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TuS Hordel zerlegt Lüner SV - ein 7:0, das weh tut

Manchmal gibt es Spiele, bei denen man sich fragt, ob das Ergebnis wirklich noch als sportlich fair oder schon als Kunstinstallation durchgeht. TuS Hordel hat am 32. Spieltag der 2. Liga Deutschland mit einem beeindruckenden 7:0-Sieg gegen den Lüner SV ein solches Werk geschaffen - eine Mischung aus Fußball-Lehrstunde, Offensivfeuerwerk und dem, was Trainer Markus Hering später als "pädagogisch wertvolle Demütigung" bezeichnete.

Vor 31.748 Zuschauern im heimischen Stadion begann der Abend für Hordel, als hätte man die Mannschaft vor dem Anpfiff heimlich an eine Starkstromleitung angeschlossen. Schon nach 20 Minuten stand es 1:0, als Ernst Kunkel nach Vorlage von Marwin Rodriguez trocken einschob. Kunkel, 23 Jahre jung, spielte an diesem Abend, als wolle er die Definition von "linker Flügel" neu schreiben. "Ich hab’ einfach Lust gehabt, Fußball zu spielen", grinste er später. "Und wenn der Ball so läuft, dann läuft’s halt."

Das tat er - und wie. Nur elf Minuten später erhöhte Tiago Valente nach feiner Vorarbeit des zentralen Mittelfeldmotors Olav Anders auf 2:0, bevor Kunkel in der 37. Minute erneut zuschlug, diesmal gefüttert von seinem kongenialen Partner Valente. 3:0 zur Pause, 24 zu 1 Torschüsse am Ende, und das, obwohl Hordel gar nicht übermäßig viel Ballbesitz hatte - gerade einmal 54 Prozent. Es war schlicht die Konsequenz einer Mannschaft, die mit langen Bällen und gnadenloser Gier auf Tore spielte.

Lünen dagegen wirkte, als wäre man versehentlich auf einem Betriebsausflug statt auf einem Fußballplatz gelandet. Ihr einziger Torschuss in der 39. Minute durch den jungen Marcel Maurer - 17 Jahre alt, auf dem rechten Flügel bemüht - wurde vom Hordeler Torwart Jacob Montgomery mühelos entschärft. "Wir wollten ja offensiv spielen", murmelte Trainer Hering nach dem Schlusspfiff und schaute dabei so, als überlege er, ob er das wirklich laut gesagt hatte.

Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel zur One-Man-Show - oder besser: zur Ensemble-Komödie mit wechselnden Hauptdarstellern. Valente traf in der 48. Minute erneut, diesmal nach Kunkel-Vorlage. Danach durfte auch der Routinier Fjodor Koroljuk ran, der in der 67. Minute nach Zuspiel von Vincent Albinana zum 5:0 traf. Und weil es bei Hordel offenbar keinen gab, der an diesem Abend leer ausgehen wollte, legte Kunkel zwei Minuten später noch einen drauf (69.), bevor Olav Anders in der 71. Minute mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe das 7:0 besorgte.

Trainerin Ute Finkeldy, sonst eher die stille Architektin im Hintergrund, hatte sichtlich Spaß. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon offensiv spielt, dann richtig. Und wenn’s dann so aussieht - bitte schön!", lachte sie auf der Pressekonferenz und fügte hinzu: "Aber wir bleiben auf dem Boden. Nächste Woche gibt’s wieder nur Wasser statt Sekt."

In der Schlussphase durfte sogar Torhüter Karl Westphal noch für den sichtlich gelangweilten Montgomery ran - ein symbolischer Wechsel, fast schon ein Statement: Selbst der Ersatzkeeper wollte noch den Rasen unter den Stollen spüren.

Bei den Gästen war die Stimmung naturgemäß gedrückt. Der eingewechselte Louis Kendall, der kurioserweise für den Torwart Lewis Madigan kam ("Ich wusste auch nicht, dass das erlaubt ist!", grinste er später schief), versuchte zumindest Humor zu bewahren: "Ich sollte eigentlich Linksverteidiger spielen, aber nach dem 6:0 war das eh egal. Da haben wir einfach zu zehnt verteidigt - und ich gezählt."

Die Statistik unterstreicht, was jeder im Stadion sah: 24 Torschüsse für Hordel, einer für Lünen. Tacklingquote 60 zu 40 Prozent. Und ein Pressingverhalten der Gäste, das man höflich als "nicht vorhanden" beschreiben könnte.

Das Publikum feierte die Mannschaft minutenlang, und während die Spieler jubelten, lehnte sich Hordels Kapitän Fjodor Koroljuk an den Pfosten und sagte in Richtung des Reporters: "Manchmal ist Fußball einfach. Du läufst, du passt, du triffst. Heute haben wir alles davon gemacht."

Worte, die es auf den Punkt bringen. TuS Hordel hat an diesem Abend nicht nur drei Punkte geholt, sondern gezeigt, wie leicht Fußball aussehen kann, wenn jeder Rädchen im Getriebe funktioniert. Und der Lüner SV? Der wird wohl noch ein paar Tage brauchen, um das 0:7 zu verdauen - vielleicht hilft ja ein freundschaftliches Trainingsspiel gegen die eigene Jugendmannschaft.

Am Ende bleibt ein Fazit, das man auch in Stein meißeln könnte: Wer im Mai nach Hordel kommt, sollte sich warm anziehen - und besser keine schwache Defensive mitbringen.

24.06.644000 22:40
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Bei solchen Anlössen kein Bier, das ist ja eine Katastrophe.
Rolf Rüssmann im Presseraum des Daimlerstadions, nachdem die Stuttgarter den Klassenerhalt geschafft hatten
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