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Wenn man das Wort "ausgeglichen" nachschlagen könnte, würde vermutlich ein Bild dieses Spiels danebenstehen: Neuchâtel Abemax und der FC Ascona lieferten sich am Mittwochabend im Stade de la Maladière ein 2:2, das alles hatte - Tempo, Tore, Emotionen und ein bisschen Chaos. 3.630 Zuschauer sahen einen lauen Frühsommerabend, der sich zu einem kleinen Drama auf vier Tore entwickelte. Beide Teams begannen mutig. Schon in der sechsten Minute prüfte Asconas Dirk Desjardins mit einem satten Schuss aus 20 Metern Heimkeeper Michel Weiss. Der junge Mittelfeldspieler war überhaupt der auffälligste Mann der ersten halben Stunde - quirlig, frech und, wie sich zeigen sollte, eiskalt. In der 20. Minute zog Desjardins erneut ab, diesmal nach einem klugen Zuspiel von Andrea Magisano, und traf flach ins rechte Eck. 1:0 für die Gäste - und der 19-Jährige rannte jubelnd Richtung Eckfahne, als hätte er gerade das WM-Finale entschieden. "Ich hab einfach draufgehalten. Dass der reingeht, war mehr Glück als Verstand", grinste Desjardins später. Doch die Freude währte kaum zwei Minuten. Neuchâtels Antwort kam postwendend: Der flinke Laurent Delmas nahm einen Pass von Marco Robert auf, tanzte zwei Verteidiger aus und schob zum 1:1 ein. Die Fans standen Kopf, und man hatte das Gefühl, dass es hier noch lange nicht vorbei war. "Wenn man so schnell reagiert, zeigt das Charakter", lobte Heimcoach - nennen wir ihn interimistisch Monsieur X, denn der offizielle Name war dem Pressebüro offenbar entfallen - mit einem verschmitzten Lächeln. Die erste Halbzeit blieb flott, taktisch aber erstaunlich konservativ. Neuchâtel spielte, wie die Statistiker später bestätigten, mit 54,7 Prozent Ballbesitz und einem geduldigen Passspiel, während Ascona mit langen Bällen und schnellen Flügeln auf Konter lauerte. Das 1:1 zur Pause war leistungsgerecht, auch wenn Ascona mit neun Torschüssen etwas mehr Zielstrebigkeit zeigte. Nach dem Seitenwechsel dauerte es keine zwei Minuten, bis der Ball wieder im Netz zappelte. Diesmal war es Marcel Jean-Pierre, der nach feiner Vorarbeit von Jean Abbadie aus halbrechter Position vollstreckte (47.). Ein klassischer "Abemax-Moment" - präzise, schnörkellos, und vom Publikum mit einem erleichterten Aufschrei begrüßt. Dann aber wurde es turbulent. In der 51. Minute blieb Asconas Innenverteidiger Marwin Thiele nach einem Zweikampf liegen. Während er behandelt wurde, schickte Trainer Rainer Zufall bereits Ersatzmann Walter Frei zum Aufwärmen. Thiele musste raus, und kaum war die Partie wieder angepfiffen, nutzte der gerade 18-jährige Mike Kluge die Unordnung in der Abwehr: Nach einem Abpraller reagierte er am schnellsten und stocherte den Ball zum 2:2 über die Linie. Sein erstes Ligator - und wie! "Ich hab gar nicht gesehen, dass er drin war", stotterte Kluge später, "aber alle haben geschrien, also hab ich halt auch geschrien." Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Neuchâtel rannte an, Ascona konterte. Philipp Sonnenschein scheiterte gleich zweimal am stark reagierenden Torwart Marco Ackermann, während auf der anderen Seite Pascal Schäfer drei Mal gefährlich auftauchte, aber stets an Keeper Weiss oder der eigenen Zielgenauigkeit scheiterte. Die letzten Minuten gehörten der Dramatik: Ein Freistoß von Delmas strich knapp über die Latte, und in der 85. Minute vergab Schäfer den möglichen Sieg, als er aus fünf Metern nur den Pfosten traf. Trainer Zufall schlug die Hände über dem Kopf zusammen. "Das war’s wohl", murmelte er - und sollte recht behalten. Am Ende blieb es beim 2:2, einem Ergebnis, das keiner Seite so richtig schmeckte, aber wohl beide leben lässt. "Wir hätten gewinnen können, aber auch verlieren", bilanzierte Neuchâtels Marcel Jean-Pierre treffend. "Also passt’s schon." Die Statistik unterstreicht das Gefühl der Ausgeglichenheit: 7:9 Torschüsse, leichtes Ballbesitzplus für Abemax, nahezu identische Zweikampfquoten. Zwei Teams, die sich nichts schenkten, aber auch nichts zerstörten. Trainer Zufall zeigte sich nach dem Abpfiff dennoch zufrieden: "Wenn du auswärts zwei Tore machst, darfst du dich nicht beklagen. Und dass wir den Punkt mitnehmen, ist verdient. Außerdem: Wir heißen nicht umsonst FC Ascona - wir bleiben entspannt." Ein Spiel also, das niemanden vom Hocker riss, aber doch allen ein Lächeln entlockte. Und wer weiß - vielleicht war dieses gerechte Remis der Anfang einer wunderbaren Rivalität. Oder, um es mit einem Fan auf der Tribüne zu sagen: "War doch schön. Und der Grill war heiß." 26.12.644002 06:30 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: