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Ein lauer Aprilabend in Lazarevac, 50.749 Zuschauer, Flutlicht und die Hoffnung auf ein kleines Fußballwunder. FK Lazarevac empfing Rad Belgrad am 34. Spieltag der serbischen Liga - und bekam ein Spiel serviert, das weniger an ein taktisches Schachduell erinnerte als an eine stürmische Teenagerparty mit einem Hauch von Dramatik. Am Ende stand ein 1:1, das beiden Teams vermutlich noch eine Weile im Kopf herumspuken wird. Rad Belgrad legte los, als wollten sie die Flutlichtanlage in Brand schießen. Ganze 18 Torschüsse feuerten die Gäste ab - und das, obwohl Trainer Thomas Kuzi vor dem Spiel noch betont hatte, man wolle "ruhig und kontrolliert" beginnen. Ruhig war dann höchstens der Torwart von Lazarevac, bis zur 30. Minute. Da zappelte der Ball im Netz, und es war ausgerechnet der jüngste auf dem Platz: Sasa Anicic, 17 Jahre jung, traf nach einer butterweichen Vorlage von Jan Demo. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Anicic nach dem Spiel, "und gehofft, dass der Ball nicht im Parkplatz landet." Doch kaum hatten sich die Belgrader über ihr Nachwuchswunder gefreut, kam die bittere Wendung. Nur 13 Minuten später lag derselbe Anicic verletzt am Boden. Diagnose: Zerrung, Spiel vorbei. Und so kam der 32-jährige Sasa Zdravkovic aufs Feld - ein Wechsel, der sinnbildlich für die Mischung aus jugendlicher Euphorie und erfahrener Abgeklärtheit in diesem Spiel stand. Während Rad weiter nach vorn stürmte, lauerte Lazarevac auf den einen Moment. Und der kam in der 42. Minute: Karolos Sisinis, der 31-jährige Dirigent im Mittelfeld, spielte einen Pass mit chirurgischer Präzision auf Zdravko Ilic. Der wiederum, 17 Jahre alt, nahm Maß und drosch den Ball in die Maschen. 1:1 - das Stadion bebte. "Ich hab gar nicht gesehen, wo der Ball hinflog", sagte Ilic später lachend, "ich hab nur die Lautstärke gehört und wusste: Der war wohl drin." Zur Pause stand es also 1:1, und man konnte sich nicht entscheiden, ob man das Spiel als offenes Feuerwerk oder als nervöse Zitterpartie bezeichnen sollte. FK-Trainer Klaus Bock stapfte in die Kabine und murmelte Richtung Bank: "Wenn wir weiter so verteidigen, brauchen wir bald zwei Torhüter." In der zweiten Halbzeit übernahm Rad Belgrad wieder das Kommando - zumindest statistisch. 51,5 Prozent Ballbesitz, 18 Schüsse, ein Pressing, das irgendwo zwischen entschlossen und verzweifelt pendelte. Aber FK Lazarevac hielt dagegen. Torhüter Savo Baljak, 17 Jahre jung, parierte in der 67. Minute einen flachen Schuss von Bisevac, dass sogar die Tribüne applaudierte. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er mich trifft", witzelte der Nachwuchskeeper später. Die Schlussphase bot dann alles, was ein serbischer Fußballabend braucht: Gelbe Karten (Zivojin Durisic in der 82.), wild gestikulierende Trainer und eine Handvoll hektischer Schüsse von Rad Belgrad, die alle ihr Ziel verfehlten. Trainer Kuzi stand an der Linie, schrie Anweisungen, die vermutlich nur das Mikrofon der TV-Kamera verstand, und warf in der 88. Minute die Wasserflasche wütend zu Boden. "Wir hätten das Spiel gewinnen müssen", knurrte er nach Abpfiff. "Aber wir haben Lazarevac leben lassen." Sein Gegenüber Bock nahm’s mit Humor: "Wenn man nur fünf Torschüsse hat, muss man eben mit Effizienz punkten. Oder mit Glück. Heute war’s wohl das Zweite." Als der Schlusspfiff ertönte, fiel die Spannung von beiden Teams ab. Ein paar Spieler tauschten Trikots, andere Blicke. Auf der Tribüne wurde applaudiert, als hätte man einen Sieg gesehen - und in gewisser Weise war es das auch. Für Lazarevac war dieses 1:1 gegen den Favoriten aus Belgrad mehr als nur ein Punkt. Es war ein kleiner Triumph der Jugend, ein Beweis, dass Mut manchmal Erfahrung schlägt. Und so endete der Abend, wie er begonnen hatte: mit lauten Gesängen, einem Hauch von Chaos und der Erkenntnis, dass Fußball manchmal keine Sieger braucht, um großartig zu sein. Oder, wie es Sisinis beim Hinausgehen formulierte: "Wir sind jung, wir machen Fehler - aber wenigstens machen wir sie mit Stil." Ein 1:1, das sich anfühlte wie ein Roman über Hoffnung, Schmerz und ein bisschen Größenwahn - geschrieben unter Flutlicht, in Lazarevac. 15.02.643997 12:51 |
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