison Hartshorn zog er aus 18 Metern ab und traf trocken ins rechte Eck. Tokatspors Keeper Siddik Sabankay streckte sich vergeblich - 1:0.

Doch Tokatspor wäre nicht Tokatspor, wenn sie sich so leicht ergeben hätten. Trainer Friedel Friese, bekannt für seinen charmant-chaotischen Pragmatismus ("Wir spielen offensiv, aber nur, wenn der Gegner nicht gerade den Ball hat"), ließ seine Mannschaft nach vorne marschieren. In der 42. Minute wurde sie belohnt: Ronny Solodkin, der schon zuvor gefährlich gewirkt hatte, vollendete eine butterweiche Flanke von Inigo Calderon zum Ausgleich. 1:1 - alles wieder offen und die Halbzeitpause hochverdient.

"Ich hab den Ball einfach gespürt", grinste Solodkin danach, "und wenn ich ihn spüre, dann fliegt er." Spätestens da wusste man: Der Mann hat Selbstvertrauen.

Nach dem Seitenwechsel ging’s sofort weiter mit offenem Visier. In der 51. Minute schlug Aygün Göktan zu, nachdem Duarte Allegri ihm punktgenau in den Lauf gespielt hatte. Göktan blieb cool und schob zum 2:1 ein. Der Jubel war ohrenbetäubend, Bierduschen inklusive - und das mitten auf der Trainerbank, wie Akin Nasa später lachend erzählte: "Ich hab gerochen wie ein Kiosk."

Tokatspor aber weigerte sich erneut, den Vorhang fallen zu lassen. Wieder war es dieser unermüdliche Solodkin, der in der 60. Minute den Ball nach Zuspiel von Bernd Janssen über die Linie drückte. 2:2, und plötzlich lag wieder alles in der Schwebe. Was folgte, war eine Achterbahnfahrt: Chancen hüben wie drüben, 19 Torschüsse für Türkgücü, 15 für Tokatspor - und ein Publikum, das zwischen Herzrasen und Heiserkeit schwankte.

Als die reguläre Spielzeit vorbei war, sah man Friese wild gestikulierend an der Seitenlinie. "Ich wollte eigentlich wechseln, aber meine Tafel war kaputt", erklärte er später trocken. Die Verlängerung musste her, und sie hatte alles, was ein Finale braucht: müde Beine, gelbe Karten, Ersatzkeeper Henrik Sundström, der in der 96. Minute den angeschlagenen Sabankay ersetzte - und natürlich einen Helden.

In der 114. Minute war es wieder Nael Fontàs. Nach einer Hereingabe des frisch eingewechselten Routinier Rafael Otto nahm er Maß und zimmerte den Ball humorlos unter die Latte. 3:2! Das Stadion explodierte, der Trainer verschwand unter einem Berg jubelnder Spieler, und Friese stand regungslos an der Linie - vielleicht überlegend, ob er in der nächsten Saison eine Dramaturgie-Prämie beantragen sollte.

"Ich hab einfach draufgehalten", sagte Fontàs hinterher mit einem Grinsen, das man noch im Nachbardorf sehen konnte. "Wenn du in der 114. Minute triffst, denkst du nicht nach - du hoffst nur, dass keiner pfeift."

Tokatspor warf in den letzten Minuten alles nach vorn, brachte noch den jungen Tyler Combe, der zweimal abschloss, aber an Karsspors Keeper Juan Alvar scheiterte. Dann war Schluss, und die Party begann.

Die Statistiken untermauern den Sieg: 54,9 Prozent Ballbesitz, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 19 Abschlüsse - Türkgücü war einfach die aktivere Mannschaft. Tokatspor kämpfte tapfer, doch die rote Karte blieb ihnen erspart, ebenso wie das Happy End.

Trainer Nasa nahm den Pokal in Empfang, küsste ihn und sagte in die Kameras: "Das ist für alle, die glauben, dass Karsspor nur Döner und Defensive kann." Friedel Friese hingegen murmelte: "Wir haben das Spiel verloren, aber die Herzen gewonnen - zumindest meine."

So endet ein Pokalfinale, das alles bot: Tempo, Tore, Theater. Und wenn der Pokal in Karsspor bleibt, dann auch, weil Nael Fontàs an diesem Abend beschlossen hatte, die Hauptrolle zu spielen - und sie grandios auszufüllen.

Und irgendwo in der Kabine, zwischen Konfetti und Kebabduft, summte Trainer Nasa leise: "Finalsieg schmeckt besser als alles andere." Recht hat er.

03.02.643997 18:31
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