// Startseite
| Sportexpress |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war ein Abend, an dem selbst die Flutlichtmasten in Bochum-Hordel ins Schwitzen kamen. 24.870 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion sahen ein Spiel, das alles bot, was man sich in der 2. Liga wünschen kann - Tore, Tempo, Emotionen und eine Prise Wahnsinn. Am Ende jubelte TuS Hordel nach einem 5:3 (3:2)-Sieg über den TSV Essingen über drei hochverdiente Punkte und vielleicht das unterhaltsamste Spiel des 25. Spieltags. Schon die Anfangsminuten ließen erahnen, dass es kein taktisches Schachduell werden würde. Hordels Fjodor Koroljuk prüfte Essingens Keeper Marcio Botin bereits nach drei Minuten - noch ohne Erfolg. Aber in der 13. Minute rappelte es dann im Karton: Koroljuk vollendete nach einem butterweichen Zuspiel von Rechtsverteidiger Detlev Foerster zum 1:0. "Ich hab’ einfach draufgehalten - und gehofft, dass der Ball diesmal nicht wieder in den Schrebergarten fliegt", grinste der bullige Mittelstürmer später in der Mixed Zone. Doch Hordel hatte Blut geleckt. Zehn Minuten später erhöhte Gunborg Brun auf 2:0, nachdem Mathias Stefan clever durchgesteckt hatte. Das Stadion tobte, Trainerin Ute Finkeldy klatschte an der Seitenlinie Beifall - und brüllte dann: "Jetzt nicht nachlassen, Jungs!" Natürlich ließen sie nach. Denn Essingen kam zurück - und wie! Zwischen der 40. und 42. Minute drehte der 21-jährige Nico Geiger auf und schoss nach feiner Vorarbeit von Nelson Coelho und Lew Bestschastnych zweimal eiskalt ein. Zwei Tore in zwei Minuten, der Gästeblock tanzte, und Hordels Abwehr sah für einen Moment aus wie eine schlecht organisierte Polonaise. Doch bevor der Halbzeitpfiff die Nerven beruhigen konnte, meldete sich wieder Detlev Foerster, der junge Rechtsverteidiger, der spielt, als hätte er Energydrinks im Blut. In der 45. Minute drosch er den Ball nach einer Vorlage von Curt Schöne in die Maschen - 3:2. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Foerster später zu, "aber dann war der Ball halt drin. Passiert." Die zweite Hälfte begann so, wie die erste aufgehört hatte: mit einem Tor. Gerade mal eine Minute war gespielt, da traf Marvin Fink zum 4:2. Vorlage? Natürlich wieder Foerster - der Junge hatte offenbar beschlossen, die rechte Seite allein zu bespielen. Fink, der an diesem Abend ohnehin überall zu finden war, legte in der 78. Minute noch das 5:2 nach, diesmal mit Vorarbeit von Schöne. "Ich hab’ ihm gesagt, wenn er mir den Ball nicht gibt, lauf ich ihm in die Hacken", witzelte Fink nach Abpfiff. Essingen zeigte Moral, verkürzte durch Vitorino Chalana in der 87. Minute auf 5:3, aber da war das Spiel längst entschieden. Chalana jubelte noch, während Hordels Ersatzbank schon begann, ihre Trinkflaschen einzusammeln. Statistisch gesehen war Essingen sogar leicht überlegen - 53 Prozent Ballbesitz, aber nur sechs Torschüsse. Hordel hingegen brachte 13 Abschlüsse zustande, spielte mit offenem Visier und langen Bällen, die jeder Taktiktafel spotteten. "Wir wissen, dass wir keine Tiki-Taka-Truppe sind", sagte Trainerin Finkeldy lachend. "Unsere Jungs hauen den Ball lieber nach vorn, und vorne macht dann einer was draus. Heute war’s halt Fjodor, Gunborg, Detlev und Marvin - also fast alle." Essingens Coach Philipp Wiedmann wirkte dagegen ratlos: "Wir hatten eigentlich die Kontrolle. Nur leider immer bis kurz vor dem eigenen Strafraum." Ein Reporter fragte, ob er mit der Defensivleistung unzufrieden sei. Wiedmann seufzte: "Sagen wir so - ich hab’ schon entspanntere Abende erlebt." Eine Szene aus der 88. Minute passte zum Abend: Hordels Innenverteidiger Luke Kinsella sah Gelb, nachdem er einen Essinger Angreifer mit einer Grätsche stoppte, die selbst den Rasen erschütterte. "Ich hab’ den Ball gespielt!", protestierte Kinsella - und grinste dabei so breit, dass selbst der Schiedsrichter schmunzeln musste. Am Ende feierte Hordel den vierten Heimsieg in Folge, während die Fans "Ute, Ute" skandierten. Auf der Pressekonferenz erklärte Finkeldy trocken: "Wenn meine Jungs so weitermachen, müssen wir uns bald Gedanken über die Bundesliga machen - oder zumindest über neue Tornetze." Fazit: Ein wildes, ehrliches Fußballspiel mit acht Treffern, einem überragenden Marvin Fink und einem Detlev Foerster, der sich an diesem Abend gleich mehrfach unsterblich machte. TSV Essingen fuhr mit leeren Händen, aber immerhin drei schönen Toren nach Hause. Und Hordel? Die träumen weiter - laut, leidenschaftlich, und ganz ohne Ballbesitzfetisch. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn das so weitergeht, brauch ich bald Herztabletten - aber schöne!" 05.07.643993 04:40 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
Mehmet Scholl zur schlechten Stimmung bei den Bayern