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TuS Hordel stürmt mit 3:0-Sieg über Warnemünde ins neue Jahr

Ein frostiger Januarabend, Flutlicht, 24.247 Zuschauer - und ein TuS Hordel, der so viel Feuer entfachte, dass selbst der Glühwein an der Seitenlinie ins Schwitzen kam. Mit einem souveränen 3:0 (2:0) gegen den SV Warnemünde meldeten sich die Hordeler am 15. Spieltag der 2. Liga eindrucksvoll zurück und ließen keine Fragen offen, wer an diesem Abend den Ton angibt.

Schon in der ersten Minute deutete sich an, was kommen sollte: Mateja Anicic prüfte den gegnerischen Keeper Kai Wild mit einem Schuss, der eher nach "Weckruf" als nach Torgefahr aussah. "Ich wollte nur mal gucken, ob er wach ist", grinste der rechte Flügelstürmer später. Der Torwart war es - zunächst. Doch lange konnte Warnemünde den Hordeler Angriffswellen nicht standhalten.

Nach einer knappen Viertelstunde kassierte Hordels Linksverteidiger Kurt Herbst die erste Gelbe Karte des Abends - offenbar mehr aus Übermotivation denn aus Notwehr. Trainerin Ute Finkeldy kommentierte trocken: "Der Kurt wollte halt zeigen, dass er da ist. Jetzt weiß es auch der Schiedsrichter."

Nur wenige Minuten später brandete Jubel durchs Stadion: In der 19. Minute traf der quirlige Linksaußen Lennard Rothe nach feiner Vorarbeit von Vincent Albinana zum 1:0. Ein Treffer, der so sauber herausgespielt war, dass man fast vergessen konnte, dass draußen minus zwei Grad herrschten. "Vincent spielt den Ball da rein, als hätte er ein Navi im Fuß", schwärmte Rothe.

Warnemünde versuchte, sich zu schütteln, kam aber selten gefährlich vor das Tor. Zwar verzeichneten die Gäste acht Torschüsse, doch Hordels Keeper Jacob Montgomery musste kaum ernsthaft eingreifen. Stattdessen legten die Hausherren nach: In der 27. Minute war es Fjodor Koroljuk, der nach erneutem Zuspiel von Albinana eiskalt zum 2:0 einschob. Zwei Tore, zweimal der gleiche Passgeber - Albinana hätte an diesem Abend wohl auch in der Küche ein perfektes Rezept angerührt.

In der Pause wirkte Warnemünde-Trainer Horst Horstmann erstaunlich gefasst. "Wir wollten defensiv stabil stehen", erklärte er mit der Miene eines Mannes, der gerade ein Kartenhaus im Sturm verloren hat. Seine Elf blieb auch nach dem Seitenwechsel defensiv, allerdings mehr im Sinne von passiv.

Direkt nach Wiederanpfiff, in der 46. Minute, machte Koroljuk endgültig alles klar. Wieder kam die Vorlage von Albinana, wieder zappelte der Ball im Netz. 3:0 - und Hordel spielte nun frei auf, als hätten sie den Ballbesitz (52,7 Prozent) geradewegs gepachtet.

Die Gäste aus Warnemünde versuchten in der Schlussphase mit frischen Kräften das Unheil zu mildern. Torwart Kai Wild musste in der 85. Minute verletzt runter, der 19-jährige Finn Bertram durfte zu seinem Liga-Debüt ran. "Das war nicht der Einstand, den ich mir erträumt hatte", murmelte der junge Keeper später. Auch Günter Kunze und Luis Schmitz wurden kurz vor Schluss ersetzt - taktische Zeichen, die eher nach Schadensbegrenzung als nach Aufholjagd rochen.

Die Statistik sprach eine deutliche Sprache: 16 Torschüsse Hordel, nur acht auf der Gegenseite. Dazu eine Zweikampfquote von 53 Prozent für die Hausherren - und eine Körpersprache, die alles über den Spielverlauf verriet. Warnemünde mühte sich, rannte an, doch Hordel blieb cool, konterte kurz, präzise und mit einer Effizienz, die an einen Schweizer Uhrmacher erinnerte.

Nach dem Schlusspfiff brandete Applaus auf, während Trainerin Finkeldy ihre Spieler mit einem Augenzwinkern abklatschte. "Wenn wir so weitermachen, muss ich bald nichts mehr sagen - die Jungs coachen sich selbst", sagte sie lachend. Fjodor Koroljuk, Doppeltorschütze und Publikumsliebling, fügte hinzu: "Heute hat einfach alles gepasst. Und Vincent hat wohl beschlossen, mich zum Torschützenkönig zu machen."

Warnemündes Coach Horstmann hingegen sprach von einem "gebrauchten Abend". Auf die Frage, ob die Defensive zu tief gestanden habe, entgegnete er: "Wir standen nicht zu tief, wir standen einfach da, wo Hordel uns hingestellt hat."

So endet ein Abend, der für TuS Hordel kaum besser hätte laufen können: Drei Tore, drei Punkte, drei Vorlagen von einem überragenden Albinana - und ein Publikum, das mit klammen Fingern, aber warmem Herzen nach Hause ging.

Und irgendwo in der Kabine soll man gehört haben, wie Koroljuk zu Albinana sagte: "Wenn du nächste Woche wieder so auflegst, bring ich dir Kuchen mit." - Man darf gespannt sein, ob es dann Sahnetorte oder wieder Sahnefußball gibt.

10.07.643987 06:37
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