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TuS Hordel fegt über Essingen hinweg - 4:1-Auswärtssieg zum Saisonstart

Mit einem satten 4:1-Auswärtssieg beim TSV Essingen hat der TuS Hordel eindrucksvoll klargestellt, dass in dieser Zweitliga-Saison mit ihnen zu rechnen ist. 12.500 Zuschauer im Essinger Stadion sahen am Freitagabend einen Auftakt, der für die Gastgeber eher als Mahnung denn als Motivation taugt. Trainer Philipp Wiedmann stand nach Abpfiff mit verschränkten Armen am Spielfeldrand und murmelte trocken: "Wenn wir schon offensiv aufstellen, sollten wir vielleicht auch mal offensiv spielen."

Die Gäste legten los, als hätten sie eine Wette laufen: keine sechs Minuten waren gespielt, da zappelte der Ball schon im Netz. Fjodor Koroljuk, der Routinier im Hordeler Sturm, verwandelte nach präziser Flanke von Rechtsverteidiger Robert Held - ein Lehrbuchtor aus der Kategorie "Zack, so geht’s". "Ich hab’ gar nicht groß nachgedacht", grinste Koroljuk später, "ich dachte, der Ball will einfach rein - also hab ich ihn gelassen."

Essingen wirkte geschockt, fand aber nach einer Viertelstunde etwas besser ins Spiel. Doch wer dachte, das Schlimmste sei überstanden, wurde in der 37. Minute eines Besseren belehrt. Ernst Kunkel, der flitzende Linksaußen der Gäste, schloss einen blitzschnellen Konter über Tiago Valente eiskalt ab - 0:2. "Wir haben uns gesagt: Wenn wir schon offensiv spielen, dann richtig", erklärte Hordel-Trainerin Ute Finkeldy später mit einem Augenzwinkern.

Immerhin gelang den Hausherren kurz vor der Pause das kleine Erfolgserlebnis. Nach einer Hereingabe von Alberto Pacos traf Bartosz Bosacki in der 41. Minute zum 1:2. Der Jubel glich einer Erlösung - und dauerte exakt vier Minuten, bis Schiedsrichter Schneider zur Pause pfiff. Wiedmann stapfte kopfschüttelnd in die Kabine. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen sich an die Basics halten", verriet er. "Aber irgendwie haben sie wohl gedacht, ich meine Basic Instinct."

Nach der Pause wechselte Wiedmann gleich doppelt: Lennard Weiss und Köksal Tanman kamen. Bei Hordel ersetzte Jacob Montgomery den wackligen Karl Westphal im Tor - eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erweisen sollte. Der neue Keeper zeigte mehrere starke Paraden und hielt den Vorsprung fest.

In der 57. Minute war es dann erneut so weit: Fynn Huber, Hordels Mittelstürmer mit der Gelassenheit eines Sonntagsausflüglers, schob nach Kunkels Querpass locker zum 1:3 ein. Kaum fünf Minuten später revanchierte sich Huber als Vorlagengeber - Tiago Valente vollendete zum 1:4. Das Spiel war entschieden, die Gesichter auf der Essinger Bank sprachen Bände.

Statistisch war es eine klare Sache: 17 Torschüsse der Gäste standen nur fünf der Hausherren gegenüber, Ballbesitz leicht pro Hordel (53:47), aber in den entscheidenden Momenten war Effizienz Trumpf. "Wir haben einfach jeden zweiten Angriff gefährlich zu Ende gespielt", sagte Finkeldy zufrieden. "Und wenn’s mal nicht klappt, hilft halt der nächste lange Ball."

Essingen dagegen kämpfte, aber ohne Fortune. Kai Darabont rannte, Alberto Pacos mühte sich - doch der Ballbesitz verpuffte meist wirkungslos. Die Gelbe Karte für Innenverteidiger Domingo Xavier in der 54. Minute passte ins Bild: zu spät, zu hektisch, zu viel Frust.

Nach dem Abpfiff war die Stimmung in der Hordeler Kurve ausgelassen. Die rund 300 mitgereisten Fans skandierten minutenlang, während Fynn Huber sich feiern ließ. "Vier Tore auswärts, das ist schon ein Statement", meinte er bescheiden - und fügte grinsend hinzu: "Auch wenn’s nur zwei von mir waren."

Der TSV Essingen hingegen wird sich schnell schütteln müssen. Wiedmann kündigte an, "ein paar Dinge zu ändern - möglicherweise alle". Seine Spieler schlichen derweil mit hängenden Köpfen vom Platz, während Hordel schon wieder Witze riss. "Das war heute Fußball aus einem Guss", schwärmte Finkeldy, "und der war schön dickflüssig."

Ein Saisonauftakt ganz nach Hordeler Geschmack - kraftvoll, effektiv und mit jener Portion Selbstironie, die man sich nur leisten kann, wenn man 4:1 gewinnt. Essingen dagegen hat nun eine Woche Zeit, um aus der Lehrstunde zu lernen. Und wer weiß: Vielleicht ist das nächste Spiel ja schon der erste Schritt zur Rehabilitation. Wenn sie sich erinnern, dass Offensive nicht nur eine Aufstellung, sondern auch eine Haltung ist.

21.11.644002 12:38
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