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Ein kühler Abend im hohen Norden, 9000 Zuschauer mit Wollmützen, heißem Kaffee und der Hoffnung auf Tore: Das war die Bühne für das 1:1 zwischen Glimt Bodo und Trondheim BK am 11. Spieltag der 1. Liga Norwegen. Was nach nüchternem Ergebnis klingt, war in Wahrheit ein Fußballabend zwischen kontrollierter Wucht und nordischer Sturheit - mit zwei Treffern, vier Gelben Karten, einer Gelb-Roten und einer ordentlichen Portion Drama. Von Beginn an machte Trondheim klar, dass sie nicht zum Sightseeing gekommen waren. Schon in den ersten zehn Minuten prüften Suarez, Carew und Berg den Torwart Stig Grindheim, als wollten sie sehen, ob der überhaupt wach war. "Ich hatte das Gefühl, Trondheim hat heute 17 Torabschlüsse gesammelt, nur um mich auf die Probe zu stellen", grinste der Glimt-Schlussmann später - und lag damit exakt richtig. 17 Schüsse feuerten die Gäste ab, gegen nur vier von Bodo. Doch die Statistik erzählte nicht die ganze Geschichte. Denn während Trondheim Chancen sammelte wie Pfadfinder Abzeichen, nutzte Bodo seine seltenen Gelegenheiten eiskalt. In der 41. Minute schnappte sich Jon Berre den Ball auf dem rechten Flügel, ließ seinen Gegenspieler aussehen wie einen Touristen im Schneesturm und zimmerte das Leder ins lange Eck - 1:0. Stadionexplosion! Trainer Uwe Kämmerer von Trondheim brüllte an der Seitenlinie ein unverständliches Gemisch aus Deutsch, Norwegisch und Emotion. "Das war kein Tor, das war ein Weckruf", meinte er später, halb ironisch, halb genervt. Die erste Halbzeit endete mit einer Gelben Karte für den jungen Brede Grindheim (Trondheim) und für Steffen Gulbrandsen (Bodo) - beide offenbar inspiriert von der Idee, den Ball auch mal ohne Rücksicht auf Verluste zu erobern. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", erklärte Gulbrandsen nach dem Spiel mit einem Zwinkern. In Halbzeit zwei wurde das Spiel dann zum offenen Schlagabtausch. Trondheim drückte, Bodo verteidigte - und irgendwo dazwischen lag der Fußballgott, der sich köstlich amüsierte. In der 60. Minute fiel schließlich der verdiente Ausgleich: Joan Granero, der flinke Mittelfeldmann, nahm einen Pass von Einar Carew direkt und traf flach ins Eck. 1:1 - und die 30 mitgereisten Trondheim-Fans jubelten, als wären sie 300. Kurz darauf folgte ein kurioser Doppelakt: In der 52. Minute musste Lennart Sommer von Trondheim verletzt raus, und sein Ersatz Julian Bischoff kam - nur um später in der Nachspielzeit noch selbst zum Torschuss zu kommen. So viel Einsatz für einen Linksverteidiger sah man selten. "Ich wollte wenigstens einmal draufhalten, wenn ich schon reinkomme", lachte Bischoff. Dann kam die 80. Minute, und die Stimmung kippte: Jorn Halvorsen, der Fels in Bodos Defensive, sah nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot. Das Publikum pfiff, Halvorsen klatschte ironisch Beifall, und Coach von Glimt Bodo (dessen Name in den Statistiken leider verschollen blieb) brüllte: "Das war der sanfteste Zweikampf des Abends!" - was den vierten Offiziellen nur müde lächeln ließ. In Unterzahl rettete Bodo das 1:1 mit allem, was Beine hatte. Trondheim warf weiter alles nach vorn - Suarez, Berg und Gran feuerten Schuss um Schuss ab, doch der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Grindheim im Tor hielt, was zu halten war, und einmal sogar das, was eigentlich unhaltbar schien: ein Schuss in der 91. Minute von Jorgen Berg, den er mit einem Reflex aus der Kategorie "Spiderman in Torwarthandschuhen" entschärfte. Nach dem Abpfiff atmete Bodo tief durch. "Das war mehr Arbeit als eine Schneeschaufel im Januar", stöhnte Stürmer Berre, der Torschütze des Abends. Trainer Kämmerer hingegen sah das Ganze pragmatisch: "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber Fußball ist kein Mathematikunterricht. Manchmal gewinnt eben der, der weniger rechnet." Unterm Strich bleibt ein gerechtes Remis - Bodo mit Herz, Trondheim mit Zahlen. 52 Prozent Ballbesitz, 17 Schüsse, aber nur ein Tor: Das nennt man Effizienzdefizit. Und Bodo? Vier Schüsse, ein Treffer, ein Platzverweis - die nordische Minimalismus-Schule. Vielleicht war dieses 1:1 kein Fußballfest, aber es war ein ehrlicher Abend, an dem beide Teams gezeigt haben, warum der Ball rund ist und die Statistik manchmal eckig denkt. Oder, um es mit Grindheim zu sagen: "Wenn’s nach Chancen ginge, hätten wir 1:5 verloren. Aber Fußball ist zum Glück kein Wunschkonzert." Ein Punkt für die Moral, ein Punkt für den Humor - und ein Spiel, das man nicht so schnell vergisst. 22.02.644003 02:56 |
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