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Bochum-Hordel, 24. April 2026 - Ein Flutlicht, 30.400 Zuschauer und ein Spiel, das Fußball in seiner pursten Form zeigte: Kampf, Zittern, und ein Tor, das schon nach vier Minuten fiel - und dann reichte. TuS Hordel bezwingt den Sievershäger SV mit 1:0 und beweist, dass man keine 60 Prozent Ballbesitz braucht, um drei Punkte zu holen. Es begann furios. Noch ehe die Gäste ihre Stutzen richtig hochgezogen hatten, drosch Hordels linker Mittelfeldmann Sascha Günther den Ball aus rund 18 Metern in den linken Winkel - vorbereitet von Günther Pfeiffer, dessen Steilpass so präzise war, dass man fast das Lineal auf dem Rasen hören konnte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Günther später zu und grinste in die Mikrofone, "aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich nix dagegen." Das Stadion tobte, Trainerin Ute Finkeldy ballte die Faust, und ihr Kollege Foll Fosten an der Seitenlinie sah schon früh aus, als habe ihm jemand die Pausenbrote geklaut. Denn sein Team, die Sievershäger, spielte fortan, als wolle es das Ergebnis persönlich beleidigen. 15 Torschüsse, 55 Prozent Ballbesitz, mehr Ecken, mehr Druck - aber null Ertrag. Vor allem Laurent Masse, der bullige Mittelstürmer der Gäste, hatte Chancen im Dutzend. In der 15. Minute lenkte Hordel-Keeper Kay Fuhrmann einen Schuss von ihm gerade so über die Latte, in der 43. Minute klatschte ein Kopfball an den Pfosten. "Ich hab gedacht, irgendwann muss der Ball doch rein", stöhnte Masse später. "Aber dann seh ich diesen Torwart, der einfach überall steht." Fuhrmann wiederum tat so, als sei das alles Routine. "Ich hatte einfach einen guten Tag - und einen schlechten Friseurtermin, deshalb konnte ich mich auf nichts anderes konzentrieren", witzelte er in der Mixed Zone. Sievershagen kombinierte gefällig, spielte kurz und präzise - aber Hordel konterte zäh und mit erstaunlicher Disziplin. Nach der frühen Führung zog sich das Team klug zurück, überließ den Gästen das Mittelfeld, verteidigte aber mit Herz und gelegentlich auch mit beiden Beinen gleichzeitig. Die Zweikampfquote sprach zwar mit 45 Prozent gegen Hordel, doch die entscheidenden Duelle gewannen sie. Zur Pause tauschte Finkeldy gleich dreimal: Der 17-jährige Tomasz Miller durfte raus, Fynn Huber kam und brachte neuen Schwung nach vorn. Auch Dennis Brandt und Karsten Runge kamen ins Spiel - und Hordel blieb stabil. "Ich hab gesagt: Jungs, wir machen das hier zu, wie einen alten Marmeladendeckel", erzählte Finkeldy später. In der zweiten Hälfte drückten die Gäste weiter. Markus Weiss, eigentlich linker Verteidiger, rückte immer wieder mit auf und prüfte Fuhrmann gleich dreimal (49., 55., 57. Minute). Auch Simon Gebhardt versuchte sich von rechts, aber der Ball wollte einfach nicht ins Netz. "Manchmal hat man Tage, da triffst du nicht mal den Bus, wenn du auf dem Parkplatz stehst", seufzte Gebhardt. Hordel dagegen lauerte auf Konter. In der 70. Minute hätte Huber fast alles klar gemacht, als er nach einem weiten Pass von Brun frei durch war - doch Gäste-Keeper Alexandre Tremblay rettete mit den Fingerspitzen. "Ich hab den schon im Netz gesehen", meinte Finkeldy, "aber Tremblay hat ihn da rausgefischt wie ein Angler am Feiertag." Ab der 80. Minute war klar: Das wird ein Sieg des Willens. Sievershagen rannte, Hordel rackerte, und das Publikum stand hinter jedem Befreiungsschlag. Als in der 87. Minute Gabriel Cunningham noch einmal abzog, hielt das Stadion den Atem an - doch Tremblay parierte erneut. Dann war Schluss. 1:0. Ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber nach Abpfiff wie ein kleines Fußballmärchen wirkte. "Manchmal muss man eben leiden, um zu siegen", sagte Coach Finkeldy, ehe sie mit einem Augenzwinkern hinzufügte: "Und manchmal reicht ein Tor nach vier Minuten - wenn man’s richtig verteidigt." Foll Fosten dagegen schüttelte nur den Kopf: "Wir hätten hier noch drei Stunden spielen können, der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen." Ein Abend, an dem Effizienz den Schönheitspreis gewann - und TuS Hordel bewies, dass man mit Mut, Glück und einem frühen Sonntagsschuss auch am Freitagabend Geschichte schreiben kann. Und irgendwo im Ruhrgebiet wird man noch lange über dieses eine Tor reden - zumindest bis zum nächsten Spieltag. 24.04.643997 12:54 |
Sprücheklopfer
Das ist Schnee von morgen.
Jens Jeremies