// Startseite
| El Peruano |
| +++ Sportzeitung für Peru +++ |
|
|
|
Ein Freitagabend in den Anden, 20.000 Zuschauer im Estadio Huancayo, und die Luft war so dünn wie die Nerven von Atletico-Trainer und Torwart-Veteran Vitor Travassos kurz vor Abpfiff. Am 25. Spieltag der 1. Liga Peru trennten sich Atletico Huancayo und Academia Lima mit 1:1 - ein Ergebnis, das beiden Teams ungefähr so viel hilft wie ein Regenschirm im Sturzbach: besser als nichts, aber richtig trocken bleibt keiner. Dabei begann alles nach Maß für die Gastgeber. Huancayo, taktisch wie immer angenehm "ausbalanciert" (so stand’s wohl auch auf der Taktiktafel, in großen Buchstaben), ließ den Ball ruhig zirkulieren. Lima dagegen kam mit einem klar offensiven Auftrag aus der Kabine, Trainer Olli Kahn hatte vor dem Spiel verlauten lassen: "Wir sind hier, um Tore zu schießen - nicht, um die Aussicht zu genießen." Seine Jungs hielten sich daran, schossen in den ersten zwanzig Minuten gleich viermal aufs Tor. David Galindo, der bullige Mittelstürmer, prüfte Travassos bereits in Minute zwei - und noch zweimal später. Doch der 28-jährige Portugiese im Tor der Hausherren war hellwach und parierte spektakulär. Und dann, in Minute 32, schlug Huancayo zu - und wie! Noah Badham, der flinke rechte Mittelfeldmann, tanzte an der Außenlinie einen Gegner aus, sah Jack Ashton in der Mitte und legte quer. Ashton nahm den Ball mit rechts, täuschte an, zog mit links ab - 1:0! Das Stadion bebte, und Ashton jubelte mit einer Geste, die irgendwo zwischen "Rockstar" und "Straßenkünstler" lag. "Ich wollte einfach Spaß haben", grinste der Engländer nach dem Spiel. "Und wenn der Ball reingeht, darf man auch mal ein bisschen Theater machen." Lima wirkte geschockt, fand aber noch vor der Pause wieder zu alter Angriffslust. Doch die Defensive Huancayos, angeführt von Iker Rincon (der sich kurz darauf eine Gelbe Karte abholte, weil er den Ball etwas zu engagiert klärte - samt Gegenspieler), hielt stand. Zur Halbzeit hatte Huancayo mit 51 Prozent Ballbesitz leicht die Nase vorn, aber wer die Statistik der Torschüsse sah, wusste: 2 zu 8 - das konnte nicht ewig gutgehen. Olli Kahn muss in der Kabine die Lautstärke eines startenden Düsenjets erreicht haben, denn nach Wiederanpfiff kam Lima mit neuem Biss. Und tatsächlich - in der 52. Minute fiel der Ausgleich. Ein schneller Angriff über den rechten Flügel, Youngster Lucas Moura (19!) flankte präzise in den Strafraum, wo Oscar Hathaway, der ruhige Stratege im Mittelfeld, den Ball technisch sauber ins lange Eck setzte. 1:1, verdient und längst überfällig. "Ich dachte, der Keeper bleibt stehen", sagte Hathaway später und grinste. "Zum Glück hat er’s nicht getan." Huancayo wirkte danach etwas ratlos, denn Offensivaktionen blieben Mangelware. Ganze zwei Schüsse aufs Tor standen am Ende auf dem Konto - und einer davon war eben der Treffer. Lima dagegen feuerte aus allen Lagen (14 Torschüsse insgesamt), doch die Präzision ließ zu wünschen übrig. Galindo traf in der 70. Minute nur den Fangzaun, Makukula verzog in Minute 48 freistehend, und Pieter Tilleman scheiterte gleich dreimal an Travassos, der zwischenzeitlich wie eine Mischung aus Katze und Mauer wirkte. In der Schlussphase wurde es ruppig: Gelbe Karten für Pedivigliano (61.) und Capone (81.) - das Spiel kippte in Richtung Zweikampfspektakel. Kahn reagierte, brachte frische Beine: Andrade und Rui da Costa kamen in der 53. Minute, später durfte der junge Quixano für den ausgelaugten Galindo ran. "Ich hab ihm gesagt: Lauf, Junge, lauf!", so Kahn, "aber dann kam Huancayo einfach nicht mehr aus der eigenen Hälfte." Doch wirklich gefährlich wurde es nicht mehr. Huancayo verteidigte clever, Lima drängte, doch das Tor blieb vernagelt. Beim Abpfiff atmeten beide Teams sichtbar durch - der Punkt fühlte sich für die Gäste wie ein halber Sieg an, für die Hausherren eher wie ein entgangener Dreier. "Wir haben heute viel gearbeitet, aber zu wenig riskiert", meinte Huancayos Kapitän Badham selbstkritisch. Sein Trainer nickte still daneben; vielleicht dachte er schon an den nächsten Gegner - oder an eine Taktiktafel mit etwas mehr "Pressing". Und Olli Kahn? Der brüllte kurz, dann lachte er. "Am Ende zählt, dass wir nicht verloren haben. Aber 14 Schüsse - da erwarte ich eigentlich zwei Tore. Mindestens." Ein gerechtes 1:1 also, das in Erinnerung bleibt - nicht wegen brillanter Spielkunst, sondern wegen purer Leidenschaft, vergebener Chancen und einem Torwart, der einen Abend lang unüberwindbar schien. Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn Fußball Kunst ist, war das hier Expressionismus - wild, laut und irgendwie schön." 03.11.643996 11:15 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat