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TuS Hordel kontert Schweinfurt aus - Anders tanzt, Leech tröstet

23661 Zuschauer in Schweinfurt sahen am Dienstagabend ein Spiel, das man unter "Lehrstunde in Effizienz" verbuchen darf - zumindest aus Sicht der Gäste. TuS Hordel gewann verdient mit 3:1 (2:1) bei der FT Schweinfurt und zeigte, dass Konterfußball nicht altmodisch, sondern ziemlich tödlich sein kann.

Schon die ersten Minuten deuteten an, dass das kein Abend für Zartbesaitete werden würde. Hordel schaltete sofort auf Angriff, schickte Fjodor Koroljuk gleich in der dritten Minute zweimal in den Strafraum - zweimal scheiterte er an Keeper Veselin Krstajic, der mit seinen 18 Jahren mehr Nervenstärke zeigte als manchem älteren Kollegen lieb war. "Da dachte ich, das wird heute ein langer Abend", grinste Hordel-Trainerin Ute Finkeldy später. Sie sollte sich irren - es wurde ein angenehmer Abend.

In der 23. Minute fand Hordel dann den Schlüssel: Olav Anders legte quer, Vincent Albinana zog ab, und der Ball zappelte im Netz. Schweinfurt war kurz konsterniert, und bevor sie sich sortieren konnten, klingelte es wieder - diesmal hatte Anders selbst getroffen (25.), nachdem Ernst Kunkel, der Mann mit dem wohl unpassendsten Vornamen für einen Flügelstürmer, einen präzisen Pass servierte.

"Wir standen da wie beim Einmarsch zur falschen Hymne", fluchte FT-Trainer Kevin Ferry später halb lachend. Seine Jungs wirkten in dieser Phase tatsächlich wie Gäste im eigenen Stadion. Nur der junge Reece Leech, gerade 18 und mit mehr Mut als Bartwuchs ausgestattet, sorgte für einen Silberstreif: Kurz vor der Pause (45.) brachte er Schweinfurt mit einem beherzten Schuss nach Vorlage von Helmut Jürgens wieder ran. 1:2 - und das Publikum war plötzlich wieder da.

"In der Kabine hab ich gesagt: Jetzt zeigen wir’s denen!", erzählte Ferry. Hordel antwortete prompt - zwei Minuten nach Wiederanpfiff (47.) machte Anders seinen Doppelpack perfekt. Vorlage diesmal von Marwin Rodriguez, der auf der rechten Seite so viel Platz hatte, dass er fast ein Picknick hätte aufschlagen können.

Damit war die Messe gelesen. Schweinfurt rannte, kämpfte, grätschte - und traf immerhin gelegentlich das Tor, aber nicht ins Tor. Sechs Schüsse aufs Gehäuse standen am Ende zu Buche, Hordel dagegen kam auf 18. Die Zahlen sagen alles: 47 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber, aber kein Durchbruch gegen die grün-weiße Wand.

In der 58. Minute versuchte sich Björn Ernst aus der Distanz, in der 62. Arik Tartman, in der 64. Vitor Fortun - alle fanden ihren Meister in Hordels Torhüter Jacob Montgomery, der mit stoischer Ruhe selbst gefährliche Bälle fing, als würde er sonntags Enten füttern. "Ich hatte viel zu tun, aber ehrlich gesagt: Ich mag’s, wenn sie schießen", meinte der Keeper nach dem Spiel trocken.

Die letzten 20 Minuten gehörten dann dem Spielverwalter Hordel. Zwei Gelbe Karten - eine für Kurt Herbst (41.) und eine späte für Detlev Foerster (83.) - würzten den Abend, ohne ihn kippen zu lassen. Schweinfurt wechselte eifrig: Laurent Deschanel ersetzte Vitor Fortun, Benjamin Barnier kam für Tartman, später durfte Mircea Nastase ran. "Wir wollten frischen Wind", erklärte Ferry. "Bekommen haben wir eher eine steife Brise gegen uns."

TuS Hordel blieb seiner Linie treu: offensiv eingestellt, aber mit langen Bällen, die eher wie chirurgische Eingriffe wirkten - präzise, schmerzhaft, effektiv. Olav Anders, mit 20 Jahren der Mann des Abends, sagte anschließend: "Ich hab einfach Spaß, wenn der Ball rollt. Dass er dreimal ins Tor rollt, ist natürlich Bonus."

FT Schweinfurt hingegen muss sich ankreiden lassen, dass Leidenschaft zwar da war, aber Zielstrebigkeit fehlte. "Wir haben 45 Prozent Ballbesitz gehabt - und was davon? 45 Prozent Ärger", stöhnte Ferry nach Abpfiff.

So bleibt als Fazit: TuS Hordel hat gezeigt, wie man aus wenig Raum viel macht. Schweinfurt hat gezeigt, dass jung sein auch heißt, Lehrgeld zu zahlen. Und das Publikum ging nach 90 Minuten mit der Erkenntnis nach Hause, dass Fußball manchmal ein einfaches Spiel ist: Wer trifft, gewinnt.

Vielleicht sagte es der ältere Herr auf der Tribüne am treffendsten, als er nach Anders’ zweitem Treffer brummte: "Der heißt Olav, aber heute war er eher der Olaf mit dem Hammer." Treffender kann man’s kaum formulieren.

Und so rollte der Ball an diesem 9. Spieltag der 2. Liga Deutschland einmal mehr auf die bittere Seite für Schweinfurt. Hordel nimmt drei Punkte mit, Schweinfurt die Erfahrung. Und falls Coach Ferry seine Jungs am nächsten Tag zum Lauftraining schickt - man wird’s verstehen.

12.02.643994 03:12
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