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Es gibt Fußballabende, die beginnen mit einem Paukenschlag - und hören mit einem Schulterzucken beim Gegner auf. Der 14. Spieltag der 1. Liga Italien bot genau so ein Schauspiel: Der FC Udinese gewann am Sonntagabend vor 36.114 Zuschauern im heimischen Stadio Friuli mit 3:0 gegen ein überfordertes Atletica Bergamo. Und das, obwohl Bergamo mit mehr Ballbesitz glänzte - falls man es "glänzen" nennen möchte, wenn man den Ball hat, aber nicht weiß, was man damit anfangen soll. Schon nach zwei Minuten stand es 1:0. Innenverteidiger Lionel Couto (!) nutzte die erste Unordnung in Bergamos Strafraum und drosch den Ball nach Vorlage von Rene Poulin ins Netz. Ein Verteidiger-Tor, ganz nach dem Geschmack von Trainer Emiliano Dicetutto: "Ich sage den Jungs immer, jeder darf mal. Heute war Lionel dran." Auf der Trainerbank von Bergamo hingegen herrschte Schweigen. Man konnte fast das Knistern der Nervosität hören, als Coach - nennen wir ihn den Mann mit dem sorgenvollen Blick - hektisch in sein Notizbuch kritzelte. Die erste Halbzeit verlief danach wie ein Lehrfilm über Ballbesitz ohne Wirkung: Bergamo hatte mit 51 Prozent leicht mehr vom Spiel, schoss aber nur einmal gefährlich aufs Tor. Udinese dagegen prüfte Keeper Rhys Boyle gleich 13-mal, als wolle man ihm zeigen, dass Handschuhe tatsächlich dafür gedacht sind, benutzt zu werden. "Wir haben uns fast ein bisschen zurückgehalten", meinte Stürmer Nicolae Buzanszky später mit einem breiten Grinsen. "Sonst wird’s ja langweilig." Der Rumäne hatte allen Grund zur Freude, denn in der 51. Minute machte er das, was er am besten kann: den Deckel drauf. Nach kluger Vorarbeit von Tord Paulsson traf er flach ins rechte Eck - 2:0. Ab da wurde es bitter für Bergamo. Nicht nur, weil sie kaum noch über die Mittellinie kamen, sondern auch, weil ihr junger Linksverteidiger Nelson Adao binnen sechs Minuten zweimal Gelb sah. Erst ein taktisches Foul, dann ein übermotiviertes Grätschen - Gelb-Rot in der 70. Minute. "Er wollte ein Zeichen setzen", murmelte sein Kapitän Carlo Benedetto nach dem Spiel. "Leider war das Zeichen ein Foul." Udinese nutzte die Überzahl clever, ließ den Ball laufen und das Publikum johlen. Der eingewechselte Youngster Luca Bianchi, 19 Jahre jung, sorgte mit frechen Dribblings für Szenenapplaus, auch wenn er das Tor knapp verfehlte. "Ich dachte, der Ball sei drin!", rief er lachend, als er später vom Platz ging. Und als alle schon das Ende erwarteten, kam noch der passende Schlusspunkt: Innenverteidiger Bailey Munro, der sonst eher mit Grätschen glänzt, stieg in der 95. Minute nach einer Ecke von Jeno Bene am höchsten und köpfte zum 3:0 ein. "Ich wollte eigentlich Zeit schinden", witzelte Munro danach. "Aber dann dachte ich: Ach komm, ein Tor schadet nie." So endete ein Spiel, das Udinese von der ersten bis zur letzten Minute kontrollierte - zumindest gefühlt. Statistisch gesehen lag der Ballbesitz bei 48,7 Prozent für die Hausherren, aber das war nur eine Zahl. Die Realität spielte sich in Bergamos Hälfte ab, wo Udinese 22 Torschüsse abfeuerte, während die Gäste mit mageren drei Versuchen kaum Gefahr ausstrahlten. Trainer Emiliano Dicetutto lobte seine Mannschaft, aber mit trockenem Humor: "Wir wollten defensiv stabil stehen - also haben unsere Innenverteidiger einfach beide getroffen." In der Tat: Zwei Tore von Verteidigern, eines vom Mittelstürmer - das nennt man wohl mannschaftliche Geschlossenheit. Atletica Bergamo hingegen wirkte überfordert. Selbst nach dem Abpfiff standen einige Spieler noch auf dem Rasen, als könnten sie nicht glauben, dass das Spiel wirklich vorbei war. Einer von ihnen, Mittelfeldmann Riccardo Talarico, brachte es auf den Punkt: "Wir hatten den Ball, aber sie hatten den Plan." So verabschiedete sich Udinese mit einem souveränen 3:0 von einem Abend, der Bergamo wohl noch länger in Erinnerung bleiben wird - als Lehrstunde in Sachen Effizienz. Der Heimtrainer, beim Verlassen des Spielfelds nach seinem kurzen Winken ans Publikum gefragt, was ihm am besten gefallen habe, grinste: "Dass ich diesmal gar nicht schreien musste." Und das sagt eigentlich alles. Udinese spielte, als wüsste es genau, wie man ein Spiel gewinnt, ohne es komplizierter zu machen als nötig. Bergamo dagegen wirkte wie jemand, der den Schlüssel sucht, während die Tür längst offensteht. Ein 3:0, das klarer nicht hätte sein können - und ein Stadion, das sich noch lange danach wiegte in der Gewissheit: Manchmal ist Fußball eben einfach. Wenn man Udinese ist. 10.04.643994 21:54 |
Sprücheklopfer
Ich glaube nicht, dass der Verein mir Steine in den Vertrag legt.
Torsten Legat zu evtl. Wechselproblemen mit Eintracht Frankfurt