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Es war ein lauer Frühlingsabend in Hordel, 35.400 Zuschauer schwenkten Fahnen, sangen Lieder und ahnten wohl schon, dass es kein ruhiger Pokalabend werden würde. TuS Hordel empfing den FC Stollberg in der ersten Runde des Pokals - und ließ den Gästen kaum Zeit, ihre Schuhe richtig zuzuschnüren. Am Ende stand ein verdienter 4:2-Sieg für die Gastgeber, die mit Offensivlust und einer Prise Chaos die Stollberger vom Platz fegten. Von Beginn an zeigte die Mannschaft von Trainerin Ute Finkeldy, was "offensiv" in ihrem Wörterbuch bedeutet. Kaum war die sechste Minute abgelaufen, prüfte Olav Anders aus der zweiten Reihe den Stollberger Keeper - nur eine von insgesamt 15 Hordeler Abschlüssen. Drei Minuten später schlug es dann tatsächlich ein: Fjodor Koroljuk, 32 Jahre jung und mit mehr Pokalerfahrung als manche Schiedsrichterhaare auf dem Kopf haben, vollendete eine feine Kombination über Anders zur frühen Führung. "Das war so ein Ball, den du triffst oder eben nicht - heute hab ich ihn getroffen", grinste Koroljuk nach dem Spiel, während seine Mitspieler mit dem Handy schon Selfies in der Kabine machten. Doch Stollberg, angeführt vom ruhigen, fast schon meditativen Trainer Wei To, ließ sich nicht überrollen. In der 15. Minute konterten die Gäste blitzschnell: Linksverteidiger Mathias Moritz flankte butterweich, und Ruslan Gerassimow nickte zum Ausgleich ein. Der Jubel aus dem Gästeblock war kurz, aber laut - schließlich war es die einzige Phase, in der die Sachsen das Spiel kurzzeitig offen hielten. Danach übernahm wieder Hordel das Kommando. Tiago Valente, der rechte Flitzer mit der Frisur eines Rockstars und der Kondition eines Marathonläufers, drehte das Spiel mit zwei Treffern (22. und 35. Minute) im Alleingang. Erst legte ihm Marwin Rodriguez perfekt in den Lauf, dann bediente ihn Ernst Kunkel mit einem Pass quer durch die Abwehr, der so sauber war, dass er glatt poliert wirkte. "Wir haben den Gegner laufen lassen - und zwar meistens in die falsche Richtung", witzelte Trainerin Finkeldy später auf der Pressekonferenz. Zur Pause stand es 3:1, und man hatte das Gefühl, dass Hordel noch Lust auf mehr hatte. In der Kabine soll, so munkelte Ersatzkeeper Thies im Spaß, "überlegt worden sein, ob man noch ein bisschen was für die Galerie tut". Nach dem Seitenwechsel kam Stollberg mit frischen Kräften - Stephan Kunkel ersetzte Torsten Hartmann - und versuchte, das Spiel zu beruhigen. Vergeblich. Tim Pfeiffer hatte andere Pläne: In der 63. Minute stand er nach einem perfekten Querpass von Rodriguez goldrichtig und schob zum 4:1 ein. Pfeiffer, sonst eher der wortkarge Typ, meinte danach trocken: "Ich hab einfach nicht nachgedacht - dann klappt’s meistens." Von da an war die Partie entschieden, auch wenn Stollberg sich nicht hängen ließ. Gerassimow und Borbas hatten noch Chancen, aber Hordel-Keeper Jacob Montgomery zeigte, warum er in der Mannschaftskantine nur "die Katze" genannt wird. Erst in der 84. Minute gelang den Gästen durch Kalman Borbas noch ein Treffer zum 4:2-Endstand - ein Achtungserfolg, mehr nicht. Statistisch war das Spiel so klar wie das Ergebnis: 54 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse für Hordel, nur 7 für Stollberg. In den Zweikämpfen lag das Heimteam leicht vorn (53 Prozent), und wer die Körpersprache sah, wusste: Diese Mannschaft wollte weiterkommen. Nach dem Schlusspfiff rannte Finkeldy über den Platz, high-fivte ihre Spieler und rief lachend Richtung Tribüne: "Das war erst Runde eins!" Wei To hingegen stand noch minutenlang an der Seitenlinie und blickte gedankenverloren auf den Rasen. "Wir haben zu brav gespielt", sagte er später. "Vielleicht hätten wir uns ein bisschen mehr Hordel-Mut abgucken sollen." Als die Flutlichter langsam ausgingen und die Fans sich auf den Heimweg machten, blieb das Gefühl, dass TuS Hordel an diesem Abend mehr als nur ein Spiel gewonnen hatte. Es war ein Statement - laut, wild und mit einem Augenzwinkern. Oder, wie Kapitän Koroljuk es zusammenfasste: "Wenn wir so weiterspielen, müssen wir uns schon mal Gedanken machen, wo wir den Pokal hinstellen." Man darf also gespannt sein, wie lange das Hordeler Feuer lodert. Aber eines ist sicher: Wer an diesem Abend dabei war, hat Fußball gesehen, wie er sein soll - mit Herz, Humor und einem Hauch Wahnsinn. 29.05.643997 03:47 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum