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TuS Hordel zerlegt FC München - Pfeiffer, Fink & Co. feiern Offensivgala

Ein Flutlichtabend, wie ihn die 2. Liga liebt: 25.188 Zuschauer, ein leicht nasser Rasen und zwei Teams mit völlig unterschiedlichen Ansätzen. TuS Hordel, von Trainerin Ute Finkeldy auf Offensive und lange Bälle getrimmt, empfing den FC München, der unter Franz Kuntz auf kontrolliertes, aber erstaunlich zahnloses Ballbesitzspiel setzte. Am Ende leuchtete ein klares 4:1 (1:1) auf der Anzeigetafel - und Hordel feierte einen Sieg, der so überzeugend war, dass selbst der Stadionsprecher beim vierten Treffer kurz die Stimme verlor.

Dabei begann alles gar nicht so eindeutig. In der 15. Minute nutzte Münchens junger Linksverteidiger Max Gerlach eine der seltenen Offensivaktionen der Gäste und traf nach feinem Zuspiel von Walther Rodriguez zum überraschenden 0:1. Hordels Keeper Jacob Montgomery schüttelte ungläubig den Kopf, während Gerlach jubelnd in Richtung Gästeblock lief. "Ich dachte, das wird heute unser Abend", sagte der Torschütze später - und grinste dann bitter, "naja, war’s dann wohl eher nicht."

Denn Hordel reagierte wie ein gereizter Boxer: mit Druck, Tempo und einer Menge Zielwasser. Schon in der 30. Minute glich Tim Pfeiffer aus, nach präziser Vorlage von Fjodor Koroljuk, der sich zuvor mit zwei Münchener Verteidigern in bester Wrestling-Manier um den Ball gestritten hatte. "Ich hab’ Fjodor zugerufen: ’Schieß doch selbst!’, aber er meinte nur: ’Mach du, ich will die Vorlage in den Statistiken!’", erzählte Pfeiffer lachend im Kabinengang.

Mit dem 1:1 ging es in die Pause, und während Hordel in der Kabine wohl an der Taktik feilte, wechselte Franz Kuntz seinen Torhüter Friedrich Hess aus - der 22-jährige Moritz Singer durfte ran. Ob das eine gute Idee war, wird Kuntz sich spätestens beim dritten Gegentor gefragt haben.

Nach dem Seitenwechsel rollte der Hordeler Express unaufhaltsam: In der 52. Minute drosch Vincent Albinana den Ball nach Vorarbeit von Koroljuk humorlos unter die Latte - 2:1. Die Gäste sahen dem Geschehen fortan eher interessiert als eingreifend zu. München brachte frische Kräfte, doch Emanuele Bianco und Marcio Forque konnten dem Spiel keine Wende geben. Stattdessen erhöhte Hordels Linksverteidiger Karsten Runge in der 70. Minute nach schönem Doppelpass mit Andre Lange auf 3:1. "Ich weiß gar nicht, was ich da zu suchen hatte", gab Runge später zu, "aber wenn man schon mal vorne ist, kann man ja auch mal draufhalten."

Das Stadion bebte, die Fans sangen, Trainerin Finkeldy klatschte am Spielfeldrand in die Hände und rief ihren Jungs zu: "Jetzt nicht nachlassen!" - als hätte sie geahnt, dass Marvin Fink noch ein letztes Feuerwerk plant. In der 92. Minute, die Nachspielzeit war schon fast abgelaufen, setzte Günther Pfeiffer mit einem genialen Pass den rechten Flügelstürmer in Szene. Fink nahm den Ball volley - Tor, 4:1, Deckel drauf. Die Hordeler Bank stürmte das Feld, während Münchens Verteidiger nur noch höflich Beifall klatschten.

"Die Mannschaft hat heute gezeigt, dass sie nicht nur ackern, sondern auch zaubern kann", meinte Trainerin Finkeldy nach der Partie. "Wir waren mutig, haben offensiv gedacht - und endlich auch mal die Chancen genutzt." Tatsächlich war der Unterschied frappierend: 18 Torschüsse für Hordel, nur 4 für München, 54 Prozent Ballbesitz für das Heimteam - und das bei einer Tacklingquote von 55 Prozent.

Franz Kuntz dagegen wirkte nachdenklich: "Wir wollten das Spiel kontrollieren. Am Ende hat uns Hordel kontrolliert. Vielleicht sollten wir das nächste Mal doch mal auf Konter spielen - oder auf Wunder hoffen."

Zwei späte Gelbe Karten für die Gastgeber - Curt Schöne (93.) und Torschütze Pfeiffer (94.) - störten die Feststimmung kaum. Im Gegenteil: Die Fans feierten ihre Helden, als ginge es um den Aufstieg.

"Das war eine Ansage", sagte Hordels Kapitän Koroljuk beim Verlassen des Rasens. "Wir wollten zeigen, dass Hordel mehr ist als ein Außenseiter. Heute haben wir’s getan."

TuS Hordel hat mit diesem 4:1 ein Ausrufezeichen gesetzt, das in der Liga noch nachhallen dürfte. Und wer den Abend im Stadion erlebt hat, weiß: Wenn Finkeldys Team so weiterspielt, wird man in München bald wieder von Hordel träumen - allerdings eher im Albtraumformat.

Oder wie ein älterer Fan beim Bierstand treffend sagte: "Wenn die so weitermachen, brauch ich nächste Woche gar keine Tatort-Spannung - ich geh einfach wieder ins Stadion."

21.08.643993 03:35
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Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber.
Andreas Möller
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