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VfB Merseburg tanzt Ludwigshafen schwindlig - 2:0 und ein Abend voller Spielfreude

Ein Heimspiel wie aus dem Lehrbuch: Der VfB Merseburg besiegte am Mittwochabend im prall gefüllten Stadion vor 33.765 Zuschauern den 1. FC Ludwigshafen mit 2:0 (2:0) und ließ die Gäste dabei phasenweise aussehen, als hätten sie die falschen Schuhe angezogen. Zwei frühe Tore, 60 Prozent Ballbesitz und 21 Torschüsse - das war kein Arbeitssieg, das war Fußball zum Genießen.

Schon nach sechs Minuten bebte die Arena: Agustin Obregon, der flinke Argentinier auf der linken Seite, zog nach feinem Zuspiel von Michele Romano einfach ab - ein trockener Schuss, halbhoch ins lange Eck. Ludwigshafens Torwart Jonas Burger, sonst ein sicherer Rückhalt, streckte sich vergeblich. "Ich hab den Ball nur noch rauschen gehört", murmelte er später mit einem gequälten Lächeln.

Wer dachte, Merseburg würde sich danach zurücklehnen, irrte gewaltig. Zehn Minuten später war wieder Jubel angesagt: Marko Dudic, der rechte Flügelflitzer, hämmerte den Ball nach Vorarbeit von Martin Pudil zum 2:0 ins Netz. Trainer Dieter Bergmann riss die Arme hoch, als hätte er gerade das Champions-League-Finale gewonnen. "Wir wollten früh klarmachen, wer hier die Musik spielt", grinste er später.

Von Ludwigshafen kam in dieser Phase wenig - zu wenig. Der Ball lief fast ausschließlich durch die Reihen der Hausherren, die sich mit Kurzpässen und eleganten Seitenverlagerungen fast schon verspielt durch die gegnerische Hälfte kombinierten. "Wir wollten das Spiel kontrollieren", erklärte Bergmann nüchtern, aber man sah ihm an, dass er innerlich kochte vor Freude.

Ludwigshafen-Coach Frank Seil hingegen hatte in der ersten Halbzeit kaum Grund zum Lächeln. Seine Mannschaft wirkte nervös, die Defensive unsicher, das Aufbauspiel fahrig. "Wir waren gedanklich immer einen Schritt zu spät", gestand er später. "Vielleicht lag’s am Bus, der wieder im Feierabendverkehr steckte."

Nach der Pause reagierte Seil mit gleich drei Wechseln, brachte frische Beine - aber keine frischen Ideen. Zwar erarbeitete sich Ludwigshafen einige Chancen, doch die Merseburger Abwehr stand stabil wie eine Betonmauer. Und wenn doch mal ein Ball durchrutschte, war Torwart Vahit Üzülmez, der zur zweiten Halbzeit für Robert McGowan gekommen war, hellwach. In der 75. Minute parierte er glänzend gegen Olaf Christensen, in der 86. behielt er auch gegen den jungen Maurizio Domanico die Nerven.

Während Merseburg munter weiter kombinierte, schien Ludwigshafen mit zunehmender Spielzeit den Glauben zu verlieren. Der Ballbesitz sprach mit 60 zu 40 Prozent eine deutliche Sprache, ebenso die Zweikampfquote (55 zu 45 Prozent). Selbst bei den Torschüssen - 21:7 - wurde der Klassenunterschied sichtbar.

In der 67. Minute gab’s dann eine Szene für die Galerie: Obregon, schon Torschütze des ersten Treffers, jonglierte den Ball an der Seitenlinie, legte ihn sich über den Kopf und grinste dabei den verdutzten Oleg Smertin an. "Ein bisschen Spaß muss sein", rief er lachend Richtung Trainerbank - und bekam prompt ein Kopfschütteln von Bergmann zurück, der später erklärte: "Solche Kunststücke sehe ich lieber beim Zirkus, aber wenn man 2:0 führt, drücke ich mal ein Auge zu."

In der Schlussphase zollte Merseburg dem hohen Tempo etwas Tribut, ließ Ludwigshafen noch ein paar harmlose Schüsse zu, doch der Sieg war nie in Gefahr. Als Schiedsrichterin Jana Streicher nach 90 Minuten abpfiff, sank Obregon grinsend auf die Knie - nicht aus Erschöpfung, sondern aus purer Freude.

"Das war heute ein Statement", sagte Kapitän Michele Romano in der Mixed Zone. "Wir haben gezeigt, dass wir Fußball spielen können - nicht nur kämpfen." Kollege Dudic ergänzte augenzwinkernd: "Und wir haben gezeigt, dass man auch mit beiden Flügeln Tore schießen kann. Links, rechts - alles egal."

Ludwigshafen hingegen wirkte ernüchtert. Trainer Seil sprach von einem "gebrauchten Abend" und versprach Besserung: "Wir werden analysieren, warum wir so passiv waren. Vielleicht auch, warum wir uns vom Gegner tänzeln ließen."

Merseburgs Fans sangen derweil längst ihre Lieblingslieder, während Bergmann mit einem verschmitzten Lächeln in die Kabine verschwand. "Ich sag nur eins", rief er noch über die Schulter: "Wenn wir so weiterspielen, wird’s für die anderen ungemütlich."

Ein Satz, den man als Warnung verstehen darf. Denn an diesem Abend war der VfB Merseburg nicht nur besser, sondern schlicht eine Klasse für sich.

Und Ludwigshafen? Die werden sich wünschen, sie hätten den Bus gar nicht erst aus der Garage gefahren.

07.11.643999 21:37
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