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TuS Hordel ringt den VFR Meerholz nieder - 3:2 im Ruhrpott-Krimi

Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball schreibt, was kein Drehbuchautor so leicht erfinden würde: 23.673 Zuschauer im Hordeler Stadion sahen ein wildes, manchmal chaotisches, aber immer spannendes 3:2 für den TuS Hordel gegen den VFR Meerholz. Trainerin Ute Finkeldy riss nach dem Schlusspfiff beide Arme in die Luft, als hätte sie gerade den Aufstieg klargemacht - dabei war es "nur" der sechste Spieltag der 2. Liga Deutschland.

Schon nach zehn Minuten bebte die Tribüne. Der 18-jährige Tomasz Miller, der aussieht, als habe er gestern noch die Abi-Klausuren geschrieben, traf nach Vorlage von Sascha Günther zum frühen 1:0. Ein Tor, das so schön war, dass selbst der Linienrichter kurz das Winken vergaß. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und draufgehalten", grinste Miller später. "Und dann war der Ball drin - zum Glück hatte ich die richtigen Schuhe an."

Doch wer dachte, die junge Hordeler Offensive würde das Ding locker runterspielen, irrte gewaltig. Acht Minuten später schlug Meerholz zurück. Kurt Burkhardt, gerade mal 17 Jahre alt, nutzte einen Abwehrfehler nach einer Ecke und drückte den Ball über die Linie. Vorlage kam von Innenverteidiger Matias Enriquez, der offenbar beschlossen hatte, dass Verteidigen völlig überbewertet ist. 1:1 - und plötzlich hatte das Spiel mehr Wendungen als eine Vorabendserie.

Meerholz, unter der pragmatischen Leitung von Coach Bodo Graf, hatte mehr Ballbesitz - 53 Prozent, sagt die Statistik - aber weniger Ideen. Hordel dagegen schoss aus allen Lagen, 16 Mal aufs Tor, teilweise so ambitioniert, dass man dachte, sie wollten den Ball in die Nachbarsiedlung schicken. "Wir haben gesagt: Wenn wir treffen wollen, müssen wir auch mal schießen", erklärte Finkeldy trocken. Ihre Taktik: Offensive Grundhaltung, lange Bälle, und hoffen, dass einer der Jungen vorne irgendetwas damit anfängt.

Und tatsächlich: Kurz nach Wiederanpfiff, in der 50. Minute, war es der erfahrene Gunborg Brun, der nach Vorlage von Fynn Huber das 2:1 erzielte. Ein Schuss, der so präzise war, dass der Meerholzer Keeper Bünyamin Karaman nur staunend hinterherblickte. Brun, 34 Jahre alt, sagte später mit einem Augenzwinkern: "Wenn die Jungen nicht wollen, muss der Alte halt ran."

Doch Meerholz antwortete prompt. Fabian Meier, der Linksaußen mit dem sanften Namen und der harten Schusskraft, glich in der 56. Minute aus. Corey Carey hatte den Angriff über links eingeleitet, Meier vollendete aus spitzem Winkel - 2:2, und das Spiel war wieder völlig offen.

Dann kam die Phase, in der Hordel alles wollte - und fast alles daneben ging. Huber drosch in der 74. Minute über das Tor, Tomasz Miller scheiterte zweimal am glänzenden Karaman, und Trainerin Finkeldy raufte sich die Haare. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft wir hätten führen können", seufzte sie später.

Und dann, als schon alle dachten, das würde ein gerechtes Unentschieden, kam die 88. Minute. Der 17-jährige Joker Lukas Römer, gerade erst nach der Pause eingewechselt, nahm einen Pass von Karsten Runge an, drehte sich elegant - und versenkte den Ball eiskalt zum 3:2. Stadionexplosion inklusive. Sein Jubel: ein Sprung in die Arme von Finkeldy, die lachend rief: "Siehst du, Lukas, hab ich’s doch gesagt - erster Ballkontakt, Tor!"

Die letzten Minuten verteidigte Hordel mit allem, was sie hatten - inklusive Zeitspiel, das selbst die Großmutter auf der Tribüne durchschaute. Meerholz versuchte’s noch einmal über die rechte Seite, doch der eingewechselte Keeper Kay Fuhrmann - für Karl Westphal gekommen - hielt den Sieg fest.

"Wir waren heute einfach giftiger", bilanzierte Finkeldy mit einem Lächeln, das zwischen Stolz und Erleichterung schwankte. Ihr Gegenüber Bodo Graf dagegen knurrte: "Wenn man zwei Tore auswärts schießt und trotzdem verliert, dann weiß man, was man zu tun hat - weniger Kaffee trinken und mehr Tore verhindern."

Am Ende bleibt ein Spiel, das alles bot: junge Helden, alte Füchse, Nervenflattern und Jubelstürme. TuS Hordel holt mit Leidenschaft den zweiten Heimsieg der Saison, während Meerholz trotz mehr Ballbesitz und feiner Technik mit leeren Händen dasteht.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn die Hordeler so weitermachen, brauchen wir bald ein größeres Stadion - oder wenigstens stärkere Nerven."

26.12.644002 05:36
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