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Türkiyemspor erlebt Hordeler Torfestival - 0:6 im Pokal-Debakel

Es gibt Spiele, an die sich keiner gern erinnert - und dann gibt es Spiele wie dieses, bei denen man sich fragt, ob der Schiedsrichter aus Mitleid nicht einfach früher hätte abpfeifen sollen. Türkiyemspor 1978 erlebte in der zweiten Pokalrunde gegen TuS Hordel einen jener Abende, an denen alles schiefgeht, was schiefgehen kann. 0:6 hieß es am Ende vor immerhin 11.139 Zuschauern - Zahlen, die den Gastgebern wohl noch eine Weile in den Ohren klingen werden.

Dabei begann alles noch mit einem Funken Hoffnung. Trainer Ata Mramor hatte seine Elf defensiv eingestellt, "stabil stehen, schnell kontern", hatte er vor dem Spiel verkündet und dabei so entschlossen gewirkt, dass man ihm fast geglaubt hätte. Doch schon nach 13 Minuten war der Plan Makulatur. Tiago Valente, der flinke Rechtsaußen von Hordel, traf nach Vorarbeit von Tim Pfeiffer - und das war erst der Anfang. Zwei Minuten später revanchierte sich Pfeiffer selbst, bedient von Olav Anders, und es stand 0:2. Manche Zuschauer hatten da noch nicht einmal ihren Platz gefunden, andere suchten schon nach dem Ausgang.

"Wir wollten früh Druck machen", erklärte Hordel-Coach Ute Finkeldy nach dem Spiel trocken. "Dass es so gut klappt, war selbst für uns überraschend." Überraschend war vor allem, wie leicht ihre Mannschaft durch die Reihen der Gastgeber spazierte. Türkiyemspor brachte es im gesamten Spiel auf einen einzigen Torschuss - in der 57. Minute, als der 18-jährige Laszlo Codrea sich ein Herz fasste. Sein Schuss war mehr höfliche Anmeldung als ernste Gefahr, und Hordel-Keeper Jacob Montgomery durfte sich immerhin einmal die Finger warmhalten.

Währenddessen feierten die Gäste ein Offensiv-Spektakel. Fjodor Koroljuk erhöhte in der 19. Minute auf 0:3, Nico Blum setzte kurz vor der Pause den vierten Treffer drauf - mit einem Kopfball nach Flanke von Ernst Kunkel. Das 0:4 zur Halbzeit war schmeichelhaft für Türkiyemspor, denn allein Valente hätte in der ersten Hälfte schon dreimal mehr treffen können.

In der Kabine blieb es laut. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen wenigstens so tun, als würden sie verteidigen", knurrte Ata Mramor später mit Galgenhumor. Auf dem Feld änderte sich aber wenig. Hordel spielte weiter wie im Trainingsmodus, drückte, kombinierte, schoss. Insgesamt 28 Mal zielten die Gäste aufs Tor, während Türkiyemspor hinterherlief - Ballbesitz 65 Prozent für Hordel, Tacklingquote 60 Prozent. Zahlen, die man nicht erklären, sondern nur ertragen kann.

Die zweite Halbzeit geriet dann zur Tiago-Valente-Show. In der 70. Minute traf er nach schöner Vorlage von Vincent Albinana zum 0:5, zwei Minuten später legte er noch einen drauf - wieder perfekt in Szene gesetzt, diesmal von Ernst Kunkel. Drei Tore, ein Assist - Valente verließ das Feld mit einem breiten Grinsen. "Ich hab einfach Spaß gehabt", sagte der 24-Jährige nach dem Spiel. "Türkiyemspor hat uns viel Platz gelassen. Da wäre es unhöflich gewesen, den nicht zu nutzen."

Die Gastgeber dagegen wirkten zunehmend ratlos. Der junge Linksverteidiger Philip Thiele holte sich noch eine Gelbe Karte ab - vielleicht aus Frust, vielleicht um zu zeigen, dass man zumindest nicht kampflos untergeht. Nelio Valente, der erfahrene Mittelfeldchef, hatte schon nach einer Minute Gelb gesehen, offenbar als Warnung, dass es ein langer Abend werden würde.

Als der Schlusspfiff kam, war Erleichterung das vorherrschende Gefühl im Stadion. Ata Mramor schüttelte Hordel-Coach Finkeldy die Hand und sagte leise: "Das war Lehrgeld. Viel Lehrgeld." Finkeldy nickte, grinste und meinte: "Manchmal muss man eben durch so was durch - allerdings lieber in der Vorbereitung."

TuS Hordel zieht damit souverän in die nächste Runde ein, Türkiyemspor dagegen muss die Scherben einsammeln. Der Pokalabend von Bochum wird wohl noch lange Gesprächsthema bleiben - zumindest für alle, die nicht auf Seiten der Gastgeber standen.

Und irgendwo in der Kabine, zwischen nassen Trikots und leerem Blick, soll Torwart Walter Baier geflüstert haben: "Sechs Stück kassiert - aber wenigstens keine sieben." Ein Satz, der sinnbildlich für diesen Abend steht: schwarzer Humor als letzter Rettungsanker.

16.03.644003 13:03
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