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20.000 Zuschauer im Estadio Campeones del 36 erlebten an diesem warmen Juniabend ein Spiel, das weniger durch Spektakel als durch Geduld und Effizienz glänzte - zumindest aus Sicht von Academia Lima. Die Gäste gewannen mit 1:0 bei Alianza Sullana, und wenn man ehrlich ist, war das Ergebnis milder, als es die Statistik vermuten lässt. Von Beginn an diktierte das Team von Trainer Olli Kahn - ja, jener Olli Kahn, der offenbar beschlossen hat, seine berüchtigte "Titan"-Mentalität nun in Südamerika zu verbreiten - das Geschehen. Mit 17 Torschüssen zu gerade einmal vier der Gastgeber war die Rollenverteilung klar: Lima drückte, Sullana verteidigte, manchmal verzweifelt, manchmal beherzt, selten geordnet. "Wir wussten, dass wir Geduld brauchen würden", sagte Kahn nach dem Schlusspfiff mit einem Lächeln, das in Deutschland wohl Schlagzeilen ausgelöst hätte. "Aber ich mag Spiele, in denen man sieht, wer wirklich will. Und meine Jungs wollten." Das entscheidende Tor fiel in der 49. Minute. Seppo Uusimäki, der finnische Wirbelwind auf der rechten Seite, verwertete eine kluge Vorlage von Jukka Hietanen. Ein flaches Zuspiel, ein kurzer Blick - und dann ein trockener Abschluss ins linke Eck. Torwart Marcel Peltier von Alianza Sullana streckte sich vergebens, und während Uusimäki jubelnd in den peruanischen Abendhimmel deutete, schüttelte die heimische Abwehr kollektiv die Köpfe. "Ich dachte, der Ball wäre schon weg", murmelte Sullanas Verteidiger Gabri Ze Castro später. "Aber Seppo hat einfach weitergemacht. Das war so ein Moment, wo du kurz an dir zweifelst." Tatsächlich war Uusimäki der auffälligste Mann auf dem Platz. Immer wieder tauchte er gefährlich vor dem Tor auf - in der 10., 24., 49., 50., 67., 76. und 80. Minute versuchte er sein Glück. Sieben Abschlüsse, einer drin. Effektiv genug. "Ich habe einfach geschossen, bis einer passte", grinste der Matchwinner. "Olli hat gesagt, wenn ich aufhöre zu rennen, darf ich morgen beim Frühstück nur stilles Wasser. Das hat motiviert." Alianza Sullana dagegen suchte lange nach einem Konzept. Ihr Spiel wirkte brav, fast höflich - kein Pressing, keine Überraschungen, kein Risiko. Die Taktik blieb das gesamte Match über "ausgewogen", was so viel hieß wie: Wir schauen mal, was passiert. Meistens passierte, dass Lima den Ball hatte. Immerhin: In der 66. Minute versuchte Charles Boyle mit einem Distanzschuss, das Spiel zu drehen, doch Limas Torhüter Eric Brun fischte den Ball spektakulär aus dem Winkel. Kurz darauf holte sich Ze Castro Gelb für ein rustikales Foul an Makukula - "ich wollte nur den Ball treffen", erklärte er später schulterzuckend, "aber der Ball war zu schnell weg". Drei Gelbe für Sullana, zwei für Lima - es war kein aggressives, aber ein zähes Spiel. Besonders auffällig: Ignjac Babic und Luís Makukula holten sich auf Seiten der Gäste früh Verwarnungen ab, ließen sich davon aber kaum beeindrucken. Kahn ließ beide trotzig auf dem Platz. "Ich wollte sehen, ob sie diszipliniert bleiben können", erklärte er. "Sie haben bestanden." Kurz vor Schluss brachte Lima noch den 17-jährigen Aldo Martin für den müde gewordenen Babic. "Der Junge hat in der Kabine gefragt, ob er wirklich rein darf", erzählte Kahn lachend. "Ich sagte: Natürlich - aber nur, wenn du nicht wegrennst, sobald der Ball kommt." Das Publikum verabschiedete die eigene Mannschaft mit höflichem Applaus - ein Zeichen der Anerkennung dafür, dass Alianza Sullana zumindest kämpfte. Doch spielerisch blieb vieles Stückwerk. 48 Prozent Ballbesitz, vier Schüsse, null Tore - das ist die nüchterne Bilanz eines Abends, an dem der Wille reichte, das Können aber nicht. "Wir waren zu nett", sagte Mittelfeldmann Roberto Nunez ehrlich. "Manchmal muss man einfach hässlich spielen. Lima war heute hässlich effizient." So blieb es beim 0:1 - ein Sieg, der Academia Lima auf Kurs hält und Olli Kahn wohl ein zufriedenes Abendessen beschert hat. "Ein Null zu Eins ist wie ein sauberes Bettlaken", philosophierte er beim Verlassen des Stadions. "Keine Falten, keine Flecken - einfach schön ruhig." Ob man das in Sullana genauso sah, bleibt fraglich. Aber eines war klar: Wenn man gegen einen Trainer spielt, der schon als Torwart schlaflose Nächte in Stürmern hervorrief, sollte man zumindest öfter aufs Tor schießen. Vielleicht tun sie das ja nächste Woche. Heute aber jubelte nur einer - Seppo Uusimäki, der Finne, der in Peru die Geduld erfand. 18.03.644003 16:01 |
Sprücheklopfer
Wir sind an ein Limit gekommen, wo es im Moment nicht drüber geht.
Andreas Möller