Tuttosport
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Udinese überrascht Mailand - und das schon zur Halbzeit

Ein Freitagabend in Udine, Flutlicht, 38.932 Zuschauer und ein Duft von gegrillter Wurst, der selbst die Ultras kurzzeitig milder stimmte. Doch was der FC Udinese beim 2:0 (2:0) gegen den AS Mailand auf den Rasen brachte, war alles andere als mild - es war frech, effizient und erstaunlich abgeklärt. Trainer Emiliano Dicetutto grinste nach Schlusspfiff in die Kameras: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn wir schon weniger Ballbesitz haben, dann bitte wenigstens etwas damit anfangen." Die Statistik gab ihm recht. 47 Prozent Ballbesitz, aber 17 Torschüsse - Udinese spielte wie ein Team, das keine Lust auf Schönspielerei hatte, sondern auf Punkte.

Mailand dagegen? 52 Prozent Ballbesitz, fünf Torschüsse und das Gesicht von Trainer Onerom Jackson, das mit jeder Minute länger so aussah, als hätte jemand den Espresso vergessen. "Wir wollten das Spiel kontrollieren", murmelte er später in die Mikrofone, "leider hat der Ball nicht auf uns gehört."

Dabei begann alles gar nicht so schlecht für die Gäste. Schon nach nicht einmal einer Minute prüfte Heinz Geier den Udinese-Keeper Luca Lange mit einem satten Linksschuss - und der schnappte sich den Ball mit der Ruhe eines Mannes, der heute Abend nichts anbrennen lassen wollte. Danach aber war Schluss mit Mailänder Herrlichkeit.

In der 18. Minute dann der erste Stich: Rene Poulin, der quirlige Linksaußen, tanzte seinen Gegenspieler Talao aus, legte quer - und Andras Kohut, 34 Jahre jung und mit der Übersicht eines Schachgroßmeisters, zog trocken ab. 1:0. "Ich hatte einfach Lust, mal wieder zu treffen", sagte Kohut später lachend. "Und wenn man in meinem Alter trifft, darf man sich ruhig ein bisschen feiern lassen."

Mailand reagierte hektisch, verteilte früh Gelbe Karten - Corentin Voet schon in der 2. Minute, der 17-jährige Talao in der 37. - und wirkte zunehmend genervt. Udinese dagegen blieb ruhig, spielte kontrolliert nach vorne. Und kurz vor der Pause schlug es wieder ein: Wieder Poulin, wieder eine präzise Flanke, diesmal auf Nicolae Buzanszky. Der Mittelstürmer stieg in Minute 43 höher als die gesamte Mailänder Hintermannschaft und köpfte zum 2:0 ein. Das Stadion tobte, und Poulin brüllte seinem Trainerbank zu: "Hab ich doch gesagt, Flanken bringen Tore!"

Dicetutto nickte später trocken: "Er hat recht. Ich sollte öfter auf ihn hören. Aber nur, wenn’s funktioniert."

Nach der Pause versuchte Mailand, das Spiel an sich zu reißen. Mehr Ballbesitz, etwas mehr Zug - aber kein Durchkommen. Udinese stand kompakt, die Innenverteidigung um Bailey Munro und Age Fjortoft räumte alles ab, was halbwegs rot-schwarz aussah. Munro kassierte in der 74. Minute zwar Gelb, aber das passte irgendwie ins Bild: kompromisslos, aber effektiv.

In der Offensive drehte der eingewechselte Enrico Acri auf, prüfte Mailands Keeper Giovanni gleich mehrfach (67., 69., 76.). Und als der 19-jährige Luca Bianchi in der 72. Minute sein Serie-A-Debüt gab, hörte man aus der Kurve nur noch: "Einer von uns!" Zwar blieb dem Teenager ein Tor verwehrt, aber seine Unbekümmertheit brachte frischen Wind in eine Partie, die längst entschieden war.

Mailand schaffte es nicht, Udinese ernsthaft zu gefährden. Ein letzter Versuch in der 88. Minute von Youngster Talao landete in den Armen von Lange, der sich danach demonstrativ Zeit ließ, den Ball wieder ins Spiel zu bringen. "Wir haben’s einfach zu selten aufs Tor geschafft", gab Kapitän Galan zu. "Aber Udinese war heute eiskalt - und das meine ich nicht nur wetterbedingt."

Statistisch gesehen war es ein Spiel der klaren Rollenverteilung: Udinese mit 17 Abschlüssen, Mailand mit fünf. Die Gäste hatten mehr Ballbesitz, aber weniger Ideen. Und während Jackson an der Seitenlinie verzweifelt gestikulierte, lehnte Dicetutto entspannt am Geländer, als würde er einer Oper lauschen, deren Ende er längst kannte.

"Das war vielleicht das reifste Spiel meiner Mannschaft in dieser Saison", meinte der Udinese-Coach nach dem Abpfiff. "Und wenn wir so weitermachen, dann kann uns auch ein großer Name wie Mailand nicht einschüchtern."

Am Ende jubelte Udine, sang, tanzte und träumte - vielleicht von Europa, vielleicht einfach nur von weiteren Abenden wie diesem. Und irgendwo in der Mailänder Kabine soll ein Spieler geflüstert haben: "Wir hatten den Ball, aber sie hatten den Plan."

Ein sarkastischer, aber passender Schlusssatz für ein Spiel, das zeigte, dass Ballbesitz eben nicht alles ist.

18.03.643994 20:02
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