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TuS Hordel verzweifelt: Ilmenau holt den Pokal in der Verlängerung

59.000 Zuschauer im randvollen Stadion hielten am Samstagabend den Atem an, als der Schiedsrichter nach 120 Minuten endlich abpfiff. Germania Ilmenau hatte es tatsächlich geschafft: ein 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen TuS Hordel im Pokalfinale. Für die einen pure Ekstase, für die anderen bittere Enttäuschung - und für alle zusammen ein Drama, das an manchen Stellen eher an ein Theaterstück als an ein Fußballspiel erinnerte.

Dabei hatte alles so gut für Hordel begonnen. Die Mannschaft von Trainerin Ute Finkeldy spielte von Beginn an mutig und suchte immer wieder den schnellen Weg nach vorn. Und in der 36. Minute fiel das, was man in Hordel künftig nur noch "das Tor des Fjodor" nennen wird: Fjodor Koroljuk, der bullige Mittelstürmer mit der Statur eines Kühlschranks und der Eleganz eines Balletttänzers, nahm eine Flanke von Innenverteidiger Luke Kinsella volley und drosch den Ball unhaltbar in die Maschen. 1:0 - pure Euphorie.

"Da dachte ich kurz, wir hätten’s schon", gab Finkeldy später zu und grinste müde. "Aber dann fiel mir ein: Das ist Fußball, kein Wunschkonzert."

Germania Ilmenau, bis dahin eher mit filigranem Kurzpassspiel beschäftigt, schüttelte sich kurz - und kam dann wie verwandelt aus der Kabine. Trainer Thorben Hartung hatte offenbar die richtigen Worte gefunden. "Ich hab’ ihnen gesagt, sie sollen endlich anfangen, Fußball zu spielen. Nicht Origami", witzelte der Coach später.

In der 62. Minute fiel der Ausgleich: Der 19-jährige Dieter Sonne, eine Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und übermütigem Selbstvertrauen, traf nach Vorarbeit von Carsten Funk ins lange Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Sonne später, "und gehofft, dass der Ball nicht auf Parkplatz C landet."

Von da an wurde das Spiel zum offenen Schlagabtausch. Hordel stemmte sich gegen den Druck, Keeper Jacob Montgomery hielt, was zu halten war - und manchmal auch, was eigentlich nicht zu halten war. Doch die Statistik sprach Bände: 21 Torschüsse für Ilmenau, nur 10 für Hordel. Ballbesitz? Fast ausgeglichen, aber Ilmenau wirkte frischer, wacher, kontrollierter.

Dann die 101. Minute: Lucas Reimann, gerade erst in der zweiten Halbzeit eingewechselt und bis dahin einer der Aktivposten der Gäste, sah Rot - eine völlig übermotivierte Grätsche, irgendwo zwischen Verzweiflung und Adrenalin. Hartung schüttelte an der Seitenlinie nur den Kopf. "Ich hab ihm gesagt, er soll heiß sein, nicht brennen", knurrte er später.

Doch selbst in Unterzahl blieb Ilmenau gefährlich. Und dann kam Louis Cascarino, 22 Jahre jung, mit dem Selbstbewusstsein eines Routiniers. In der 112. Minute fasste er sich ein Herz, zog aus 20 Metern ab - und traf. Der Ball zappelte im Netz, während Kinsella und Co. fassungslos die Arme hoben. 2:1 - die Entscheidung.

"Ich hab im Training genau diesen Schuss hundertmal probiert", sagte Cascarino nach dem Spiel. "Hat nie funktioniert. Heute schon."

Hordel versuchte noch einmal alles - Fjodor Koroljuk prüfte den Gästetorwart Luis Kern in der 120. und 122. Minute, aber der blieb eiskalt. "Ich hab ihm ins Gesicht gesehen und wusste: Der Ball geht nicht rein", meinte Kern später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Erleichterung und Überheblichkeit lag.

Als der Schlusspfiff ertönte, sank Hartung auf die Knie, während Finkeldy ihrem Team applaudierte. "Wir haben nichts zu bereuen", sagte sie, "außer vielleicht, dass wir keine zweite Fjodor-Chance hatten."

Statistisch betrachtet war es ein Duell auf Augenhöhe: 49,7 Prozent Ballbesitz für Hordel, 50,3 für Ilmenau. Aber Spiele werden nicht in Excel gewonnen, sondern auf dem Rasen. Und dort hatte Ilmenau am Ende einfach das Quäntchen mehr Mut - und Glück.

Als die Ilmenauer Spieler später mit dem Pokal durch die Menge liefen, sangen die 19-jährigen Nachwuchstalente Sonne und Lopez lauthals mit, während Hartung ihnen grinsend zurief: "Morgen um acht Training!" - "Trainer, das ist doch ein Scherz, oder?" rief Sonne zurück. "Natürlich", antwortete Hartung. "Elf Uhr reicht."

Ein Pokalfinale, das alles hatte: Tore, Karten, Verlängerung, Drama. Und ein Sieger, der am Ende nicht nur jubelte, sondern auch wusste, dass er sich diesen Triumph redlich verdient hatte.

Fazit des Abends? TuS Hordel spielte groß, Germania Ilmenau gewann größer. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Herr beim Abgang: "Schade, dass’s vorbei ist - so spannend war’s seit Jahren nicht mehr." Man kann ihm kaum widersprechen.

03.02.643997 21:23
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