Jornal do Brasil
+++ Sportzeitung für Brasilien +++

Uzi Eban trifft, Porto Alegre jubelt - Mineiro City bleibt blass

Ein lauer Aprilabend in Porto Alegre, Flutlicht, 40.000 Zuschauer - und ein Fußballspiel, das in seiner ersten Halbzeit den Charme eines lauwarmen Mate-Tees hatte. Doch was die knapp 50 Prozent Ballbesitz beider Mannschaften an taktischer Ausgeglichenheit versprachen, mündete erst nach der Pause in das, was man im Süden Brasiliens "ein echtes Fußballspiel" nennt. CF Porto Alegre besiegte Mineiro City am 25. Spieltag der 1. Liga Brasilien mit 1:0 - knapp, aber verdient, und das dank eines Mannes, der den rechten Flügel zur Startbahn erklärte: Uzi Eban.

56. Minute, das Stadion summt vor Ungeduld. Vicente Manu, der quirlige Linksfuß, zieht an der Seitenlinie zwei Gegenspieler auf sich, hebt den Kopf - und legt den Ball halbhoch in den Strafraum. "Ich hab’ nur gehofft, dass Uzi da ist", sagte Manu später mit einem Grinsen, das zwischen Erleichterung und Stolz schwankte. Uzi Eban war da. Eiskalt, humorlos, präzise: aus zehn Metern ins lange Eck. Der Ball küsste das Netz, die Tribünen explodierten, und Jürgen Mattes, der deutsche Trainer an der Seitenlinie, ballte die Faust. "Endlich! Wir hatten Chancen für drei Spiele, aber manchmal braucht man eben diesen einen Moment."

Und Chancen hatte Porto Alegre reichlich: 17 Torschüsse, ein Dutzend davon aus der Distanz, meist durch Nelson Domingos, der offenbar beschlossen hatte, dass man das Tor irgendwann schon treffen müsse, wenn man nur oft genug draufhält. Der Ballbesitz? Fast ausgeglichen - 49,8 Prozent für Porto, 50,1 für Mineiro. Doch die Zahlen lügen: Mineiro City hatte den Ball, Porto machte das Spiel.

Mineiro City dagegen wirkte wie ein Team, das auf Autopilot gestellt war. Drei magere Torschüsse, zwei davon harmlos, einer immerhin in der 84. Minute durch Nelio Ze Castro, der Porto-Keeper David Djalo mit einem Schlenzer prüfte. Djalo, 32 Jahre alt, reagierte mit der Ruhe eines Mannes, der schon alles gesehen hat. "Ich hab nur kurz gedacht: Nicht jetzt, nicht so!", lachte er später. Es blieb beim 1:0.

In der Schlussphase wurde es noch einmal kurios. In der 88. Minute wechselte Mattes gleich doppelt - und sorgte für leichte Verwirrung, als plötzlich Ersatzkeeper Noe Galisteo als Feldspieler auftauchte. "Er kann laufen, also warum nicht?", erklärte Mattes verschmitzt. Der junge Joseba Munoz kam ebenfalls noch, wohl um Sekunden zu sammeln und Zeit zu schinden - wozu Trainer schließlich da sind.

Mineiro-Trainer - dessen Name an diesem Abend kaum jemand wusste, weil er so selten aus seiner Coaching-Zone trat - stand nach Abpfiff mit verschränkten Armen da und sagte lakonisch: "Wir hatten den Plan, Porto das Spiel aufzuzwingen. Leider hat Porto den Plan nicht gelesen."

Taktisch blieb Porto von Anfang an offensiv ausgerichtet. Mattes’ Mannschaft presste spät, aber entschlossen, und erhöhte den Einsatz mit jeder Minute. In den letzten zehn Minuten rannten sie, als hinge das Schicksal des Vereins an diesem einen Tor - was es, rein tabellarisch betrachtet, vielleicht sogar tat.

Das Publikum honorierte den Einsatz. "Endlich wieder ein Sieg!", schrie ein älterer Fan auf der Haupttribüne, der schon in der ersten Halbzeit lautstark forderte, man möge "endlich mal einen richtigen Schuss" sehen. Er bekam gleich 17 davon, auch wenn 16 ihr Ziel verfehlten.

Spielerisch war’s kein Feuerwerk, aber ein Musterbeispiel für geduldiges Aufbauen, solides Passspiel (Mattes’ Team bevorzugte die ausgewogene Variante) und ein Quäntchen mehr Wille. "Wir haben uns reingearbeitet", sagte Eban, der Torschütze, nach dem Spiel. "Am Anfang dachten wir, Mineiro würde mehr Druck machen. Aber die standen so tief, ich hab fast den Linienrichter nach dem Weg fragen müssen."

Ein Spiel für Feinschmecker war es nicht, aber eines für die Statistikfreunde: 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 17:3 Torschüsse, ein Treffer - das liest sich wie ein Lehrbuchbeispiel für Effizienz, auch wenn Porto eher nach der Methode Versuch-und-Irrtum agierte.

Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Mattes seinem Co-Trainer um den Hals. "Das war Arbeit, keine Poesie", sagte er später auf der Pressekonferenz. "Aber manchmal ist Fußball eben Handwerk - und heute waren wir Schreiner, keine Künstler."

Und so ging ein Abend zu Ende, an dem Porto Alegre wieder zeigte, dass man auch mit knapp 50 Prozent Ballbesitz und 100 Prozent Herz ein Spiel gewinnen kann. Die Fans sangen, die Spieler lächelten, und irgendwo auf der Tribüne murmelte einer: "Schade, dass’s nur 1:0 war - aber wenigstens kein 0:0 mehr."

Vielleicht das schönste Kompliment, das ein Team an diesem Abend bekommen konnte.

03.11.643996 08:57
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