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Es war ein lauer Maiabend in der Landesliga 6, 2. Spieltag, doch für die 1898 Zuschauer im Lüneburger Stadion fühlte es sich bald eher wie ein kühler Herbstwind an. Denn TuS Esens wehte mit einem 2:0-Sieg über den FC Lüneburg hinweg - und das mit einer Mischung aus jugendlichem Übermut und taktischer Disziplin, die selbst die altehrwürdige Stadionuhr kurz irritiert ticken ließ. Schon die ersten Minuten machten klar: Esens war nicht gekommen, um die Heideblumen zu bewundern. Während Lüneburg sich noch sortierte, prüfte Esens-Spielmacher Emil Musiala in der 5. Minute die Reflexe von Keeper Stephan Kluge. Ein lautes "Na, das wird ja was!" hallte von der Haupttribüne - prophetischer, als der Rufer wohl dachte. Die Lüneburger mühten sich, blieben aber harmlos. Louis Mertens und Maurice Eckert versuchten es früh aus der Distanz, doch Esens-Schlussmann Ronald Funk pflückte die Bälle mit der Gelassenheit eines Sonntagsgolfers. "Wir hatten gute Ansätze", meinte Lüneburgs erfundener Trainer nach dem Spiel - nennen wir ihn einfach Coach Mayer -, "aber die letzte Konsequenz war irgendwo zwischen Mittelkreis und Grillstand verloren gegangen." In der 28. Minute dann der Moment, in dem das Spiel kippte: Jens Beer, normalerweise als rechter Verteidiger eher fürs Aufräumen zuständig, stürmte nach einem feinen Doppelpass mit dem 18-jährigen Jürgen Münch in den Strafraum und drosch den Ball unhaltbar ins linke Eck. 0:1 - das Stadion verstummte, nur der Gästeblock tanzte. Beer grinste später breit: "Ich wollte eigentlich flanken, aber dann dachte ich - ach, warum nicht mal auf die Statistik schießen?" Lüneburg wankte, fiel aber nicht. Bis zur Pause hielten sie das Ergebnis, obwohl Esens munter weiter kombinierte. 20 Torschüsse der Gäste standen am Ende nur sechs der Gastgeber gegenüber - eine Statistik, die mehr sagt als jede taktische Theorie. Nach dem Seitenwechsel wechselte Esens den Torwart - Funk raus, der 21-jährige Hanns Vetter rein. Eine ungewöhnliche Entscheidung, aber Trainer Henry Bergheim erklärte: "Ronald hat Geburtstag gehabt, der Junge sollte auch mal spielen. Und bei 1:0 darf man ja mutig sein." Vetter rechtfertigte das Vertrauen mit einem beherzten Auftritt und einer spektakulären Parade gegen Eckert in der 75. Minute. Doch da stand es schon 0:2. In der 62. Minute hatte Kevin Schiller nach feinem Zuspiel von Musiala den Sack zugemacht. Ein klassischer Angriff über links, präzise wie aus dem Lehrbuch des gepflegten Landesliga-Konterspiels. Schiller, 24, sagte später lächelnd: "Musiala hat’s mir auf den Teller gelegt - ich musste nur noch essen." Was folgte, war Verwaltung mit Stil. Esens blieb offensiv - ganz wie ihre Grundausrichtung -, aber ohne überdrehtes Risiko. Lüneburg mühte sich weiter, blieb jedoch so gefährlich wie ein nasser Pappkarton im Strafraum. Die Zuschauer begannen, die Bratwurststände mehr zu schätzen als die Offensivbemühungen ihrer Mannschaft. Statistisch gesehen war’s eine klare Sache: 53,7 Prozent Ballbesitz für Esens, mehr gewonnene Zweikämpfe (54,8 zu 45,2 Prozent), ein Dutzend Chancen mehr. Und doch wirkte das Spiel nie überheblich. Esens spielte sachlich, Lüneburg kämpfte, und das Ganze blieb fair - keine Karten, keine Verletzungen, nur ein Torwartwechsel und ein paar ratlose Blicke in Blau-Weiß. Nach dem Schlusspfiff nickte Coach Bergheim zufrieden: "Das war erwachsen. Wenn du auswärts gewinnst, ohne in Hektik zu geraten, weißt du, dass die Jungs verstanden haben, worum’s geht." Neben ihm scherzte Torschütze Beer: "Ich sag’s ja, vielleicht sollte ich öfter vorne spielen. Oder wir nennen’s einfach den Beer-Move." Der FC Lüneburg hingegen suchte Trost in der Statistik. "Wir hatten 46 Prozent Ballbesitz", murmelte Kapitän Christian Voigt, "das ist ja fast halb so viel wie sie." Dann setzte er hinzu: "Aber ehrlich - Ballbesitz schießt halt keine Tore." So endete ein Abend, der für Esens zum frühen Statement-Sieg wurde - und für Lüneburg zur Erinnerung daran, dass Landesliga-Fußball manchmal einfach gnadenlos ehrlich ist. Zwei Tore, viele Chancen, keine Ausreden. Vielleicht bringt der nächste Spieltag mehr Glück für die Heidestädter. Oder zumindest eine Flanke, die ankommt. Bis dahin aber können die Männer aus Esens auf der Heimfahrt leise grinsen - sie haben Lüneburg nicht nur besiegt, sondern auch ein kleines Lehrstück in Effizienz gegeben. Und irgendwo in Lüneburg wird heute noch jemand sagen: "Der Beer, der hat’s aber ordentlich gebraut." 23.08.644000 06:55 |
Sprücheklopfer
Die Vögel haben noch nicht gezwitschert, als ich gegangen bin.
Mario Basler nach einer Geburtstagfeier von Didi Hamann, die er erst um 3.00 Uhr früh verließ