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Es war einer dieser Abende in Turnhout, an denen das Flutlicht heller zu brennen schien als die Ideen auf dem Rasen - zumindest bis zur 62. Minute. KVV Turnhout bezwang Namur United am 7. Spieltag der 3. Liga Belgien mit 1:0 (0:0) und darf sich über drei Punkte freuen, die härter erarbeitet waren, als das Ergebnis glauben lässt. Vor 12.318 Zuschauern begann das Spiel mit einem Feuerwerk an Chancen - allerdings nur auf einer Seite. Turnhout drückte, kombinierte, schoss, und schoss noch einmal. François Moliekens prüfte den Namurer Keeper Luka Behrendt bereits in der vierten Minute und legte kurz darauf nach. "Ich dachte irgendwann, der Ball will heute einfach nicht rein", grinste der Stürmer später, als er sich den Schweiß aus der Stirn wischte. Namur United dagegen begann so, wie man es von einem Team erwartet, das auswärts auf Schadensbegrenzung setzt: defensiv solide, nach vorn aber mit der Kreativität einer Steuererklärung. Ricardo Obregon versuchte es immerhin in der neunten Minute mit einem kraftvollen Abschluss, doch Turnhouts Keeper Hugo Tortosa pflückte den Ball seelenruhig aus der Luft - als würde er Äpfel im eigenen Garten ernten. Turnhout hatte zur Pause bereits zehn Torschüsse auf dem Konto, Namur gerade einmal zwei. Der Ballbesitz sprach Bände: 60 zu 40 Prozent. Coach Delgardo von Namur wirkte da an der Seitenlinie zunehmend wie ein Mann, der sich fragt, warum er eigentlich noch Pressing trainieren lässt, wenn seine Spieler es offensichtlich für eine Freizeitbeschäftigung halten. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Delgardo später trocken. "Das haben wir geschafft - vielleicht ein bisschen zu kompakt." Nach der Pause ging es weiter im Einbahnstraßen-Fußball. Corentin Dewitte scheiterte in der 46. Minute denkbar knapp, der Ball strich am Pfosten vorbei, und die Turnhouter Anhänger stöhnten kollektiv auf. Als dann in der 48. Minute Namurs junger Linksverteidiger Hugo Dierickx nach einem unglücklichen Zweikampf verletzt vom Feld musste, war endgültig zu spüren, dass es ein langer Abend für die Gäste werden würde. Ward Wauman kam für ihn - und hatte prompt alle Hände voll zu tun. Dann kam die 62. Minute: Mathias Demeulenaer flankte präzise von rechts, Stijn Middag nahm den Ball volley - und endlich zappelte das Netz. 1:0! Das Stadion bebte, als wäre Turnhout gerade Meister geworden. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Middag später bescheiden, "und gehofft, dass er diesmal nicht wieder den Torwart trifft." Der Treffer war verdienter Lohn für 17 Torschüsse, 60 Prozent Ballbesitz und den unermüdlichen Willen, das Tor tatsächlich noch zu treffen. Namur versuchte in der Schlussphase, irgendwie zurückzukommen, brachte frische Kräfte - Wout Debakker kam in der 75. Minute, später sogar der 18-jährige Keeper Nicolaas Van Vleck in der 85. Doch auch die jugendliche Energie konnte nichts mehr ändern. Aristarkh Beresuzki hatte zwar zwischenzeitlich zwei gute Schüsse (73. und 76.), doch Tortosa blieb unbeeindruckt. In der Nachspielzeit testete Moliekens noch einmal den eingewechselten Van Vleck mit einem Schuss aus spitzem Winkel - mehr als ein letzter Aufreger war das aber nicht. Turnhout spielte das Ergebnis souverän nach Hause, auch wenn manch einer auf den Rängen wohl lieber ein 3:0 gesehen hätte. "Ein Tor reicht, wenn du hinten dicht machst", kommentierte Trainerassistent Van der Meer mit einem Augenzwinkern. "Aber wir nehmen auch zwei, falls jemand noch eins findet." Statistisch gesehen war das Spiel ein klarer Fall: 17:6 Schüsse, 60 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von über 55 Prozent. Namur United dagegen wirkte über weite Strecken so, als hätte die Mannschaft den Bus lieber in der eigenen Hälfte geparkt - und den Schlüssel gleich mit. Am Ende stand ein verdienter, wenn auch zäher Sieg für Turnhout, der sie in der Tabelle nach oben klettern lässt. Die Fans sangen noch lange nach Abpfiff, während Stijn Middag winkend in die Kabine verschwand - ziemlich sicher mit dem Gefühl, heute der Mann des Abends gewesen zu sein. Jose Delgardo dagegen verschwand wortlos im Spielertunnel. Man hatte das Gefühl, er würde am liebsten sofort wieder auf die Taktiktafel malen, wie man mit 39 Prozent Ballbesitz vielleicht doch noch gewinnt. Fazit des Abends: Turnhout spielte, Namur verwaltete - und am Ende entschied ein Schuss, der endlich ins Ziel fand. Oder, wie es ein Zuschauer hinter mir formulierte: "Wenn du siebzehnmal schießt, darf einer auch reinfallen." Recht hat er. 31.05.643997 00:11 |
Sprücheklopfer
Der Trainer hat gesagt, wir sollen uns am Gegner festbeißen. Das habe ich versucht zu beherzigen.
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