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Varde führt, Millwall lacht zuletzt - 2:4 im heißen Hinspiel von Varde

40.000 Zuschauer sahen am Montagabend ein Fußballspiel, das alles hatte, was die Europaliga-Qualifikation verspricht: Tore, Drama, Verletzungen - und eine Lehrstunde in englischer Effizienz. Varde BK führte zur Halbzeit 2:1, doch am Ende jubelte der FC Millwall über ein 4:2, das fast schon nach einer Vorentscheidung riecht.

Dabei begann alles wie aus dänischem Märchenstoff. In der 13. Minute jagte Asger Vinther, der flinke Rechtsaußen Vardes, den Ball nach feinem Zuspiel von Gustav Berglund unter die Latte. "Ich hab einfach draufgehalten, dachte, schlimmer kann’s nicht werden", grinste Vinther später, als wüsste er schon, dass er kurz darauf noch einmal treffen sollte. Nur fünf Minuten später nämlich war es wieder Vinther, diesmal nach schönem Querpass von Paolo Roggiano - 2:0, Stadion in Ekstase, Trainer Mac Manager mit den Armen gen Himmel.

"Da dachte ich, das Ding läuft", sagte der Coach später mit einem Seufzer, der vermutlich die ganze zweite Halbzeit zusammenfasst. Denn Millwall hatte sich da noch längst nicht aufgegeben. Schon in der 25. Minute verkürzte Daniel Darabont nach Vorarbeit von Bradley Davonport - ein Schuss wie mit dem Lineal gezogen, direkt ins lange Eck. 2:1, und plötzlich war wieder britischer Dampf in der Partie.

Dann aber der erste bittere Moment für die Gastgeber: Innenverteidiger Johannes Tah blieb in der 40. Minute nach einem Zweikampf liegen, musste raus - Diagnose noch offen. "Ich hab nur knacken gehört", meinte Mitspieler Donkow, "und dann war klar, das ist kein gutes Geräusch." Pekka Vuorinen kam für ihn ins Spiel, und Varde wirkte fortan ein bisschen nervös, als hätte jemand den Stecker gezogen.

Nach der Pause übernahm Millwall endgültig das Kommando. Zwar hatte Varde mit 51 Prozent leicht mehr Ballbesitz, aber die Engländer feuerten aus allen Lagen: 19 Torschüsse insgesamt, fast doppelt so viele wie die Dänen (9). Und spätestens ab der 60. Minute rollte die blau-weiße Welle unaufhaltsam.

Benjamin Fryer glich in der 62. Minute nach Pass von Christopher Thackeray aus - der Jubel aus dem Gästeblock klang wie eine Baustelle, auf der Presslufthämmer arbeiten. Nur eine Minute später machte Darabont seinen Doppelpack perfekt, diesmal nach Vorlage von Riley Charpentier. 2:3 - und Vardes Abwehr wirkte, als habe sie kollektiv den WLAN-Empfang verloren.

Als ob das nicht genug wäre, schlug in der 67. Minute auch noch Tyler Boyle zu, nach schöner Flanke von Bradley Crichton. Das 4:2 für Millwall, und Trainer Sonny Crocket grinste an der Seitenlinie so breit, dass selbst Don Johnson stolz gewesen wäre. "Wir wussten, dass sie früh Druck machen, aber Fußball dauert nun mal 90 Minuten, nicht 20", kommentierte Crocket mit süffisantem Ton.

Varde mühte sich, versuchte es mit langen Bällen auf Fabio Oliveira, dessen bester Versuch in der 57. Minute vom starken Millwall-Keeper Ethan Caviness entschärft wurde. Danach: Frust. Gelbe Karten, wütende Gesten, und in der 87. Minute sah Linksverteidiger Gudmund Clausen für ein taktisches Foul Gelb. "Ich wollte nur nett sein", brummte er danach, "aber offenbar darf man das hier nicht."

Die Statistiken sprachen am Ende eine deutliche Sprache: Millwall gewann mehr Zweikämpfe (54 zu 46 Prozent), schoss häufiger aufs Tor und wirkte fitter. Selbst die späte Einwechslung des jungen Claus Carstensen brachte keine Wende mehr. Varde kämpfte, aber ohne Fortune.

"Das Rückspiel wird schwer, aber wir fahren nicht zum Sightseeing nach London", versprach Trainer Manager trotzig. Sein Gegenüber Crocket grinste nur: "Wir haben das Momentum. Und Momentum ist im Fußball wie gutes Bier - schwer zu stoppen, wenn’s erstmal läuft."

So endete ein Abend, der für Varde so vielversprechend begann und dann wie ein dänischer Sommerregen in englischem Niesel endete. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus - vielleicht, weil sie wussten, dass man gegen Millwall an einem solchen Tag einfach mal verlieren darf.

Und irgendwo im Stadion soll ein kleiner Junge gefragt haben: "Papa, warum hören die nach 20 Minuten auf, Tore zu schießen?" - Die Antwort seines Vaters ging im Jubel der Engländer unter.

22.11.644002 22:44
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