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TuS Hordel siegt abgeklärt: Steuden rennt, Hordel trifft

Vor 22.781 Zuschauern im prall gefüllten Steudener Stadion erlebte das Publikum am Donnerstagabend einen dieser typischen Fußballabende: viel Herzblut, viel Kampf - und am Ende jubelten wieder einmal die, die ihre Chancen nutzten. TuS Hordel gewann beim SV Steuden mit 2:0 (0:0) und machte dabei genau das, was eine auswärts abgezockte Mannschaft eben macht: Geduldig bleiben, wenn’s zäh wird, und im richtigen Moment zustechen.

Die erste Halbzeit? Ein Abtasten mit gelegentlichem Schreckmoment. Schon in der ersten Minute prüfte Hordels Oldie Berndt Brand den jungen Steudener Keeper Julius Seiler - der 20-Jährige bestand die Feuerprobe mit Bravour. Steuden antwortete prompt, Benyamin Schultz zog aus der Distanz ab (2.), aber Hordels Torwart Jacob Montgomery pflückte den Ball so mühelos, als hätte er ein Brötchen gefangen. "Da dachte ich noch: Heute läuft’s!", grinste Montgomery später.

Doch wirklich "laufen" tat es dann eher für die Gäste. Hordel dominierte mit 59 Prozent Ballbesitz, Steuden rannte viel hinterher. Trainer Karli Konter gestikulierte wild an der Seitenlinie, rief "Kürzer spielen!", doch seine Elf verzettelte sich immer wieder in langen, halbherzigen Angriffen. Drei Torschüsse in 90 Minuten - das war für die Heimmannschaft einfach zu wenig.

Nach der Pause wechselte Konter dreimal: mit Justin Kiefer, Kai Krause und Manfred Witte kamen drei 17-Jährige, quasi die Zukunft des Vereins. "Wenn’s die Alten nicht richten, sollen’s die Jungen wenigstens lernen", kommentierte Konter trocken. Es half nichts. Schon fünf Minuten nach Wiederanpfiff schlug Hordel zu: Der flinke Olav Anders schickte Marvin Fink auf die Reise, der aus spitzem Winkel zum 1:0 traf (50.). Ein Treffer aus dem Lehrbuch - und für Steuden ein Stich ins Herz.

Steuden versuchte zu antworten, Michael Link scheiterte in der 54. Minute am glänzend reagierenden Montgomery. "Wenn der reingeht, kippt das Spiel vielleicht", murmelte Link später in der Mixed Zone. Doch das tat es nicht. Stattdessen kippte Philip Böttcher, Steudens linker Verteidiger, ein wenig über die Stränge: Erst Gelb (68.), dann Gelb-Rot (69.). "Ich hab’ doch nur laut gerufen", verteidigte sich Böttcher, während er in die Kabine trottete. Schiedsrichter Winkler sah das offenbar anders.

Nur eine Minute später machte Hordel den Sack zu. Nach einer Ecke von Luke Kinsella stocherte Olav Anders den Ball aus kurzer Distanz über die Linie (70.). 2:0 - und das bei Unterzahl des Gegners. Die Hordeler Fans im Gästeblock sangen sich heiser, während Konter auf der Bank die Stirn massierte. "Das war so ein Moment, wo du weißt: Heute kannst du noch drei Stunden spielen und wirst kein Tor schießen", sagte er später mit einem müden Lächeln.

Hordel blieb bis zum Schluss gefährlich. Fjodor Koroljuk scheiterte in der 81. Minute an Seiler, Ernst Kunkel wurde in der Nachspielzeit noch verwarnt, weil er zu euphorisch "Zeitspiel!" forderte - allerdings gegen den eigenen Mitspieler. Ute Finkeldy, die Trainerin der Gäste, nahm’s mit Humor: "Ernst ist 22 und denkt, er ist schon Taktiker. Aber solange wir gewinnen, darf er das."

Die Statistiken untermauern das Bild: 13 Torschüsse zu 3, 57 Prozent Ballbesitz für Hordel, deutlich bessere Zweikampfquote (57 Prozent). Steuden kämpfte, Hordel spielte. Am Ende lagen Welten zwischen Wille und Wirklichkeit.

Besonders auffällig: der 20-jährige Olav Anders, Torschütze und Vorlagengeber. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte er grinsend, "und wenn man trifft, macht’s doppelt Spaß." Trainerin Finkeldy lobte ihn als "unsere kleine Rakete im Mittelfeld".

Für Steuden dagegen wird die Luft dünn im Tabellenkeller. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Hoffnung. "Wir sind nicht abgestiegen, solange Karli noch an der Seitenlinie steht", rief ein Optimist aus Block D. Karli Konter hörte es und drehte sich um: "Ich steh hier, aber manchmal frag ich mich, warum."

So bleibt als Fazit: TuS Hordel gewinnt verdient, weil sie das Spiel verstanden haben. SV Steuden verliert, weil sie es nur gespielt haben. Und irgendwo zwischen den enttäuschten Gesichtern und den jubelnden Gästen lag dieser ganz besondere Duft des Zweitliga-Alltags: Schweiß, Verzweiflung - und ein Hauch von Realitätssinn.

Nächste Woche geht’s für Steuden weiter, auswärts in Aue. Vielleicht mit weniger Ballverlusten, vielleicht mit mehr Glück. Oder, wie Konter es sagte: "Wenn wir das nächste Mal treffen, bestell ich eine Runde für alle. Aber erst dann."

21.01.643997 08:13
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