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Lünen - 20.708 Zuschauer hatten sich am Samstagabend auf ein Fußballfest im Stadion an der Schwansbeller Straße gefreut. Bekommen haben sie tatsächlich eines - nur leider aus Sicht des Lüner SV das falsche: TuS Hordel fegte die Gastgeber mit 5:0 vom Platz. Das Ergebnis liest sich wie eine Demonstration, und das war es auch. Dabei hatte Lünen eigentlich gar nicht so schlecht begonnen. 51 Prozent Ballbesitz, Passquoten, die auf dem Papier durchaus nach Kontrolle aussahen - aber was nützt das, wenn vorn nichts ankommt? Zwei Torschüsse in 90 Minuten waren letztlich das ganze Erbe der Offensivbemühungen. "Wir hatten den Ball, sie hatten das Tor", seufzte Trainer Markus Hering nach dem Abpfiff. "Das ist im Fußball leider ein messbarer Unterschied." TuS Hordel dagegen spielte von Beginn an, als hätten sie einen Turbo im Gepäck. Schon in der 16. Minute eröffnete Georg Heller den Torreigen mit einem satten Schuss aus dem Rückraum - keine Chance für Lüner Keeper Marcio Figo, der trotz seiner 18 Jahre tapfer blieb, aber an diesem Abend zu oft allein gelassen wurde. Elf Minuten später erhöhte Rechtsverteidiger Robert Held auf 2:0, nach feiner Vorarbeit von Gunborg Brun, der danach mit einem Augenzwinkern meinte: "Ich hab’ den Ball einfach dahin gespielt, wo’s gefährlich ist. Robert hat’s gemerkt - das passiert ja nicht immer." Mit diesem 0:2 ging es in die Pause. Lünen wirkte bemüht, Hordel gnadenlos. Die Gäste spielten offensiv, konterten schnell, schossen aus allen Lagen - 21 Abschlüsse insgesamt, fast im Fünf-Minuten-Takt. Die taktische Marschroute von Trainerin Ute Finkeldy, die schon vor dem Anpfiff betonte, ihr Team werde "lieber riskieren, dass’s kracht, als dass’s langweilig wird", ging voll auf. Nach der Pause versuchte der Lüner SV, das Spiel zu beruhigen - allerdings eher durch Zufall als durch Struktur. Als dann in der 53. Minute Routinier Tim Freitag, 35 Jahre alt und offenbar noch mit den Beinen eines Endzwanzigers, das 3:0 erzielte, war die Messe gelesen. "Ich dachte zuerst, ich sei im Abseits", grinste Freitag später, "aber dann hab ich gemerkt, dass die Abwehr einfach noch in der Kabine war." Von da an wurde es für Lünen bitter. Hordel spielte mit Lust und Laune, die jungen Lüner liefen hinterher. In der 72. Minute traf der flinke Marvin Fink zum 4:0 - nach Vorarbeit von Innenverteidiger Luke Kinsella, der offenbar beschlossen hatte, dass er lieber vorne als hinten Spaß haben wollte. Spätestens da begann das Publikum, mit Galgenhumor zu reagieren. Ein Lüner Fan rief lautstark: "Nehmt wenigstens den Ball mit, der kostet!" - Lachen auf den Rängen, betretenes Schweigen auf dem Platz. Den Schlusspunkt setzte schließlich der erfahrene Mittelstürmer Berndt Brand in der 87. Minute, eiskalt nach Querpass des gerade eingewechselten 18-jährigen Marwin Rodriguez. Alt und jung vereint - das war Hordel an diesem Abend. "Das war kein Spiel, das war ein Statement", sagte Trainerin Finkeldy später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Verwunderung lag. Statistisch gesehen war’s eine kleine Sensation: Lünen mit mehr Ballbesitz, aber 41 Prozent Zweikampfquote, also in jedem zweiten Duell zweiter Sieger. Hordel dagegen effizient, aggressiv, aber nie unfair - ein Paradebeispiel für modernen, geradlinigen Fußball. Und was bleibt den Gastgebern? Ein ernüchternder Abend, der vielleicht in Erinnerung bleiben wird - wenn auch aus den falschen Gründen. "Wir lernen daraus", versprach Coach Hering, "zum Beispiel, dass man mit 17-Jährigen in der Startelf Geduld braucht - und dass Gegentore keine pädagogische Maßnahme sind." Als die Mannschaft nach dem Schlusspfiff in die Kabine trottete, applaudierten viele der Lüner Fans trotzdem. Vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Lokalpatriotismus. Oder weil man das Gefühl hatte, dass an diesem Abend wenigstens die Moral stimmte. Hordel dagegen feierte ausgelassen, Berndt Brand tanzte mit dem Physio, während Georg Heller auf der Bank saß und grinsend meinte: "Wenn wir so weitermachen, brauchen wir bald einen eigenen Tor-Jingle." Am Ende stand ein 0:5, das Lünen weh tat, aber ehrlich war. Fußball kann grausam sein - manchmal aber auch einfach nur sehr klar. 22.10.643987 13:10 |
Sprücheklopfer
Er hat angezeigt, dass er in einer Minute ausgewechselt werden will.
Christoph Daum über einen Stinkefinger von Ulf Kirsten