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Ein milder Frühlingsabend in Lecce, 37.600 Zuschauer, und der Duft von gerösteten Kastanien lag über dem Via del Mare - nur der Geschmack für die Heimmannschaft blieb bitter. UD Lecce verlor ihr Heimspiel am 20. Spieltag der 1. Liga Italien mit 1:2 gegen den FC Udinese. Die Gäste zeigten sich im ersten Durchgang eiskalt, während Lecce im zweiten Akt die Bühne dominierte, aber den entscheidenden Applaus verpasste. Die Partie begann mit offenem Visier. Lecce, von Trainer Mario Weinzettl wie immer mit offensiver Marschrichtung eingestellt, hatte zunächst mehr Ballbesitz (54 Prozent über die gesamte Partie) und suchte den Weg nach vorn. Doch während die Gastgeber sich noch aufwärmten, schlich sich Udinese leise in die Partie. In der 33. Minute dann der erste Stich: Mattia Tomasi, 32 und immer noch flink wie ein Espresso-Doppio, traf nach Zuspiel von Andras Kohut zum 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten, weil keiner kam - nicht mal der Balljunge wollte mich aufhalten", grinste Tomasi nach der Partie. Lecce wackelte kurz, fing sich aber schnell - um zehn Minuten später den nächsten Schlag zu kassieren. In der 44. Minute schlug Leonardo Iezzi zu, nach einem überraschend präzisen Querpass von Linksverteidiger Guillermo Gomes. 0:2 - und im Stadion herrschte für ein paar Sekunden beklemmende Stille. Weinzettl trat vor seiner Bank in den Rasen, als wolle er den Rückstand einpflanzen und nie wieder sehen. "Das war ein Nackenschlag. Zwei Chancen, zwei Tore - da kannst du nur höflich applaudieren", knurrte er später. Doch Lecce wäre nicht Lecce, wenn sie nicht mit Herzblut zurückkämen. Kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, zappelte der Ball im Netz von Udinese. Ein kurioser Treffer, erzielt vom Linksverteidiger Joseba Nene in der 46. Minute. Nach einer Ecke landete der Ball über Umwege bei ihm - und sein Schuss aus spitzem Winkel prallte vom Innenpfosten ins Tor. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Nene mit einem schiefen Lächeln. "Aber wenn der liebe Fußballgott helfen will, beschwert man sich nicht." Von da an rollte eine Welle auf Udineses Strafraum zu. Bruno Amantea prüfte Torhüter Luca Lange mehrfach, Gianluca Castello scheiterte an dessen glänzenden Reflexen. Insgesamt brachte Lecce zehn Torschüsse zustande, Udinese dagegen neun - aber die Effektivität lag klar bei den Gästen. In der 66. Minute sah Andreas Laursen Gelb, nachdem er den schnellen Iezzi etwas zu energisch abräumte. Später musste der junge Valentino Rosati verletzt vom Feld (74.), was den Spielfluss der Hausherren bremste. Weinzettl reagierte mit einem Dreifachwechsel - unter anderem kam der 17-jährige Enrico Carpanzano, der sich prompt eine Gelbe Karte abholte. "Ich wollte zeigen, dass ich keine Angst habe", sagte der Teenager nach Spielende. "Vielleicht hab ich’s ein bisschen übertrieben." Udinese-Trainer Emiliano Dicetutto, ein Mann, der selten emotional wird, kommentierte den Sieg gewohnt trocken: "Wir spielen offensiv, aber mit Hirn. Heute haben wir beides gezeigt - und ein bisschen Glück hilft auch." Tatsächlich wirkte Udinese nie nervös, selbst als Lecce in der Schlussphase drückte. Der eingewechselte Pedro Pauleta und Gianmarco Leone hatten späte Chancen, doch der Ball wollte nicht mehr über die Linie. Während die Gäste jubelten, blieb Weinzettl nachdenklich: "Wir haben gut gespielt, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Wenn’s einer wäre, hätten wir heute gewonnen." Statistisch gesehen war Lecce das aktivere Team - mehr Ballbesitz, mehr Abschlüsse, mehr Herz. Aber Udinese hatte an diesem Abend die kältere Hand am Thermostat der Effizienz. Zwei präzise Treffer, eine konzentrierte Abwehr und ein Torwart in Galaform reichten, um drei Punkte mitzunehmen. Als die Flutlichter erloschen, applaudierten die Fans von Lecce trotzdem. Vielleicht, weil sie ahnten, dass diese Niederlage keine Schande war, sondern eher eine Episode aus jener Kategorie, die man später als "unglücklich, aber lehrreich" bezeichnet. Oder, wie Kapitän Valerio Carli in der Kabine meinte, während er sich das Tape vom Knöchel zog: "Wir sind keine Sänger, aber wir treffen bald wieder den richtigen Ton." Ein Satz, der nach Hoffnung klingt - und ein bisschen nach Trotz. In Lecce hat man gelernt, dass beides manchmal dasselbe ist. 06.09.643996 13:13 |
Sprücheklopfer
Bei solchen Anlössen kein Bier, das ist ja eine Katastrophe.
Rolf Rüssmann im Presseraum des Daimlerstadions, nachdem die Stuttgarter den Klassenerhalt geschafft hatten