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TuS Hordel zerlegt Schweinfurt - Pfeiffer doppelt, Humor inklusive

Ein Flutlichtabend, wie er im Ruhrgebiet im Februar eben sein muss: kalt, nass, ein bisschen rußig - und trotzdem 28.592 Zuschauer im Stadion. TuS Hordel empfing FT Schweinfurt zum vierten Spieltag der 2. Liga Deutschland und machte aus einem wackligen Start eine regelrechte Fußball-Vorführung. Am Ende hieß es 4:1 (1:1), und wer zu spät kam, verpasste einiges.

Schon in der 8. Minute wurde es mucksmäuschenstill, als Schweinfurts junger Stürmer Arik Tartman eiskalt vollstreckte. Nach Vorarbeit von Harry Marshal schob der 23-Jährige den Ball flach ins lange Eck - 0:1. "Da sahen wir kurz aus wie ein Sonntagskick im Stadtpark", gab Hordel-Trainerin Ute Finkeldy später mit einem schiefen Grinsen zu.

Doch ihre Mannschaft zeigte sofort, dass sie mehr kann als höflich verlieren. Fjodor Koroljuk prüfte gleich dreimal den Schweinfurter Keeper Günther Zimmer, der sich in der ersten halben Stunde als lebende Gummiwand bewies. "Der Ball hat mich einfach gefunden", meinte Zimmer selbstironisch - bevor er in der 47. Minute dann doch wieder hinter sich greifen musste.

Aber der Reihe nach: Noch vor der Pause glich TuS Hordel aus. In der 38. Minute legte Mateja Anicic auf Curt Schöne ab, und der traf per trockenen Rechtsschuss zum 1:1. Die Hordeler Bank explodierte, und Finkeldy rief ihrem Team zu: "Na also, geht doch!" - laut genug, dass es auch die erste Reihe auf der Tribüne hörte.

Die zweite Halbzeit begann, als hätte jemand den Pausentee mit Espresso aufgegossen. Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff setzte Lennard Rothe einen Schuss aus spitzem Winkel unter die Latte - 2:1. Schweinfurt taumelte, Hordel roch Blut.

Dann kam die große Stunde von Tim Pfeiffer. Der bullige Mittelstürmer, der schon in der Kabine mit der Lautstärke eines Presslufthammers motiviert, traf in der 59. und 69. Minute doppelt. Erst drückte er eine präzise Flanke von Anicic über die Linie, dann verwertete er eine Vorlage von Schöne mit einem satten Schuss aus zwölf Metern. 4:1 - der Drops war gelutscht.

"Ich hab’s einfach laufen lassen", grinste Pfeiffer nach dem Abpfiff. "Manchmal muss man nur den Kopf ausschalten. Und die Abwehr von Schweinfurt hat mir netterweise Platz gelassen." Schweinfurts Trainer Kevin Ferry nahm’s sportlich: "Wir waren 20 Minuten lang gut, dann 70 Minuten Zuschauer. Und das ist in dieser Liga ein Problem."

Die Statistik unterstreicht Ferrys Analyse: 18:8 Torschüsse für Hordel, 56 Prozent Ballbesitz, dazu eine Zweikampfquote von 53 Prozent - das war eine klare Angelegenheit. Schweinfurt kämpfte, kassierte aber zwei Gelbe (Marshal in der 32., Moser in der 77.) und eine unschöne Szene: Der eingewechselte Jose Gontan verletzte sich kurz nach seiner Einwechslung und musste wieder runter. "Das war bitter", sagte Ferry, "er hatte sich gerade erst die Schuhe zugebunden."

Zwischendurch sorgte auch ein Torwartwechsel für Aufsehen - der erst 17-jährige Veselin Krstajic durfte in der 50. Minute ran. "Der Junge hat Mut", lobte Ferry, "aber Mut alleine hält keine Bälle." Tatsächlich war er bei Pfeiffers zweitem Treffer chancenlos.

Hordel spielte in den letzten Minuten sogar noch auf das fünfte Tor, als wäre das Stadion eine Bühne für die große Gala. Schöne zirkelte in der 91. Minute noch einen Ball knapp vorbei, und von der Tribüne schallte: "Schieß doch, Junge!" - nur diesmal ohne Konsequenzen.

Nach Abpfiff feierten die Fans ihre Mannschaft mit einem vielstimmigen "Hordel, Hordel!", während Trainerin Finkeldy im Interview trocken sagte: "Wir haben heute einfach mal Fußball gespielt." Humorvoller kann man ein 4:1 kaum zusammenfassen.

Schweinfurt dagegen wird sich fragen, wo nach dem frühen Führungstor die Ordnung blieb. Die Defensive war zu offen, das Pressing zu brav, und im Angriff blieb Tartmans Glanztat aus der Anfangsphase ein Einzelstück.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: TuS Hordel ist nicht nur offensiv stark, sondern hat auch das Publikum auf seiner Seite - und in dieser Liga ist das manchmal die halbe Miete. Nächste Woche geht’s weiter, und wenn Finkeldy recht behält ("Jetzt sind sie heiß"), dann darf sich der nächste Gegner warm anziehen.

Oder wie es Curt Schöne augenzwinkernd formulierte, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte: "So schlecht war Schweinfurt gar nicht - sie waren nur leider wir selbst nicht."

13.07.643990 22:20
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Wenn ein Tor fällt, können noch mehr fallen. Aber es muss erst mal eins fallen.
Erich Ribbeck
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